Der Karneval darf trotz aller Blödelei viel, aber nicht alles. Mancher Redner vergreift sich im Ton und nimmt statt der Verantwortlichen die Opfer aufs Korn.

Der Karneval darf trotz aller Blödelei viel, aber nicht alles. Mancher Redner vergreift sich im Ton und nimmt statt der Verantwortlichen die Opfer aufs Korn.
Lagen mit ihrem Altherrenhumor über Brigitte Macron daneben: Die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ in der Fernseh-Prunksitzung „Fastnacht in Franken“.

Lagen mit ihrem Altherrenhumor über Brigitte Macron daneben: Die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ in der Fernseh-Prunksitzung „Fastnacht in Franken“.

dpa (2)/Lepke/SWN

Lagen mit ihrem Altherrenhumor über Brigitte Macron daneben: Die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ in der Fernseh-Prunksitzung „Fastnacht in Franken“.

Düsseldorf. Am Freitag erlebt die Saalfastnacht der Öffentlich-Rechtlichen wieder ihren Höhepunkt: Das ZDF überträgt „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“. Hochpolitisch und stockkonservativ ging es in den Glanzzeiten beim Prunksitzungsdino zu. Doch Mainz ist nicht mehr Mainz, die Zeiten sind andere. So oder so wird aber eine bunte Sause mit allem Pipapo versprochen, wenn der Präsident den Weinrömer hebt und wieder schelmisch fragen wird: „Wolle mer’n eroilasse?“

Die Mutter aller Fernsehfastnachtformate will nach wie vor nicht nur die närrischen Gäste auf den Stuhlreihen zum Schunkeln bringen, sondern auch die Fans der Polit-Satire bedienen. Doch in einer Gesellschaft, die für moralische Fragen immer sensibler und in der die öffentliche Kontrolle immer größer wird, haben es auch die Spaßmacher schwerer. Und so sind gute Redner, die vor heiklen Themen nicht zurückschrecken und mehr zu bieten haben als weichgespülte Fröhlichkeit, rar geworden.

Büttenreden, die punktgenau sticheln, sind selten geworden

Der Karneval darf trotz aller Blödelei viel, aber nicht alles. Mancher Redner vergreift sich im Ton und nimmt statt der Verantwortlichen die Opfer aufs Korn.

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) wird wohl das letzte Mal in die Bütt gegangen sein: Seine Witze über Flüchtlinge erregten die Gemüter.

Wer in die närrische Bütt steigt, muss nicht Richling oder Rogler heißen, ein feines Näschen für den Zeitgeist sollte er dennoch besitzen, um die Balance zwischen Witz, Überzeichnung und harten Tatsachen zu halten. Doch welcher Redner setzt klare Kante, und wer liegt komplett daneben?

In der vergangenen Session sorgte Büttenredner Jupp Menth alias „Ne kölsche Schutzmann“ für Wirbel. Er beleidigte die damalige Grünen-Chefin Simone Peter, nannte sie wegen ihrer Kritik am Kölner Silvester-Einsatz ein „Arschloch“. Und ätzte über ihre Parteikollegin Claudia Roth, sie werde wegen ihrer bunten Klamotten in der Paarungszeit vom Buntspecht angeflogen, obwohl sie ornithologisch vom Vögeln gar keine Ahnung habe. Die Empörung war groß. Menth packte Polizeiuniform und Pickelhaube ein, trat von der Narrenbühne ab.

Der Karneval darf trotz aller Blödelei viel, aber nicht alles. Mancher Redner vergreift sich im Ton und nimmt statt der Verantwortlichen die Opfer aufs Korn.

Ist seit Jahren festes Ensemblemitglied der erfolgreichen Neuss-Düsseldorfer Stunksitzung: Harry Heib. Das Programm ist böse, bissig und lustig.

Ende Januar hielt Hessens Innenminister Peter Beuth eine Büttenrede, in der er über minderjährige Flüchtlinge herzog. Beuth ist zwar im wahren Leben CDU-Mann und kein Meister der geschliffenen Reimkunst, doch weil er völlig unsensibel auf die Schwächsten zielte, hagelte es reichlich Kritik. Wörtlich sagte Peter Beuth: „Vor dem Flüchtlingsverwalter verschleiert mancher gern sein Alter. / Das stellt unseren Staat fast bloß, macht Bürger ganz verständnislos. / Manch Flüchtling in ’nem Jugendheim, könnt fast eher Rentner sein.“

Mottowagen Von Groko bis zur # MeToo-Debatte: An Themen mangelt es Rosenmontag nicht:

 

Köln Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit Rakete, US-Präsident Donald Trump als Walze, deutsche Autobauer im Diesel-Sumpf und natürlich die Groko: Der Kölner Karneval arbeitet sich am Rosenmontag an den großen Themen der vergangenen Monate ab. „Wir haben uns dieses Jahr schon ein bisschen mehr mit der Weltpolitik und Umweltthemen beschäftigt, als es vielleicht in den vergangenen Jahren der Fall war“, sagte der Kölner Zugleiter Alex Dieper am Dienstag.

 

Mainz Die Mainzer Fastnacht verspottet die langwierige Regierungsbildung in Berlin. Gleich zwei Motivwagen des Rosenmontagszugs rollen mit Styropor-Figuren von Kanzlerin Angela Merkel durch die Straßen der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt.

 

Düsseldorf Die Mottowagen in der NRW-Landeshauptstadt bleiben wie immer geheim.

Und auch der jüngste Auftritt der „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ in der Fernseh-Sitzung „Fastnacht in Franken“ heizte die Debatte an. Ist es in Ordnung, die 24 Jahre ältere Frau von Frankreichs Präsident Macron als „gut eingefahr’nen Schlitten“, „gut abgehang’ne Dame“ und „schärfste alte Hütte“ zu bezeichnen? Das bedarf keiner Frage, zahlreiche Zuschauer empörten sich. In den sozialen Netzwerken bezeichneten sie die Äußerungen als „Altherrenwitzjauche“, „primitiv“, „unterirdisch“, „niveau- und würdelos“.

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