Auf das Gebäude wurden Hakenkreuze und antiislamische Parolen gesprüht.

Anschlag
Mehr als 300 Dormagener zeigten sich bei einer Kundgebung solidarisch mit den muslimischen Gläubigen.

Mehr als 300 Dormagener zeigten sich bei einer Kundgebung solidarisch mit den muslimischen Gläubigen.

Salzburg

Mehr als 300 Dormagener zeigten sich bei einer Kundgebung solidarisch mit den muslimischen Gläubigen.

Dormagen. Dursun Pekdemir ist sprachlos. Der Vorsitzende des türkisch-islamischen Moschee-Vereins Ditib kam Sonntagmorgen gerade aus der Nachtschicht, als er angerufen wurde. Vereinsmitglieder hatten sich gegen 7 Uhr zum Morgengebet an der Roseller Straße versammelt – und entdeckten die Schmierereien am Rohbau ihrer Moschee. Hakenkreuze überall, auch am Minarett, Parolen wie „Nieder mit dem Islam in Deutschland“, Drecks-Islam“, „Heil Hitler“ waren dort zu lesen. Sofort wurde der Staatsschutz informiert, der eine Ermittlungsgruppe einsetzte. Spuren wurden gesichert.

„Es ist eine absolute Schande und eine große Sauerei, was hier passiert ist.“
Erik Lierenfeld, Bürgermeister

Zwischen 23 Uhr am Samstag und 7 Uhr Sonntagmorgen müssen der oder die Täter die fremdenfeindlichen Schmierereien und Symbole offensichtlich aufgesprüht haben. „Unser Vorbeter, der hier wohnt, hat nichts gehört“, sagt Pekdemir. „Wahrscheinlich zu seinem Glück“, fügt er leise hinzu. Ob die Kameras, die lediglich die Eingänge, und auch nicht alle, zum Gelände überwachen, weitere Informationen liefern können, wird sich noch zeigen. Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf eine Belohnung in Höhe von 1500 Euro ausgelobt.

Spontan hatte Bürgermeister Erik Lierenfeld für 15 Uhr zu einer Solidaritätsbekundung an der Moschee aufgerufen. Mehr als 300 Dormagener kamen am Nachmittag dort zusammen, um sich deutlich von den Nazi-Parolen zu distanzieren. „Es ist eine absolute Schande und eine große Sauerei, was hier passiert ist“, sagte Lierenfeld und weiter: „Unsere Solidarität gilt dem Moscheeverein, der hier ein Gebäude für seine Gebete errichten möchte.“ Lierenfeld sprach von „irgendwelchen Wirrköpfen“, die das gute Miteinander in Dormagen auf diese schäbige Weise gefährden wollen.

Auch Mehmet Güneysu, Vorsitzender des Integrationsrates, verurteilte die Aktion aufs Schärfste. „Wir sind alle bestürzt und sehr traurig, gleichzeitig aber auch erfreut, dass sich so viele Dormagener solidarisch zeigen.“ Er betonte, dass Menschen mit einer anderen Kultur und Religion geschützt werden müssten. Süleyman Celik, Präsident des 2004 gegründeten Vereins „Union of European Turkish Democrats“ (UETD) aus Köln, war ebenso nach Dormagen gekommen. Sichtlich erschüttert von diesem neuen „Vorfall“ erwähnte er die Brandstiftung in der Berliner Moschee die einen Schaden in Millionenhöhe verursacht habe, sowie nur wenige Wochen später die Anschläge auf zwei Moscheen in Bielefeld.

Der Leiter der Kreispolizeibehörde Neuss, Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, zeigte sich ebenfalls entsetzt über die Vorkommnisse in Horrem. Er betonte, dass im Rhein-Kreis Neuss kein Platz für die Verbreitung von fremdenfeindlichen Parolen oder die Verherrlichung der nationalsozialistischen Vergangenheit sei.

Nicht zum ersten Mal hatte es an der Moschee Nazi-Symbole gegeben. „Vor ungefähr einem Jahr hatte jemand an unser Tor Hakenkreuze gesprüht“, sagt Dursun Pekdemir. Das habe man aber nicht gemeldet, sondern die Schmierereien einfach weggewischt. Im Januar dieses Jahres hatte Unbekannte die Fassade des städtischen Übergangswohnheims in Rheinfeld am Lupinenweg mit einem Hakenkreuz beschmiert. Einige Wochen zuvor waren an einem Gebäude am Industriebahn-Übergang an der Bundesstraße 9 Hakenkreuze aufgetaucht. Heute sollen die Schmierereien an der Moschee entfernt werden.

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