Die Begründung von DLV-Cheftrainer Jürgen Mallow: „Aus unserer Sicht ist es unklug, Björn Otto zur WM mitzunehmen.“

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Ausgebootet: Björn Otto ist zu alt für eine Weltmeisterschaft.

Ausgebootet: Björn Otto ist zu alt für eine Weltmeisterschaft.

Wentz

Ausgebootet: Björn Otto ist zu alt für eine Weltmeisterschaft.

Dormagen. Die befürchtete Nicht-Nominierung von Björn Otto für die Weltmeisterschaften in Berlin (15. bis 22. August) hat nicht nur beim TSV Bayer Dormagen einen regelrechten Schock ausgelöst.

Drei Tage brauchte allein Pressesprecher Thorsten Ribbecke, um die "bad news" zu verschicken. Otto selbst hatte von seiner Nichtberücksichtigung aus der WZ erfahren. Er war gerade beim Sportfest in Lausanne damit beschäftigt, seine Stäbe für den Super Grand Prix-Wettkampf auszupacken, als er von seiner Ausbootung erfuhr.

Man kann sich leicht vorstellen, wie es mit der Stimmung der deutschen Springer in Lausanne stand. Der 24-jährige Leverkusener Malte Mohr, der als Zehnter der DM Björn Otto vorgezogen wurde, wechselten in Lausanne kaum ein Blick mit Otto. Otto sprach von "schlechtem Stil des Deutschen Leichtathletik Verbandes", dass man nicht einmal den Mut hatte, ihm die Situation persönlich zu erklären.

Am Samstag Abend in Ulm nach der über vierstündigen Schlacht der Stabhochspringer um Meistertitel und Berlin-Nominierung war die erste Diskussion entstanden, weil einigen Herren des Nominierungs-Komitees das Ergebnis von Ulm überhaupt nicht passte. Otto war mit der selben Höhe von 5,70 m wie Meister Alexander Straub (Filstal) und Vizemeister Tobias Scherbarth (Leverkusen) Dritter geworden.

Am Montag saßen dann die Herren stundenlang in Ulm zusammen und tüftelten das WM-Aufgebot aus. Im Stabhochsprung wurden Straub, Scherbarth (nur einmal die WM-Norm, aber Zweiter der DM) sowie Malte Mohr nominiert. Otto (zweimal die WM-Norm) war dem Komitee mit 31 Jahren schlicht zu alt. Und damit liegt ein Rechtsproblem ungeahnten Ausmaßes (Anti-Diskriminierungsgesetz) auf dem Tisch.

Die DLV-Vertreter fuhren dann am Dienstag nach Berlin und verkündeten im Geschäft eines WM-Sponsors das deutsche Aufgebot. Die teilnehmenden Journalisten bekamen eine Liste. Und dann hub Cheftrainer Jürgen Mallow mit Erklärungen an, lobte das Team und machte den Journalisten Medaillenhoffnungen bei der WM schmackhaft. Doch ein Pressevertreter fragte gezielt wegen der Stabhochsprung-Nominierung nach. Mallow, extrem verlegen, sagte erstmal nichts.

Dann kramte er die Nominierungsrichtlinien hervor: "Es ist natürlich schwierig, solche Richtlinien zu verstehen. Hier steht an keiner Stelle, dass wir Trials haben, sondern dass die größte Bedeutung zur Nomnierung die Deutsche Meisterschaft hat. Es steht aber auch drin, dass die internationale Konkurrenzfähigkeit, die absolute Leistung und damit der mögliche Erfolg bei der Weltmeisterschaft eine entscheidende Rolle bei der Nominierung hat."

Dass Jürgen Mallow in dieser Situation höchst überheblich wirkte, soll noch erwähnt werden. Bisher waren immer die Deutschen Meisterschaften die "ultimative" Ausscheidung gewesen. Und der DLV wird sich bei diesem Nominierungs-Eklat nicht wundern müssen, dass er erheblich an Glaubwürdigkeit verloren hat.

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