Ein Aufatmen ging durch das Dormagener Lager. Es war noch einmal gerade so eben alles gut gegangen.

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In Wesel musste Alexander Evers sein Knie ständig kühlen.

In Wesel musste Alexander Evers sein Knie ständig kühlen.

Franke

In Wesel musste Alexander Evers sein Knie ständig kühlen.

Dormagen. Was war das für ein Drama um Alexander Everts (TSV Bayer Dormagen) bei den Nordrhein-Mehrkampfmeisterschaften am Wochenende in Wesel. Der 14-Jährige stieg mit 6,02 Meter im Weitsprung (die Bestleistung liegt bei 6,23 m) und 11,56 Sekunden (neue Bestzeit) über die 80 Meter Hürden in den Achtkampf ein und lag zusammen mit dem Rheder Daniel Spiegelhoff zunächst auf Titelkurs.

Doch beim Hochsprung verletzte er sich am Knie und musste nach 1,64 Meter passen. Beim Kugelstoßen war nur ein gültiger Stoß aus dem Stand (12,97 m) möglich - das Knie schmerzte und musste ständig gekühlt werden. War der hochtalentierte Alleskönner wie schon im April bei den Kreismeisterschaften in Uerdingen gezwungen, aufzugeben? Damals stoppte ihn bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften der Schüler ein Migräneanfall, er musste sogar in die Düsseldorfer Uni-Klinik eingewiesen werden.

"Ich konnte auf einmal nichts mehr sehen, spürte neben Übelkeit eine Lähmung in meinen Beinen", erzählte Wochen später ein noch immer geschockter Everts.

Nach einer kurzen Erholungspause durfte er wieder trainieren und Wettkämpfe bestreiten. Im Achtkampf setzte er nun alles auf die Karte Wesel, seit Monaten fieberte er diesem Wettkampf entgegen.

Zusammen mit dem Korschenbroicher Titelverteidiger Jens Reifschneider und seinem Klubrivalen Marius Reinartz wollte er nicht nur die Norm knacken, sondern auch eine Medaille holen. Aber nach dem Hochsprung saß er wie ein Häufchen Elend an der Matte und drückte ständig Eisbeutel auf sein schmerzendes Knie.

Alexander Everts beißt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht durch

Die Mutter von Jens Reifschneider, von Beruf Physiotherapeutin, tapete dann vor jedem weiteren Wettbewerb das Knie. Am zweiten Tag biss sich der Filius des Abteilungsleiters der Dormagener Leichtathleten, Carsten Everts, von Wettbewerb zu Wettbewerb mit schmerzverzerrtem Gesicht durch.

"Irgendwie muss ich hier durchkommen und die Norm schaffen", machte sich Alexander Everts, dessen Tante Sabine Everts 1984 Bronze bei den Olympischen Spielen im Siebenkampf gewonnen hatte, immer wieder Mut.

Als dann vor dem abschließenden 1000-Meter-Lauf gerechnet wurde, wie schnell er die Strecke mit seinem lädierten Knie rennen musste, um die Norm für die Deutschen Meisterschaften zu schaffen, standen 3:15 Minuten zubuche. Und das schaffte er dann auch, mit 3:13,36 Minuten blieb er unter der Vorgabe und sammelte am Schluss 4479 Punkte - 29 mehr als die Normpunktzahl. Ein Aufatmen ging durch das Dormagener Lager. Es war noch einmal gerade so eben alles gut gegangen.

Vor sieben Jahren war Everts zu Stefan Früh in die Leichtathletik-Abteilung des TSV Dormagen gekommen. Auch Handball spielte er gerne, doch der Gymnasiast musste sich für eine Sportart entscheiden. Seine Wahl hat er bis heute nicht bereut.

 Einen Berufswunsch hat er noch nicht, kann sich aber vorstellen, "Sportmanager" zu werden. Schule (Notendurchschnitt: 2,3) und Training lassen ihm nur wenig Zeit für andere Dinge. "Eigentlich habe ich viel zu wenig Zeit für mich selbst", lautet die nüchterne Feststellung eines Jungen, der im Sport immer 100 Prozent gibt.

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