Am Ende wurde es für den Zweitligisten TSV Bayer Dormagen gegen den TV Neuhausen noch einmal ganz eng.

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Dormagen. Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen geht auf einem Abstiegsplatz in die WM-Pause. Doch er tut dies mit dem psychologischen Vorteil eines ebenso erkämpften wie erzitterten 29:28-Sieges (Halbzeit 16:11) über den Tabellenelften TV Neuhausen im Rücken, den 1423 Zuschauer am Sonntagabend als versöhnlichen Abschluss eines bewegten Handballjahres feierten.

Es war der vielleicht wichtigste Sieg jenes Jahres, das den Dormagenern nach dem souverän herausgespielten Aufstieg aus der Dritten Liga bislang eine Achterbahnfahrt der Gefühle bescherte.

Schwindende Kräfte und rätselhafte Entscheidungen

Zwischen himmelhochjauchzend und zutodebetrübt bewegten sich auch die letzten 60 Handball-Minuten des Jahres 2014: Gerade einmal 48 Stunden nach der 16:33-Schlappe bei der DJK Rimpar, der höchsten Saisonniederlage am zweiten Weihnachtsfeiertag, spielte der Neuling den vor zwei Jahren noch in der Ersten Liga befindlichen TV Neuhausen 35 Minuten lang regelrecht an die Wand.

Nur um am Ende angesichts schwindender Kräfte, eines ebenso schwindenden Vorsprungs und zunehmend rätselhafterer Schiedsrichterentscheidungen den Schlusspfiff regelrecht herbei zu sehnen. 20:12 führten die Hausherren, nachdem Maximilian Bettin in der 35.

Minute einen Siebenmeter an die Latte gesetzt, den Nachwurf aber erfolgreich verwandelt hatte. Sie führten überraschend hoch, aber nicht unverdient, wie selbst Gästetrainer Aleksandar Stevic im Nachhinein zugab: „Dormagen war uns von der Willensqualität her überlegen.“

Das zeigte sich vor allem in der Deckung, der Trainer Jörg Bohrmann eine „unglaublich gute Arbeit“ bescheinigte: Sie zwang Neuhausen allein im ersten Durchgang zu neun technischen Fehlern, die der TSV zu sieben Toren aus Gegenstößen nutzte, mit denen er sich bis zur Pause bereits bis auf 16:11 abgesetzt hatte.

Doch Bohrmann bemerkte auch: „Diese Deckung hat unheimlich viel Kraft gekostet.“ Kraft, die seinen Schützlingen in der Schlussphase fehlte, um so mehr, als er entgegen sonstiger Gepflogenheiten weitgehend den gleichen Kader auf der Platte beließ. „Bewusst, weil ich die Anzahl der Fehler gering halten wollte“, sagte der Trainer im Nachhinein.

Die schlichen sich mit zunehmender Spieldauer dann doch ein ins Spiel der Hausherren. Vorne scheiterte der bis dahin so treffsichere Bettin allzu oft an TVN-Keeper Magnus Becker, hinten zeigte die Deckung bedenkliche Lücken vor allem gegen die rechte Neuhausener Angriffsseite, von der Felix Klingler (13/3) und Nicolai Theilinger (4) allein 14 der 25 Feldtore für die Gäste erzielten, gegen die auch ein glänzend aufgelegter Sven Bartmann (13 Paraden) machtlos war.

Marquardt musste nach 35 Minuten das Feld verlassen

Erschwerend kam hinzu, dass der nur mit einer Spritze gegen seine Schulterschmerzen ins Spiel gegangene Dennis Marquardt eben jenen Schmerzen Tribut zollen musste und nach 35 Minuten auf der Bank blieb.

Noch erschwerender waren etliche Entscheidungen der Unparteiischen Ronny Dedens und Nico Geckert (Magdeburg). „Höhepunkt“ war eine Zeitstrafe gegen Jörg Bohrmann (56.), weil der das Spielfeld betreten hatte – dabei war die Partie zu diesem Zeitpunkt wegen eines brutalen Foulspiels von Daniel Wessig an Peter Strosack längst unterbrochen.

„Nicht auszudenken, wenn das uns den Sieg gekostet hätte“, ärgerte sich Bohrmann. Zu diesem Zeitpunkt führten die Hausherren mit 26:22, nachdem der TVN kurz zuvor bereits auf 22:24 (54.) verkürzt hatte. Marquardt biss jetzt noch einmal auf die Zähne und stabilisierte die Deckung, Bettin riss sich zusammen und erzielte die wichtigen Treffer zum 25:22 (54.) und 27:24 (58).

Und letztlich war es der am Sonntagabend ganz starke Peter Strosack, der mit seinem achten Tor zum 28:25 58 Sekunden vor Schluss endgültig den Weg auf die Siegerstraße ebnete. Der Rest ging im Jubel der 1423 Fans unter, die eine Gewissheit mit in den Jahreswechsel nehmen konnten: Aufgeben wird sich dieser TSV Bayer Dormagen in dieser Saison ganz gewiss nicht.

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