Tabellenführer NEV muss nach Sieg über Ratingen auch ohne Lingemann auskommen.

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Kai Oltmanns (links) sucht eine Anspielstation, Holger Schrills (rechts) wartet schon auf die Scheibe.

Kai Oltmanns (links) sucht eine Anspielstation, Holger Schrills (rechts) wartet schon auf die Scheibe.

Franke

Kai Oltmanns (links) sucht eine Anspielstation, Holger Schrills (rechts) wartet schon auf die Scheibe.

Neuss. Mit einem eindrucksvollen 6:2 (1:1, 4:0, 1:1)-Erfolg im Kult-Spiel gegen die Ratinger Aliens kehrte der Neusser Eishockey Verein wieder an die Spitze der Oberliga-Aufstiegsrunde zurück, da die Hügelsheimer zeitgleich in Dortmund mit 2:6 unterlagen. Vor Spielbeginn hatte der NEV mit dem Neusser Bürgermeister Herbert Napp nicht nur einen neuen Fan vorgestellt (er bekam für seine bisherige Unterstützung ein Trikot) sondern auch seine besten Spieler (durch Bürgermeister Napp) ausgezeichnet, die bei der Experten-Umfrage einer Fachzeitschrift ausgewählt worden waren - darunter die drei auch an diesem Abend besonders starken NEV-Cracks Rob Campbell (drei Treffer in einem Drittel!), Holger Schrills und Torhüter Carsten Solbach.

In den den ersten zehn Minuten hatte sich bereits ein munteres Spiel für die 312 zahlenden Zuschauer entwickelt. Und dann kam der Schock für den NEV. Mit einem völlig unnötigen Check gegen den Kopf und Nacken des Ratingers Jan-Sebastian Fries (er stand auch schon in NEV- Diensten) wurde Max Lingemann vom unerbittlichen Schiedsrichter Axel Rademaker (Krefeld) zum Duschen - und mit Matchstrafe (für drei bis sechs Spiele) zum längerfristigen Zuschauen vom Eis gejagt. Im anschließenden fünf-minütigen Powerplay kamen die Ratinger zu ihrem ersten Treffer durch Marvin Wintgen.

Die NEV-Fans befürchteten Schlimmeres, zumal ohnehin schon Boris Fuchs, Gilbert Schröder ("Ich kann in zwei Wochen wieder trainieren!") und Evgenij Kozhevnikov (Schultergelenk-Ecksprengung) ausgefallen waren. Da hatte angesichts der Personalnot NEV-Trainer Andrej Fuchs einen kompletten Junioren-Block (mit lauter 17-Jährigen!) aufbieten müssen. 13 Sekunden vor dem Drittelende schaffte dann Holger Schrills mit seinem ersten Treffer gegen den bis dahin gut haltenden Ratinger Goalie Ken Passmann (vor fünf Jahren beim NEV) den so wichtigen Ausgleich.

Kaum hatten die Besucher im zweiten Drittel ihre Plätze wieder eingenommen, reagierte der NEV in der 22. Minute innerhalb von 19 Sekunden mit einem Doppelschlag durch den 24-jährigen US- Amerikaner Rob Campbell, dessen Eltern (mal wieder) in Neuss nach dem Rechten sahen, besonders abgeklärt. In diesem Drittel zog der NEV dann durch Holger Schrills und Campbell (in Überzahl) bis auf 5:1 davon. In der Ecke der etwa 60 Ratinger Fans wurde es auffallend ruhig. Das änderte sich auch nicht als die Ratinger im Schlussdrittel durch Christian Schlesiger (früher auch in NEV-Diensten) zum 2:5 kamen. Sven Ernst machte in der 48. Minute alles für den NEV klar, der nun keine weiteren Kräfte vor dem rheinischen Derby am Sonntagabend in Düsseldorf ohne Not verbrauchen wollte.

Fazit: Mit einer konzentrierten Leistung kann der NEV in der Oberliga- Aufstiegsrunde jedes Team schlagen. Käme es jetzt schon zu den ab dem 20. März beginnenden Play-Offs müsste der NEV gegen die DEG II spielen und die Dortmunder gegen die Hügelsheimer. Gestern Abend musste der Neusser EV in Düsseldorf ran. Das Spiel stand nach zwei Dritteln 4:2 für den NEV vor 600 Zuschauern.

Zeitungsbericht schreckte viele Ratinger Fans ab

Statt der erhofften 200 Fans aus Ratingen kamen nur 60 und drückten damit die Einnahmen des NEV. Grund: In der größten Ratinger Tageszeitung hatte es am Freitag einen Bericht hinsichtlich Zahlungsschwierigkeiten gegeben, den der Vorstand noch am frühen Vormittag auf seiner Homepage dementierte. Doch das brachte (viel zu) viele Ratinger Fans dazu, die ursprünglich geplante Fahrt nach Neuss erst gar nicht anzutreten. Nur der Fanbus, der zuvor gebucht war, machte sich auf den Weg in den Südpark. Der Redakteur der Ratinger Zeitung saß dann auch am Freitag Abend nach Spielschluss mit seinem Notebook auf den Oberschenkeln und fertigte einen aktuellen Bericht vom verlorenen Spiel. Neben dem Spielbericht in der Samstag-Ausgabe gab er dem derzeitigen Boss der Ratinger Aliens (Rainer Merkelbach) in einem Interview Gelegenheit zu Stellungnahme ("Wir machen kein Minus, die Spieler erhalten vertragsgemäß ihr Geld bis zum 15.").

Der Hintergrund: Die wieder in die Regionalliga aufgestiegenen Aliens (nach Insolvenz in der Oberliga 2006) hatten zu Saisonbeginn viele Zuschauer angelockt (zu den Spielen gegen Neuss rund 850 zahlende Besucher), dann aber in der Oberliga-Aufstiegsrunde nicht mehr mit gehalten (nur Siebter unter den zehn Teams) und früh die Chance auf die Play-Offs der besten vier eingebüßt. Das sorgte im Eishockey-verrückten Ratingen für Unruhe und zu einem drastischen Zuschauer-Rückgang (zuletzt gegen Stuttgart nur noch 330). Die nicht anwesenden Ratinger Fans informierten sich über die diversen Ticker im Internet, es waren Hunderte. Schade, dass sie nicht in den Südpark gekommen waren. Denn das Spiel stand auf einem hohen Niveau.

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