Beim Saisonauftakt auf der Neusser Galopprennbahn brauchten die Starter in den meisten Rennen Geduld.

Neuss. Im Galopprennsport werden häufig als Grundlagen für Erfolge vier große Gs genannt: Geld, Glück, Geduld und Güte. Beim Saisonauftakt auf der Neusser Galopprennbahn war in vielen Rennen vor allem Geduld gefragt. Das bedeutete in der Praxis: Reiter, die mit ihren Pferden zu früh im Bereich der Zielgeraden vorne waren, wurden von den Gegnern mit größerer Geduld und mehr Endspurtqualitäten noch abgefangen.

Die Rennen wurden live nach Frankreich übertragen

Das begann schon im ersten der acht nach Frankreich übertragenen Rennen. Im Sattel der antrittsschnellen Stute Alpha schien Jockey Pascal Jonathan Werning auf einer sicheren Siegerspur, doch mit großen Reserven überspurtete der Wallach Gamgoom aus dem Stall von Mario Hofer die 11:10 Favoritin noch um zwei Längen.

Der England-Import mit Andre Best wird in dieser Verfassung nicht zum letzten Mal gewonnen haben. Mario Hofer könnte wieder einen seiner hochgeschätzten Seriensieger im Stall haben, damit das letzten „Seuchenjahr“ schnell in Vergessenheit gerät. Schon das zweite Rennen wurde gleichfalls nicht „von der Spitze“ gewonnen, sondern durch den Favoriten Pascani mit Alexander Weis im Schlussspurt vor Hippocrene.

Auch dem Favoriten Pacha im dritten Rennen bewahrte Jockey Rene Piechulek die entscheidenden Reserven bis zum Schluss und damit zum Sieg auf. Besonders starke Nerven zeigte Norman Richter im vierten Rennen mit dem spurtstarken Magic Jack aus dem Stall der Iffezheimer Trainerin Marion Rotering. Ehemann Hans-Georg Rotering war wie stets mit den Pferden nach Neuss gereist: „Als er unterwegs immer besser aufkam, hatte ich schon noch Hoffnung. Wenn er gewinnt, dann doch immer im letzten Galoppsprung. Ich habe gute Nerven.“

Vorstandsmitglied Reinhard Ording ehrte das Siegerteam mit der Besitzergemeinschaft, die sich trefflicher Weise „Stall kurzer Kopf“ nennt. Ording gegenüber der NGZ: „Die Bahn war besser besucht als von uns befürchtet. Es war wichtig, dass es nicht regnete. Das Geläuf war relativ schnell, weil der viele Wind das Wasser wieder abfließen ließ.“ Sehr flott ging es auch im Hauptrennen um den Preis der Stadt Neuss über 1500 Meter zu. Trotz der kurzen Distanz waren die Abstände im Ziel riesengroß.

Beim Preis der Stadt Neuss starteten nur fünf Pferde

Das durch die Abmeldung von Elgin und Favio forte auf fünf Pferde geschrumpfte Feld kam praktisch in zwei Abteilungen ins Ziel. Beacon Hill und der Favorit Tadai kämpften am Ende allein um den Sieg, den sich schließlich der von Christian Peterschmitt in Zweibrücken trainierte Wallach Beacon Hill sicherte. Es war der 17. Sieg des Pferdes beim 46. Start.

Einen großen Anteil daran hatte Larissa Bieß, die trotz geringer Erfahrung mit erstaunlicher Zähigkeit den Vorsprung von einem Kopf ins Ziel rettete. Der zuletzt vor Beacon Hill siegende Ferro Sensation endete nur auf Platz fünf. Vizepräsident Peter Ritters ehrte die Sieger, in Personalunion auch für die Stadt Neuss. Ritters: „Schließlich habe ich dort 51 Jahre lang gearbeitet.“ Der Rennverein hatte in Anbetracht der Ereignisse in Paris bei den Ehrungen eine französische Flagge aufgeboten.

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