Rainer Thiel (SPD) feiert Einzug in den Landtag, Katerstimmung bei der CDU.

Da war noch nichts entschieden: Wiljo Wimmer (CDU) am Wahlsonntag mit Herausforderer Rainer Thiel (SPD), der seinen Vorsprung später auf 2,3 Prozentpunkte ausbauen konnte (v.l.).
Da war noch nichts entschieden: Wiljo Wimmer (CDU) am Wahlsonntag mit Herausforderer Rainer Thiel (SPD), der seinen Vorsprung später auf 2,3 Prozentpunkte ausbauen konnte (v.l.).

Da war noch nichts entschieden: Wiljo Wimmer (CDU) am Wahlsonntag mit Herausforderer Rainer Thiel (SPD), der seinen Vorsprung später auf 2,3 Prozentpunkte ausbauen konnte (v.l.).

Gräfe

Da war noch nichts entschieden: Wiljo Wimmer (CDU) am Wahlsonntag mit Herausforderer Rainer Thiel (SPD), der seinen Vorsprung später auf 2,3 Prozentpunkte ausbauen konnte (v.l.).

Rhein-Kreis Neuss. Der historische Doppelsieg der SPD im Kreis ist auch gestern Thema des Tages.

206 406 Wähler haben am Sonntag ihre Stimme abgegeben. Die Wahlbeteiligung liegt mit einem leichten Plus gegenüber der Landtagswahl 2010 bei 62,1 Prozent. Die CDU ist mit 30,8 Prozent der Zweitstimmen nicht mehr stärkste Kraft im Kreis und verliert 10,1 Prozentpunkte, während die SPD kreisweit 6,2 Prozentpunkte bei den Zweitstimmen zulegt und damit auf 33,3 Prozent kommt.

Aus CDU-Sicht ist das Wahlergebnis eine Katastrophe. CDU-Fraktionschef Dieter Welsink ist bei der Wahlpräsentation im Kreishaus in Grevenbroich entsprechend enttäuscht, als die ersten Wahlergebnisse eintrudeln: „Das erstaunt uns sehr. Wir haben klare Wege aufgezeigt, doch das scheint bei den Bürgern nicht richtig angekommen zu sein.“ CDU-Kreistagsmitglied Bertram Graf von Nesselrode kann dem Wahlausgang nur ein positives Ergebnis abringen: „Gut, dass weder die Rechten noch die Linken in den Landtag eingezogen sind.“

Bei den Zweitstimmen liegt die CDU im Gesamtergebnis mit 30,8 Prozent zwar klar über dem Landesschnitt (26,3 Prozent), doch für den traditionell schwarzen Rhein-Kreis Neuss ist das Ergebnis ein Desaster.

Zusammen gefeiert haben die beiden SPD-Sieger Rainer Thiel (Wahlkreis 45) und Reiner Breuer (Wahlkreis 44) am Sonntag zwar nicht, dafür aber noch lange miteinander telefoniert. „Es freut mich sehr, dass wir es beide geschafft haben“, sagt Thiel, der eine lange Nacht hinter sich hat: Vom Willy-Brandt-Haus in Grevenbroich geht es nach Rommerskirchen und wieder zurück nach Dormagen, wo noch bis 2.30 Uhr ausgelassen gefeiert wird. Rainer Thiel spricht von einem Wahlausgang von historischem Ausmaß: „Das erste Mal überhaupt seit 60 Jahren liegen wir so klar vor der CDU“, sagt der 60-Jährige und genießt seinen Erfolg. Gestern nimmt er mehr als 50 E-Mails und zahlreiche Glückwunsch-SMS entgegen. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, mich bei den Wählern zu bedanken“, sagt er und freut sich über das sensationelle Abschneiden seiner Partei: „Ich bin breit getragen worden.“

Thiel: SPD hat das Vertrauen der Arbeitnehmer zurückgeholt

Der Sozialdemokrat wertet die Abstimmung durchweg als Richtungswahl für die Kommunalwahlen in zwei Jahren. „Die CDU hat dramatisch verloren – und das eigentlich überall.“ Thiel führt den Wahlerfolg aber auch auf die Steilvorlagen zurück, die CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen geliefert habe. „Das hat zusammengespielt“, meint er. Den gelernten Starkstromelektriker freut, dass die SPD die alten Hochburgen in Neurath und Frimmersdorf und damit auch das Vertrauen vieler Arbeitnehmer habe zurückholen können.

Thiel will weiter Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kreis bleiben („Das kombiniert sich gut“). Er sieht sich in der Verpflichtung, die Themen, die den Kreis betreffen, jetzt im Land zu vertreten. Heute kommen die gewählten SPD-Abgeordneten zu einem ersten Treffen zusammen. Dann werde auch die Zusammensetzung der Ausschüsse besprochen. Der Ausschuss für Wirtschaft, Mittelstand und Energie oder der Verkehrsausschuss gehören zu Thiels Favoriten.

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