Seit knapp einem Jahr macht Natalie Schnitzler (21) eine Ausbildung.

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Mit dem Fünf-Kilo-Besen auf den Dächern der Stadt unterwegs: Natalie Schnitzler.

Mit dem Fünf-Kilo-Besen auf den Dächern der Stadt unterwegs: Natalie Schnitzler.

Georg Salzburg

Mit dem Fünf-Kilo-Besen auf den Dächern der Stadt unterwegs: Natalie Schnitzler.

Neuss. Als sie zu den umliegenden Häuserdächern hinaufschaut, fällt ihr dann doch noch etwas ein, was ihr bei der Arbeit Probleme bereitet: das Klettern auf hohen Dächern. "Aber nur dann, wenn sie wirklich hoch, steil oder beschädigt sind", sagt Natalie Schnitzler und fügt schnell an: "Das ist aber auch eher selten der Fall."

Seit August 2009 macht die 21-jährige Neusserin bei Schornsteinfegermeister Rainer Holtermann in Düsseldorf eine Ausbildung zur Schornsteinfegerin. Im Betrieb ist sie die einzige Vertreterin des weiblichen Geschlechts.

"Natürlich ist das nicht der typische Frauenjob. Aber mir macht der Beruf riesigen Spaß und ich wüsste auch nicht, warum die Arbeit nichts für Frauen sein sollte", sagt Schnitzler und grinst.

Schmunzeln muss bei ihren Worten auch ihr Ausbilder, der die Neusserin nach einem Einstellungstest und einem Praktikum eingestellt hat. "Natalie hat ein Händchen für die Arbeit und macht sich bei allen Aufgaben sehr gut", sagt er. "Mittlerweile rufen sogar viele Leute an und wollen unbedingt, dass Natalie bei ihnen die Arbeit macht."

Zu den täglichen Aufgaben des Schornsteinfegers gehören Abgasmessungen oder eben das Ausfegen von Schornsteinen. Bei Putztouren im Sommer müssen täglich bis zu 70 davon gesäubert werden - je nach Durchmesser auch schon mal mit einem bis zu fünf Kilogramm schweren Besen.

Für Schnitzler ist das alles kein Problem: "Das kann natürlich ganz schön in die Arme gehen, ist aber reine Gewöhnungssache." Ebenso wie das tägliche Schleppen des 15Kilogramm schweren Ausrüstungsrucksacks. "Den müssen die Lehrlinge tragen. Da machen wir zwischen Männlein und Weiblein keinen Unterschied", erklärt Rainer Holtermann.

Das will seine Auszubildene, die privat eine leidenschaftliche Motorrad-Bastlerin ist, auch gar nicht: "Das gehört dazu. Außerdem finde ich körperliche Arbeit, bei der ich mich dreckig machen darf und an der frischen Luft bin, toll." Beim Gedanken an eine Büroarbeit schaut sie fast angewidert: "Das wäre gar nichts für mich."

Ihre Begeisterung für den Beruf wurde schon als kleines Mädchen geweckt: "Ich fand es immer total spannend, wenn die Schornsteinfeger bei uns zu Hause gearbeitet haben." So musste Natalie Schnitzler nach ihrem Fach-abitur auch nicht lange überlegen und bewarb sich beim Betrieb von Rainer Holtermann.

Dabei erfuhr die 21-Jährige vom ersten Tag an, dass der Schornsteinfeger für viele Leute ein lebendes Glückssymbol darstellt: "Mehrmals am Tag klopfen mir Menschen auf die Schulter und sagen, dass es ihnen Glück bringe. Das ist immer wieder ein schönes Gefühl."

Nicht nur deshalb steht für die angehende Schornsteinfegerin fest, dass es auch nach der Ausbildung in ihrem "absoluten Traumberuf" weitergehen soll: "Ich möchte Energietechnik studieren und dann meinen Meister machen, um später irgendwann meinen eigenen Bezirk zu haben."

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