Ralf Weckwerth ist als Erzieher in der Kita Kleine Freiheit tätig. Ohne viel Idealismus ist sein Job nicht machbar, sagt er.

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Um den älteren Kindern die Gelegenheit zu geben, ihren Alltagsfrust abzubauen, hat Ralf Weckwerth ein Box-Training ins Leben gerufen.

Um den älteren Kindern die Gelegenheit zu geben, ihren Alltagsfrust abzubauen, hat Ralf Weckwerth ein Box-Training ins Leben gerufen.

M.I.

Um den älteren Kindern die Gelegenheit zu geben, ihren Alltagsfrust abzubauen, hat Ralf Weckwerth ein Box-Training ins Leben gerufen.

Neuss. "Kindergärtner", diese Bezeichnung mag Ralf Weckwerth (46) gar nicht. "Ich bitte Sie, das da unten ist kein Garten. Und mit dem was wir machen, hat es auch nichts zu tun." Er lacht, als er diese Worte sagt und doch ist es ihm ernst. Ralf Weckwerth ist Erzieher. Einer von wenigen. In den städtischen Kindertages-Einrichtungen etwa arbeiten 72 Erzieherinnen, aber nur zwei Erzieher.

"Als ich mich Ende der 80er Jahre entschieden habe, diesen Beruf zu erlernen, habe ich mir um Verdienst, Ansehen und auch die vielen Frauen in meinem künftigen Beruf keine Gedanken gemacht." Die Erleuchtung kam mit der schulischen Ausbildung, als er und ein weiterer Mann unter 20 Frauen im Klassenraum saßen. Was vor 20 Jahren ungewöhnlich war, ist es bis heute geblieben. Mit zwei festangestellten Erziehern ist die Kita Kleine Freiheit also durchaus etwas Besonderes.

Für viele Eltern ist genau dieser Umstand ein gutes Argument, ihr Kind in die Kita Kleine Freiheit zu bringen. "Gerade Alleinerziehende sehen das als Vorteil", weiß Weckwerth. Dass mehr Männer in der Kinderbetreuung tätig sein sollten, ist für ihn "ein Muss". "Wer kümmert sich denn in den ersten Jahren um das Kind? Meist die Frau. Im Kindergarten - wieder nur Frauen. Und in der Grundschule? Immer noch mehrheitlich Frauen", zählt Weckwerth auf. "Kinder, gerade Jungs, brauchen auch den Umgang mit Männern."

In seinem Alltag hat er festgestellt, dass Männer und Frauen oft andere Betrachtungsweisen haben. "Heute ist es normal, dass Kinder ohne Aufsicht draußen spielen", sagt Weckwerth. "Als ich das Ende der 80er Jahre befürwortet habe, war ich mit dieser Ansicht total isoliert."

Jungen Männern, die heute mit dem Gedanken spielen, den Beruf des Erziehers zu erlernen, rät er beinahe ab. "Ansehen und Reputation sind nicht sehr hoch. Und von dem Gehalt kann man keine Familie ernähren. Warum sollte ich eine fünfjährige Ausbildung machen, soviel Zeit investieren, um dann so wenig dafür zu bekommen?" fragt Weckwerth. Auch sein Kollege Kai-Michael Pietza sieht das ähnlich. "Der Beruf muss dringend aufgewertet werden", sagt er. "Wir machen hier ja keine Beschäftigungstherapie." Vor kurzem hat Pietza einen Button gesehen, auf dem stand "Ich bin keine Basteltante". "Das trifft es eigentlich sehr gut", sagt er.

Beide, Pietza und Weckwerth, haben sich nach ihrer Ausbildung entschieden, mit älteren Kindern zu arbeiten. In der Kita Kleine Freiheit sind sie in erster Linie für die Hortgruppen zuständig. Um die kleinen Kinder kümmern sie sich nur an wenigen Tagen. Um den älteren Jungen und Mädchen Gelegenheit zu geben, ihren Alltagsfrust und Aggressionen abzubauen, hat Ralf Weckwerth für sie ein Box-Angebot auf die Beine gestellt. Eine Idee, auf die wohl nur wenige Erzieherinnen gekommen wären.

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