In Kaarst gibt es nur Schokotaler, „Burgherrin“ Ursula Kwasny beschenkt die Narren in Grevenbroich mit Chips und Kamelle. In Dormagen wird jeder Cent für den klammen DHC aufgespart.

Altweiber in...Kaarst...
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...und Dormagen.

Stefan B�, Bild 1 von 2

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Rhein-Kreis Neuss.

Kaarst: Pünktlich um 11.11 Uhr stürmt eine Schar aufgeregter Frauen das Kaarster Rathaus, die Abwehraktionen von Bürgermeister Franz-Josef Moormann und Stadtkämmerer Heinz-Dieter Vogt bleiben wirkungslos. Auch die Unterstützung durch Prinz Marc I. Siebert fruchtet nicht. Der Regent hat auch gegen seine Martina I. Wirth kaum eine Chance, denn die jecken Weiber sind fest entschlossen, die Macht zu übernehmen.

Nach einem kleinen Handgemenge zwischen Obermöhne Ulla Bußmann und dem Rathauschef, der das Nachsehen hat, wird nun die Stadtkasse geplündert. Für Vogt ist das diesmal weniger schlimm als in den Vorjahren: „Die Kass is eh leer – wir sin pleite.“ So bringen die jecken Wiever die allerletzten (Schokoladen)-Euro unters Volk. Die Stimmung in der Rathausgalerie ist super, und es darf geschunkelt werden. Bürgermeister Moormann nimmt seine Entmachtung fröhlich hin, zusammen mit den Grundschulkindern der Matthias-Claudius-Schule singt er das Affenlied zur Melodie aus „Fluch der Karibik“. Regentin Martina feiert ausgelassen: „Jetzt haben wir Frauen die Macht!“

Grevenbroich: Die Sonne lacht, die Jecken schunkeln, und Bürgermeisterin Ursula Kwasny ist den Rathausschlüssel erst einmal los. Fast 1689 Zuschauer – so zumindest die augenzwinkernde Schätzung von Moderator Reiner Landsch, erleben auf dem Marktplatz den Sturm der Möhne mit. Für Landsch ist es ein rundes Jubiläum: Zum 30. Mal führt das Urgestein der Orkener GKG „Grielächer“ durch das Programm.

Mitgebracht hat er das Orkener Dreigestirn Prinz Hubert I., Bauer Herbert und Jungfrau „Kaki“ Hans-Dieter. Närrische Unterstützung leisten außerdem die KG Kläävbotze Rot-Weiß und der erst drei Jahre junge Neukirchener Karnevalsverein.

Die Bürgermeisterin hat sich anlässlich des 700-jährigen Stadtjubiläums in ein aufwändiges Burgfräulein-Kostüm geworfen, und auch die Rathaus-Mitarbeiter sind in mittelalterliche Gewänder geschlüpft.

Währenddessen haben die Narren draußen ein ganzes Arsenal an Stimmungskanonen aufgefahren, um die „Burgherrin“ aus ihrem Gemäuer zu locken: Vom Nachwuchs-Mariechen Tamara von der KG Kläävbotze, das sich als Eisbrecher in die Herzen des Publikums tanzt, über die Grielächer-Tanzgruppe „Blue Birds“ bis hin zum Fanfarenkorps.

In Grevenbroich gilt ab sofort die karnevalistische Buchführung

Angesichts solch einer jecken Übermacht ist es kein Wunder, dass sich die Bürgermeisterin schließlich der närrischen Übermacht ergibt und den Rathausschlüssel in jecke Hände legt. Über das gute Stück wacht nun das Gustorfer Dreigestirn Prinz Jürgen, Bauer Dirk und Jungfrau Ewald. Dem Jeckenvolk gibt Ursula Kwasny noch ein paar Verse mit auf den Weg. „Zwar ist das Säckel leer, doch Freude soll’s für Euch Alle geben“, verspricht sie und beglückt die Narrenschar mit Chips und Kamelle. Das Haushaltsloch ist bis Aschermittwoch von der Tagesordnung, jetzt gilt die karnevalistische Buchführung. Und bei der zählen Frohsinn und Gemeinschaft: „Wir sind mehr als Heller und Pfennig, mehr als Euro und Gulden und mehr als all unsere Schulden“, dichtet Kwasny. Denn „alle zosamme, sin’ mer dat dicke Plus, das man einfach gern haben muss.“

Dormagen: Ebenfalls bei Sonnenschein und vor einer Kulisse, die glatt dem Alter Markt in Köln alle Ehre machen könnte, übergibt Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann symbolisch den Rathausschlüssel an Prinz Wolf I. und seine Prinzessin Gudrun. Damit haben die Jecken die Herrschaft übernommen und erklären: „Die Würde der Jecken ist unantastbar.“

Der Handball war bei der Schlüsselübergabe auf dem Balkon des Historischen Rathauses Dreh- und Angelpunkt der Rede von Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann: „Beim DHC gibt es derzeit Ach und Weh, doch Handball, unser Handball, bleibt bestehen. Und wenn dat ganze Fachmarktzentrum bebt, eins weiß ich janz genau, der Handball lebt!“

Gleichzeitig ruft der erste Mann der Stadt zu Spenden für den DHC Rheinland auf: „In diesem Sinne spendet fleißig ein Euro, zehn, 20 oder 30 – damit am End, wenn ausgezählt, dem Handball nicht ein Euro fehlt.“ Nach der Machtübernahme geben sich vor der Bühne am Paul-Wierich-Platz die Tollitäten aus dem gesamten Dormagener Stadtgebiet die Klinke in die Hand. Neben den Tanzgarden sorgen die Altreucher für die richtige Stimmung.

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