Geplante Bauvorhaben dürfen nicht im Gefahrenbereich von „Störfallbetrieben“ liegen.

Geplante Bauvorhaben dürfen nicht im Gefahrenbereich von „Störfallbetrieben“ liegen.
Der Chempark (oben) und der Gashändler GHC (unten) gelten als Störfallbetriebe, die die Bauplanung in Dormagen beeinflussen. Archiv

Der Chempark (oben) und der Gashändler GHC (unten) gelten als Störfallbetriebe, die die Bauplanung in Dormagen beeinflussen. Archiv

Der Chempark (oben) und der Gashändler GHC (unten) gelten als Störfallbetriebe, die die Bauplanung in Dormagen beeinflussen. Archiv

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Der Chempark (oben) und der Gashändler GHC (unten) gelten als Störfallbetriebe, die die Bauplanung in Dormagen beeinflussen. Archiv

Dormagen. Hoch umstritten ist die Planung eines Fachmarktzentrums auf dem ehemaligen Gelände der Zuckerfabrik an der Europastraße. Bei den Innenstadthändlern, bei vielen Bürgern. Vielleicht müssen sie sich bald keine Sorgen mehr machen, weil das Projekt gar nicht umgesetzt werden darf. Der Grund könnte in dem Seveso-II-Gutachten liegen, das zurzeit erstellt wird. Darin geht es um Achtungsabstände zu sogenannten Störfallbetrieben, wie GHC in Delrath und der Chempark. Heißt: Ist der Sicherheitsabstand zu gering, könnte dies das Aus für das Fachmarktzentrum bedeuten.

Gutachter erstellen Karte mit nötigen Sicherheitsabständen

Nach dem Chemieunglück 1976 im italienischen Seveso wurde die gleichnamige Richtlinie EU-weit eingeführt und in Deutschland in die Baunutzungsordnung aufgenommen, wie Gregor Nachtwey, Leiter der Stadtplanung, erklärt. Vereinfacht gesagt ist die Ansiedlung von Wohnungen nahe Industriegebieten untersagt; sensible Nutzungen (wie ein Fachmarktzentrum mit vielen Besuchern) dürfen nicht mehr an Industrieanlagen heranreichen, die mit toxischen Stoffen arbeiten. „Der Gutachter untersucht die Anlagen auf deren Gefährdung hin“, sagt Nachtwey, „und entwirft ein Szenario wie beispielsweise eine Leckage. Welcher Stoff breitet sich unter welchem Druck wie schnell und wie weit aus? Anhand dieser Untersuchungsergebnisse wird eine Karte mit den Achtungsabständen, die durchaus anderthalb Kilometer groß sein können, erstellt. „Darauf warten wir“, so der Stadtplaner. Am Beispiel Fachmarktzentrum erklärt: Liegt der Sicherheitsabstand eines Störfallbetriebs im Chempark innerhalb des Werkes, gibt es keine Probleme. „Schwappt“ der erforderliche Abstand sozusagen darüber hinaus, wird es allerdings schwierig. Nachtwey: „Dann muss in der nächsten Stufe untersucht werden, ob der Betrieb seinerseits Maßnahmen ergreifen kann und will, um die Gefährdung zu reduzieren, oder ob wir durch stadtplanerische Vorkehrungen etwas tun können.“

Oberster Stadtplaner sieht Projekt Zuckerfabrik nicht gefährdet

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Es geht längst nicht nur um das Fachmarktzentrum. „Das Seveso-II-Gutachten kann Auswirkungen auf die Stadtentwicklung haben“, sagt Nachtwey. Er nennt die Erweiterungsfläche des Friedhofs im Top-West-Areal, die ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Chemparks liegt. Gewerbe könnte dort angesiedelt werden, aber möglicherweise keine öffentlichen Einrichtungen. Selbst beim Bauvorhaben der Baugenossenschaft Dormagen an der Friedrich-Ebert-Straße/Helbüchelstraße werden die Ergebnisse des Gutachtens benötigt. Das gleiche gilt für das Bauprojekt hinter der Polizeiwache an der Straße An der Wache. Dort sollen in den nächsten Jahren Wohnungen entstehen. Selbst bis zum Neubau-Wunsch des Filialisten Lidl in Rheinfeld greift das Seveso-Gutachten, das in dem Planverfahren berücksichtigt werden muss.

Das Projekt Zuckerfabrik sieht Nachtwey grundsätzlich nicht gefährdet: „Wir haben einen Bebauungsplan für eine Gewerbeansiedlung. Eine Entwicklung dort wäre also möglich.“ Bis die Stadt Gewissheit haben wird, kann es noch dauern. „Wir erwarten, dass wir im Laufe des Jahres über die Achtungsabstände Bescheid bekommen.“

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