Bertelsmann-Stiftung sensibilisiert Politik im Kreis Neuss. Im zweitägigen Workshop im Kreishaus wurde die momentane Situation im Rhein-Kreis Neuss analysiert und Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet.

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Mitglieder aus Integrationsräten, Politik und Wohlfahrtsverbänden gehen mit den beiden Moderatoren, Gülcan Yoksulabakan und Winfried Kösters von der Bertelsmann-Stiftung (vorne), ihre Lebensbiografie durch.

Mitglieder aus Integrationsräten, Politik und Wohlfahrtsverbänden gehen mit den beiden Moderatoren, Gülcan Yoksulabakan und Winfried Kösters von der Bertelsmann-Stiftung (vorne), ihre Lebensbiografie durch.

Georg Salzburg

Mitglieder aus Integrationsräten, Politik und Wohlfahrtsverbänden gehen mit den beiden Moderatoren, Gülcan Yoksulabakan und Winfried Kösters von der Bertelsmann-Stiftung (vorne), ihre Lebensbiografie durch.

Rhein-Kreis Neuss. Gülcan Yoksulabakan aus Bremen steigt in Grevenbroich in ein Taxi und fragt: "Was muss ich über Grevenbroich wissen?" Der Fahrer informiert sie gleich, dass das Dehnungs-i im Ortsnamen nicht gesprochen wird.

Dieses Beispiel führt Yoksulabakan in ihrer Moderation des Integrationsworkshops des Rhein-Kreises Neuss an: "Solche Kleinigkeiten können oft schon ausschlaggebend sein, der erste Eindruck ist entscheidend", erklärt sie.

In dem von der Bertelsmann-Stiftung entwickelten Workshop geht es darum, Menschen mit Migrationshintergrund im Rhein-Kreis Neuss zu halten und so zu integrieren, dass sie sich wohlfühlen.

Um das Ziel Integration vor Ort zu erreichen, seien beide Seiten gefragt, die Zuwanderer und der Rhein-Kreis Neuss. "In Deutschland werden immer weniger Kinder geboren, ein Drittel davon hat einen Migrationshintergrund. Wenn wir es nicht schaffen, sie zu integrieren, fehlen uns in der Zukunft ausgebildete Fachkräfte", erklärt Winfried Kösters von der Bertelsmann-Stiftung.

Menschen mit Migrationshintergrund müssten durch den Spracherwerb, die Akzeptanz der Verfassung und der Gesetze ebenfalls zur Integration beitragen. "Menschen, die zuwandern, sind mehrkulturell. Das müssen sie selbst akzeptieren und auch ihre Mitmenschen müssen das. Man kann zum Beispiel Deutsch und Syrisch sein", sagt Yoksulabakan.

Keine Familiengeschichte ohne Zuwanderung

Der Ausländeranteil im Rhein-Kreis Neuss liegt bei 10,1 Prozent, bei den 15- bis 24-Jährigen liegt er bei 12,2 Prozent. Einen Migrationshintergrund haben rund 20 Prozent der Menschen im Kreis, bei den Dreijährigen in den Kitas sind es 32 Prozent. Insgesamt leben im Kreis Menschen aus 135 Nationen.

Zum Workshop eingeladen wurden Politiker, Vertreter von Wohlfahrtsverbänden und Mitglieder aus den Integrationsräten. "Wir haben dazu eingeladen, um Strategien zu entwickeln und das Thema voranzubringen", sagt Ulrike Weyerstraß vom Sozialamt Grevenbroich.

Im zweitägigen Workshop im Kreishaus wurde die momentane Situation im Rhein-Kreis Neuss analysiert und Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet.

Zu Beginn des Kurses stellte sich schnell heraus, dass die meisten Teilnehmer der Meinung sind, es müsse im Kreis noch einiges für eine gute Integration getan werden. Ausländer würden teilweise unfreundlich empfangen, bevor sie anfangen könnten zu arbeiten, warte zudem ein langer Papierkrieg auf sie.

"Ich muss sagen, ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht. Von Bekannten habe ich aber auch schon viel Schlechtes gehört, deshalb halte ich das Integrationsklima für verbesserungswürdig", sagt Dilek Onbasi vom Integrationsrat Grevenbroich.

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