Frank Lubig beklagt den Mangel an Baugrundstücken in Neuss.

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An der Hülchrather Straße sollen die Hochhäuser moderner Bebauung Platz machen.

An der Hülchrather Straße sollen die Hochhäuser moderner Bebauung Platz machen.

Frank Lubig vor dem Haus am Pegel, Sitz des Bauvereins.

Marc Ingel, Bild 1 von 2

An der Hülchrather Straße sollen die Hochhäuser moderner Bebauung Platz machen.

Neuss. Bezahlbarer Wohnraum: Das Schlagwort, das die Diskussion über die Wohnungswirtschaft beherrscht und die Nöte vieler Wohnungssuchender beschreibt, ist auch ein maßgebliches Thema für den Neusser Bauverein. Das Unternehmen, geführt als (fast) rein städtische Aktiengesellschaft, ist gesund. Öffentlich geförderte wie frei finanzierte Wohnungen und Häuser sind im Bestand, und Leerstand gibt es so gut wie gar nicht.

Was den Bauverein-Chef Frank Lubig freut, sieht Aufsichtsratsvorsitzender Bürgermeister Herbert Napp kritischer – kein Leerstand, kaum Bewegung. Frank Lubig bestätigt: Derzeit gibt es beim Bauverein 900 Interessenten, 20 Prozent sind eigene Mieter, die anderen wollen dringend neue Bauverein-Mieter werden.

Fast 500 Wohneinheiten im Investitionsprogramm

Das Investitionsprogramm des Bauvereins kann sich sehen lassen. Derzeit entstehen – öffentlich gefördert – im Zuge von Neubau- oder Umbaumaßnahmen etwa 270 Wohneinheiten. Über Bauträgergeschäfte kommen weitere 195 Einheiten hinzu.

Frank Lubig weist auf die sorgsam austarierte Kombination beider Geschäftsformen hin: Geldverdienen mit Bauträgergeschäften, das nicht zuletzt in soziale Quartiersarbeit oder aufwendige Umgestaltungen investiert wird. Ein großes Betätigungsfeld sind Weckhoven und Erfttal, wo bereits Hochhäuser in schwierigem Wohnumfeld aus den 60er und 70er Jahren abgerissen und durch Neubauten ersetzt wurden. „Die Ansprüche haben sich geändert, das Wohnverhalten. Wir wollen auch etwas für die Quartiersentwicklung tun, quasi als verlängerter wohnungswirtschaftlicher Arm der Stadt.“

Das nächste ehrgeizige Projekt wird an der Hülchrather Straße in Weckhoven umgesetzt. Vier achtgeschossige Hochhäuser stehen hier. „Keine Nachhaltigkeit, nicht zeitgemäß“, sagt Lubig. Derzeit laufen die Gespräche mit den Mietern, denen anderer Wohnraum angeboten wird. Das erste Haus ist fast leer und soll bald abgerissen werden. Baurecht gibt es noch nicht, doch sollen ab 2014 etwa 130 generationsübergreifende und barrierefreie Wohnungen sowie drei ebenfalls barrierefreie Gruppenwohnungen in einer maximal viergeschossigen Bauweise entstehen.

Noch neu für den Bauverein ist eine Maßnahme, die ebenfalls dem Thema „bezahlbarer Wohnraum“ geschuldet ist. Im Stadionviertel kauft Lubig fünf Häuser mit 60 Einheiten; öffentlich gefördert, und das soll so bleiben. Ein anderer Käufer hätte nach Auslaufen der Restbindung die Wohnung zu Marktpreisen anbieten können.

Bleibt die Suche nach Grundstücken für Neubauten. Ein schwieriges Unterfangen. „Es gibt einfach kaum etwas“, bekennt Frank Lubig. Die 19 öffentlich geförderten Reihenhäuser für junge Familien, die an der Pskow-Straße und am Berghäuschensweg/Nixhütter Weg entstehen, waren jedenfalls sofort weg. „Wir hätten 100 bauen können“, sagt Lubig. Und die bekannten großen Flächen auf dem Markt?

Das Werhahngelände an der Batteriestraße/Düsseldorfer Straße werde geprüft, liege allerdings im Preis zu hoch. „Interessant“ sei auch ein Teil des großen Geländes der Alexianer-Kliniken. 80 öffentlich geförderte Wohnungen könnte der Bauverein an der Nordkanalallee und am Berghäuschensweg bauen. „Das sind Überlegungen. Zurzeit sind die Angebote nicht marktgerecht. Das rechnet sich für uns nicht.“

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