Brüssel beklagt die Luftqualität. Die Stadt bleibt gelassen.

Grevenbroich. Wenn es um Umweltfragen geht, ist Ratsherr Dieter Dorok (Grüne) stets gut im Thema. Nach der jetzt erfolgten Mahnung der EU-Kommission, dass der Stickstoffdioxid (NO2)-Grenzwert in 33 deutschen Städten seit Jahren nicht eingehalten werde, reagiert Dorok daher verblüfft. Der Grund: Grevenbroich gehört laut der Mahnung aus Brüssel zu den betroffenen Kommunen. „Das kommt für mich überraschend“, sagt Dorok. So ganz traut der auf Umweltfragen spezialisierte Politiker dem Braten nicht. „Falls es in Grevenbroich Überschreitungen geben sollte, müssen wir erst einmal wissen, wo genau überhaupt gemessen wurde“, sagt er. Die Mahnung der EU-Kommission war am Dienstag bekanntgeworden.

Stickstoffdioxid reizt die Schleimhäute und Atemwege

In dem 23-seitigen Schreiben aus Brüssel heißt es, die Bundesregierung habe es versäumt, ausreichende Maßnahmen zur Reduzierung der Belastung mit dem gesundheitsschädigenden Gas zu ergreifen. Eine Hauptquelle der NO2-Verschmutzung in Deutschland sind den Angaben der EU-Kommission zufolge Diesel-Fahrzeuge. Stickstoffdioxid reizt Schleimhäute und Atemwege, zudem kann es Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit auslösen. Im Grevenbroicher Rathaus wird mit Gelassenheit auf das Mahnschreiben aus Brüssel reagiert. „Die angemahnte Verstoßsituation betrifft die Luftqualitätsgebiete und Ballungsräume. Hierbei ist auch das ,Luftqualitätsgebiet Grevenbroich’ – so die offizielle Bezeichnung – genannt“, teilt Stadtsprecher Andreas Sterken mit. Dies umfasse den Ballungsraum „Rheinisches Braunkohlenrevier“ mit den dort angesiedelten Kommunen. Aber Sterken betont: „Für das Plangebiet Grevenbroich gab es an der Messstelle in der Vergangenheit keine Überschreitung von NO2-Grenzwerten, so dass diese Problematik für uns nicht relevant ist.“

Von daher sieht die Verwaltung auch keinen Grund über gezielte Maßnahmen zur NO2-Reduzierung – zum Beispiel Fahrverbote für Dieselfahrzeuge – nachzudenken. So sei „auch die belastende Einrichtung einer Umweltzone“ beziehungsweise „die Anordnung von Fahrverboten aus Gründen der Verhältnismäßigkeit nicht zu vertreten“.

Die Ursache liegt in Düren

Dass Grevenbroich in der Liste auftauche sei dem Zuschnitt des „Luftqualitätsgebiets“ geschuldet. „In diesem Luftqualitätsgebiet liegt auch die Stadt Düren“, erklärt Sterken. „An den dortigen Messstationen wird der seit 2010 geltende Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten.“ Somit würden sich die geforderten Maßnahmen ausschließlich auf Düren beziehen. Nichtsdestotrotz hat die UWG-Fraktion die Verwaltung dazu aufgefordert, Kontakt mit der Kfz-Zulassungsstelle des Rhein-Kreises aufnehmen. Die soll feststellen, wie viele Dieselfahrzeuge in Grevenbroich angemeldet sind.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer