Die Absage des Büttgener Zuges sorgte für traurige Gesichter. Nachgeholt wird er wohl nicht. Die Großwagen werden heute wieder abgebaut.

Die Absage des Büttgener Zuges sorgte für traurige Gesichter. Nachgeholt wird er wohl nicht. Die Großwagen werden heute wieder abgebaut.
Die Fußgruppe „En mol im Johr“ zog dennoch über die Driescher Straße und hatte Spaß.

Die Fußgruppe „En mol im Johr“ zog dennoch über die Driescher Straße und hatte Spaß.

Die Band „JBM – Just Beautiful Music“ verlegte ihren Auftritt kurzerhand ins Haus Broicherdorf.

Vier Wochen Arbeit sind umsonst: Der Großwagen der Karnevalsgesellschaft BKG „5 Aape“ blieb in der Halle und wird heute abgebaut.

Bild 1 von 3

Die Fußgruppe „En mol im Johr“ zog dennoch über die Driescher Straße und hatte Spaß.

Kaarst. Die Süßigkeiten waren eingetütet, die Schminke lag parat, und auch alle Wagen konnten nach vierwöchiger Arbeitszeit pünktlich fertiggestellt werden – eigentlich hätte der Rosenmontagszug in Büttgen nur noch starten müssen. Gestern um 10 Uhr erhielt die jecke Vorfreude jedoch einen herben Dämpfer. Nachdem der Krisenstab getagt hatte, war klar: Der Zug in Büttgen fällt aus. Und das zum dritten Mal (nach 1990 und 1991) seit die Karnevalsgesellschaft BKG „5 Aape“ 1975 ihn veranstaltet. Angesichts von Sturmwarnungen mit Böen bis Stärke 9 war dem Veranstalter, der Stadt Kaarst und den Sicherheitsbehörden das Risiko zu groß. Es konnte nicht gewährleistet werden, dass die Zuschauer vor umstürzenden Bäumen oder umherfliegenden Gegenständen geschützt sind.

„Es war sehr deprimierend, denn als die Entscheidung verkündet wurde, war schönes Wetter.“

Herbert Schmitz, Vorsitzender der BKG „5 Aape“

Viel Zeit, sich über die Entscheidung zu ärgern, hatten die Planer von „5 Aape“ nicht. Für sie trat die Absage eine Welle von unliebsamen Schritten los. „Mehr als 50 Anrufe mussten wir tätigen, um die involvierten Personen wie Musiker, Sicherheitskräfte und Zugmitglieder zu informieren“, sagte Herbert Schmitz, Vorsitzender der „5 Aape“. „Es war sehr deprimierend, denn als die Entscheidung verkündet wurde, war schönes Wetter“, sagte Schmitz.

Die Kosten für den Zug betragen 6000 Euro

Mehr als 750 Mitwirkende waren in den Rosenmontagszug eingebunden, insgesamt 16 Fußgruppen wollten mitmarschieren. Dass die zehn liebevoll gestalteten Großwagen die Hallen gar nicht erst verlassen konnten und heute alle wieder abgebaut werden, ließ bei manchen Zugmitgliedern sogar die Tränen kullern. „Viele konnten die Entscheidung nicht verstehen“, sagte Peter Ducksch, stellvertretender Vorsitzender der BKG.

Nun gilt es, die finanziellen Auswirkungen des ausgefallenen Zuges aufzuarbeiten. Die BKG ist zwar versichert gegen höhere Gewalt, es muss aber noch geklärt werden, inwieweit die Versicherung in diesem Fall eintritt. Das Wurfmaterial im Gesamtwert von knapp 2000 Euro wird an gemeinnützige Organisationen gespendet. Die Gesamtkosten des nicht gestarteten Zuges belaufen sich auf rund 6000 Euro. Weil nach Angaben von Herbert Schmitz nur der 13. März für einen Nachholtermin infrage kommt und dieser laut dem Vorsitzenden nur schwer zu realisieren sei, fällt der Büttgener Rosenmontagszug in diesem Jahr wohl ganz flach.

Einige Jecken ließen sich den Spaß dennoch nicht nehmen

Das Beste aus der Situation machte die Band „JBM – Just Beautiful Music“ um Kulturamtsleiter Dieter Güsgen und Kirchenmusiker Wolfgang Weber, die ursprünglich mit einem eigenen Wagen am Rosenmontagszug in Büttgen teilnehmen wollte. Kaum war der Zug offiziell abgesagt, verlegten die Musiker ihren Gig ins Haus Broicherdorf, wo sie ab 14 Uhr Hits von den Bläck Fööss, Brings und De Höhner zum Besten gaben. „Immerhin haben wir wochenlang Karnevalslieder geübt. Da wäre es doch schade, wenn das alles umsonst gewesen wäre“, sagte Dieter Güsgen.

Er kann die Enttäuschung der vielen Beteiligten nachempfinden. Für die Entscheidung von Stadtverwaltung, Polizei und Ordnungskräften hat er jedoch großes Verständnis: „Im Zweifel geht die Sicherheit einfach vor.“

Ein Hauch von Rosenmontagszug wehte dann aber doch noch über die Driescher Straße. So trotzte unter anderem die Fußgruppe „En mol im Johr“ dem lauen Lüftchen und schmetterte gemeinsam einige Gassenhauer. „Wir feiern jetzt privat und machen unseren eigenen kleinen Zug von der Driescher Straße zum Rathausplatz“, sagte Helene Franzen, die sich wie ihre Mitstreiter als Clown verkleidet hatte. „Wir haben uns gerade fertig geschminkt, als wir erfuhren, dass der Zug nicht stattfindet“, ergänzte die Rentnerin, die wenig später den pinkfarbenen Kutschen-Wagen von Schützenkönig Josef Hoster bejubelte, den er extra für seine Blumenkinder hat bauen lassen. „Sie wären sonst traurig gewesen“, sagte Hoster.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer