Strategieberater Willi Kaczorowski referierte über die „Smart City“.

Das digitale Zeitalter hat schon begonnen. Grafik: Martin Ferl
Das digitale Zeitalter hat schon begonnen. Grafik: Martin Ferl

Das digitale Zeitalter hat schon begonnen. Grafik: Martin Ferl

Das digitale Zeitalter hat schon begonnen. Grafik: Martin Ferl

Neuss. Als Willi Kaczorowski im Ratssaal das Wort ergreift, fühlt es sich ein bisschen wie Science Fiction an. Der Strategieberater aus Berlin referiert auf Einladung der „Zukunftskommission Digitale Agenda“ zum Thema „Smart City – Herausforderungen und Chancen“. Kaczorowski spricht nicht über kühne Visionen, sondern über einen technologischen Wandel, der längst begonnen hat. Das digitale Zeitalter ist ja eben keine Zukunftsvision mehr, sondern es hat längst angefangen. Und in Neuss schlägt, wie Bürgermeister Reiner Breuer an diesem Abend betont, auch durchaus nicht die Stunde Null.

Der Begriff „Smart City“ ist durchaus positiv besetzt

Einen umfassenden Maßnahmenkatalog soll nun die vom Stadtrat eingesetzte Zukunftskommission erarbeiten – und dabei die Bürger einbeziehen. Der zur Auftaktveranstaltung geladene Referent aus Berlin macht da Mut. „Der Begriff ,Smart City’ ist durchaus positiv besetzt“, sagt Kaczorowski. Einer VDE-Studie zufolge könnten sich 64 Prozent der Befragten vorstellen, in einer Smart City zu leben. „Das zeigt eine hohe Akzeptanz.“ Allerdings gibt es auch andere Zahlen. Demnach können 84 Prozent mit dem Begriff „Smart City“ nichts anfangen. Da setzt Willi Kaczorowski mit seinem Impulsvortrag an. Er ist nicht nur als Berater tätig, sondern hat ein Buch zum Thema geschrieben: „Die smarte Stadt - den digitalen Wandel intelligent gestalten. Herausforderungen - Handlungsfelder - Strategien“.

Kaczorowski zeigte sechs zentrale Handlungsfelder auf

Kaczorowski, der unter anderem sechs Jahre lang Vorsitzender des Arbeitskreises eGovernment des Branchenverbands Bitkom war, stellt in sieben Thesen vor, was eine „Smart City“ ausmacht. Es geht um Ressourceneffizienz, intelligente Infrastrukturen – in Gänze darum, wie die neuen Technologien die Stadt der Zukunft verändern. Kaczorowski spricht von sechs zentralen Handlungsfeldern: Verwaltung und Politik, Bildung, Mobilität, Umwelt und Energie, Gesundheit sowie Wertschöpfung. „Smart City“ diene dabei als Sammelbegriff für gesamtheitliche Entwicklungskonzepte. Das Ziel: Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver zu gestalten. Die Frage, die sich die Zukunftskommission Digitale Agenda stellen muss, zielt dabei auf ein „Wie wir leben wollen“. Der Weg dorthin, der Wandel, findet jetzt statt. Und er bietet Gestaltungsspielraum. Was die Stadt dazu braucht, sind viele Dinge – angefangen bei der nötigen Infrastruktur. Ohne Breitband-Internet und gut ausgebaute WLAN-Netze stockt der Fortschritt. Die Masse an Daten werde zunehmen, immer mehr Geräte würden miteinander vernetzt. Das verändert den Alltag. Navigationssysteme könnten an freie Parkplätze gekoppelt werden und den Verkehr entsprechend leiten.    Der Öffentliche Personennahverkehr werde, so Kaczorowski, nachfragegesteuert sein, zum Beispiel via App. Verwaltungsvorgänge könnten vereinfacht werden, und Politik werde transparenter. In Frankfurt zum Beispiel gibt es bereits ein Online-Angebot, das konkret aufzeigt, wie sich politische Anträge und deren Umsetzung auf den jeweiligen Stadtteil auswirken. Was die Bürger jedoch zunächst brauchen, um den digitalen Wandel mitzugestalten, ist Vertrauen. Das Risiko von Sicherheitslücken, Hackerangriffen oder Computerviren muss minimiert werden. Darauf machte Hugo Hoff (Piraten) aufmerksam. Willi Kaczorowski betont jedoch auch den Wettbewerb der Kommunen. „Man muss die Chancen nutzen, sonst wird man abgehängt.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer