Bild 1 von 3

Neuss. Die acht Künstler für die neueste Ausstellung der Kunstinitiative „Wurzel und Flügel“ zu suchen, war für die Vorsitzende Beate Düsterberg eine Mischung aus Spaß und Arbeit. Ein Jahr lang habe sie Ausstellungen besucht, im Internet recherchiert und sich Kunst und Konzepte angesehen, erzählt sie. Aber eine Künstlerin war für die Schau „Sic tempora mutantur“ („So ändern sich die Zeiten) gesetzt: Jennifer Lopez Ayala, die mit ihren Installationen aus Eierschalen zumeist als Bodenarbeiten jeden noch so bekannten Raum neu entdecken und empfinden lässt.

„Ich musste doch schauen, ob sie ihrem Material treu bleibt oder die Eierschalen in ihrer Arbeit wieder verschwinden.“

Beate Düsterberg, die ein Jahr lang Künstler für die Ausstellung gesucht hat, über Jennifer Lopez Ayala

Doch Düsterberg hat auch Lopez Ayala längere Zeit beobachtet, nachdem sie die junge Künstlerin beim „Rundgang“ in der Düsseldorfer Kunstakademie entdeckt hatte. „Ich musste doch schauen, ob sie ihrem Material treu bleibt oder die Eierschalen in ihrer Arbeit wieder verschwinden“, sagt Düsterberg.

Lopez Ayala ist ihnen richtig treu geblieben, was die Ausstellung auf Schloss Reuschenberg wunderbar demonstriert. Sie „bespielt“ drei Räume mit Bodenarbeiten, Wandobjekten und Installationen, die auf verblüffende Weise deutlich machen, wie malerisch Eierschalen wirken können. Als konzentrische Kreise angelegt an der Wand, als Bodenkörper geformt, der zugleich Zerbrechlichkeit und Stärke bedeutet, als Projektionsfläche für Licht und Schrift. 20 000 Eier mussten dafür gewaschen, teilweise bemalt, hingelegt und geklebt werden. Das Ergebnis macht sprachlos, auch weil es mit akribischer Arbeit ebenso einfängt wie mit der optischen Wirkung.

Allen Künstlern der Ausstellung ist gemeinsam, dass sie mit Material arbeiten, das aus dem Alltag aussortiert wurde. Susanne Schmidt deckt ganze Tische mit Gefäßen, Gläsern und Zierrat ein, deren Optik an den Jugendstil erinnert. Aber alles ist aus Alltagsgegenständen gemacht – selbst ein Badelatschen findet bei ihr Verwendung. Dazu passen die vermutlich wegen großer Hässlichkeit aussortierten Lampenschirme, die Mechthild Hagemann mit darauf gezeichneten Tierbildern zu Geschichtenerzählern macht.

Ein Wandteppich aus Eisbechern und Löffeln

Viktor Nono malt seine Bilder mit Kaffee, Wein oder Tee. Die glänzende Oberfläche kommt durch Schellack zustande, was die Bilder haltbarer macht. Dass aus Eisbechern und -löffeln ein Wandteppich entstehen kann, zeigt Monika Bergrath in ihrem Raum. Ihre farbig perfekt abgestimmten Wandobjekte erinnern von weitem an die Nähseidenregale in einem Kurzwarengeschäft, dabei sind die einzelnen Elemente extrem kleingefaltete Tetrapacks, die sie farblich sortiert zu Reihen zusammenfügt. Johannes Lenhart verarbeitet in seinen Objekten, was er irgendwo gefunden haben muss. Runde Neonröhren aus einer alten Küchenleuchte, Ventilator, Besen, Kehrblech, Schilder („Stellwerk Duisburg Mitte“), Fahrräder, Schaufensterpuppe, Baustellenzubehör – man staunt, was bei ihm daraus entsteht.

Die Arbeiten von Aljoscha und Martina Justus wirken dagegen leicht wie Luft und scheinen zu schweben. Beide verarbeiten Plastik. Justus zerschneidet blaue Wasserflaschen zu Plättchen und tackert sie zu einem fremdartigen Gebilde aneinander. Aljoscha formt mit Hitze und besprüht das entstandene Objekt mit Farbe. Das Besondere an dieser Schau ist, dass keiner mit dem anderen konkurrieren muss. Jeder hat einen eigenen Raum.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer