Präsident und Vorstand des Traditionsclubs glauben an die sportliche Zukunft.

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Jörg Ferber (r.) hat die Lust an seinem Traineramt beim VfR Neuss verloren.

Jörg Ferber (r.) hat die Lust an seinem Traineramt beim VfR Neuss verloren.

Im Pokalfinale gegen den TuS Grevenbroich war das Stadion des VfR mit 700 Zuschauern das letzte Mal gut gefüllt.

Ingel, Bild 1 von 2

Jörg Ferber (r.) hat die Lust an seinem Traineramt beim VfR Neuss verloren.

Neuss/Grevenbroich. Kurz vor dem Jahreswechsel gab es beim ohnehin gebeutelten VfR Neuss eine weitere Hiobsbotschaft: Trainer Jörg Ferber trat zurück. Er hinterlässt eine kaum mehr als konkurrenzfähig zu bezeichnende Landesliga-Mannschaft innerhalb eines insolventen Vereins führungslos.

„Die Insolvenz hat die Situation noch einmal drastisch verändert. Uns war allen bewusst, was es für eine schwierige Saison nach dem Schnitt, der hier im Sommer vollzogen wurde, werden würde. Aber nun ist eine vernünftige, zukunftsgerichtete Arbeit nicht mehr möglich“, nennt Ferber als Beweggründe.

Verstärkungen in der Winterpause nicht in Sicht

Nach der Bekanntgabe des Insolvenzantrages Mitte Dezember hatte der Verein seinen Spielern freigestellt, sich umgehend neue Mannschaften zu suchen. Davon machten Leistungsträger wie Boubacar Coulibaly oder Hasan Er Gebrauch. Das Team des abgeschlagenen Schlusslichts der Landesliga Gruppe 2 wurde somit weiter geschwächt, an Verstärkungen in der Winterpause ist nicht mehr zu denken. „Mit dem einen oder anderen neuen Spieler hätte ich mir schon vorstellen können, noch einmal anzugreifen. Aber so geht es einfach nicht“, sagt Ferber.

Verein wieder einmal vor der Zerreißprobe

Damit steht der Verein wieder einmal vor der Zerreißprobe: Schulden in Höhe von 90 000 Euro, kurzfristige Verbindlichkeiten von gut 40 000 Euro, die längst fällig sind beziehungsweise bereits im Wege der Zwangsvollstreckung beigetrieben werden, und mit dem Abgang von Trainer Ferber nun der Verlust der sportlichen Autorität im Verein – dazu eine sportliche Führung in Person von Hannes Zahn, der noch nicht weiß wie und ob es für sie selbst überhaupt weitergeht.

Dennoch glauben Vereinspräsident Reinhardt Josef Wendt und Geschäftsführer Christian Otte, dass man den Verein und auch eine sportlich attraktive erste Mannschaft aufrechterhalten kann.

„Wir wollen weiter Landesliga spielen.“

Reinhard Wendt, VfR-Präsident

„Wir wollen weiter Landesliga spielen“, sagte Wendt beim Antrag auf Insolvenz noch vor drei Wochen, setzte dabei aber auf Ferber als „Zugpferd“. Und so will er auch weiter um den Trainer kämpfen und ihm zeigen, „dass sich hier etwas bewegt, auf dem man aufbauen kann“.

Dafür läuft dem Vorstand aber langsam die Zeit davon, denn erst einmal ist er gezwungen, eng mit dem Insolvenzverwalter Winfried Andres aus Düsseldorf zusammenzuarbeiten und den Schuldenstand weiter zu reduzieren.

„Man muss aber bedenken, dass wir hier schon sehr erfolgreich waren“, sagt Geschäftsführer Otte und verweist darauf, dass die Schulden konnte in zwei Monaten um fast ein Drittel reduziert worden seien. „Uns ist aber auch hier die Zeit davon gelaufen.

Wir sind mit Verbindlichkeiten konfrontiert worden, die zum Teil schon aus dem Jahr 2005 resultieren. Das kann man nicht in sechs Monaten aus der Welt schaffen“, sagt er zu der Problematik. „Das heißt aber nicht, dass wir nun alles hinwerfen und sagen: Die anderen sollen es nun richten. Wir verstehen uns nicht als Schönwetter-Vorstand.“

Auch Grevenbroich-Süd muss sparen

Ähnliches gilt sicherlich auch für Berthold Holz. Der kommissarische Vorsitzende der Fußballabteilung des 1. FC Grevenbroich-Süd musste kurz vor Weihnachten mit Nachdruck etlichen Gerüchten aus der Fußballszene entgegentreten: „Wir sind nicht zahlungsunfähig, aber wir mussten Einsparungen vornehmen, da uns zwei größere Sponsoren gekündigt haben.“

Diese Einschnitte auch in die Vergütung ihrer Leistungen wollten einige Leistungsträger jedoch nicht mittragen: So verließen Michele Fasanelli, Sascha Bechthold und Jesko Rehers den Verein.

Das macht die Situation der abstiegsbedrohten Neuhausener nicht einfacher, bedenkt man, dass erst mit der kurzen Winterpause etwas Ruhe in die Mannschaft kommen sollte, deren Gefüge noch immer von dem kurzfristigen Ausstieg von Trainer Reinhard Müller erschüttert ist.

Nachfolger Thorsten Müllers hat jedoch von Holz die Zusicherung, dass alle weiteren Spieler die Herausforderung Klassenverbleib angehen wollen. „Für uns ist die Landesliga sehr wichtig“, betont Holz nicht zuletzt im Hinblick auf die Sponsorensuche: „Wir wollen auch das siebte Jahr hintereinander in dieser Liga antreten.“

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