Die Bremer Inszenierung „Verlorene Liebesmüh“ kommt mit vier männlichen Schauspielern aus und beeindruckt mit fliegenden Rollen- und Kostümwechseln.

Auf hohen Schuhen können sie laufen: Die Bremer Shakespeare-Company inszenierte im Neusser Globe die Komödie „Verlorene Liebesmüh“ als rasante Travestie-Show.
Auf hohen Schuhen können sie laufen: Die Bremer Shakespeare-Company inszenierte im Neusser Globe die Komödie „Verlorene Liebesmüh“ als rasante Travestie-Show.

Auf hohen Schuhen können sie laufen: Die Bremer Shakespeare-Company inszenierte im Neusser Globe die Komödie „Verlorene Liebesmüh“ als rasante Travestie-Show.

Veranstalter

Auf hohen Schuhen können sie laufen: Die Bremer Shakespeare-Company inszenierte im Neusser Globe die Komödie „Verlorene Liebesmüh“ als rasante Travestie-Show.

Neuss. Sie wirbeln ausgelassen und sexy auf der Bühne herum: Im figurbetonten Brokatkleid, glänzender Perücke und Stöckelschuhen geben sie sich spielfreudig und lautstark, aber auch kaugummikauend im Küchenkittel lassen die „Damen“ die Männerherzen höher schlagen.

Regisseur Thomas Weber-Schallauer hat Shakespeares Rollenspiel verdoppelt: In der selten gespielten Komödie „Verlorene Liebesmüh“ lässt er seine vier männlichen Schauspieler nicht nur die Männer-, sondern auch die Frauenfiguren spielen.

Die Darsteller beherrschen den schnellen Kostümwechsel und ernten für ihr fliegendes Rollenspiel vergnügtes Gelächter und Szenen-Applaus.

Weber-Schallauer siedelt das Stück dort an, wo das Spiel von Täuschung und Maskerade am besten aufgehoben ist: in einer Theater-Garderobe mit vier beleuchteten Schmink- und Frisierspiegeln. Diese Bühne bietet den perfekten Raum, um die Organisation der Doppelrollen amüsant in Szene zu setzen.

Tollpatschiger Irrsinn zieht sich wie ein roter Faden durch die Komödie: Ein Schuhspanner dekoriert die Königskrone, die Haarspraydose muss als Mikro herhalten. Felix Elsner (Musik) streut zwischendurch schmissige Revuenummern ein. „Jetzt wird’s mir zu schlüpfrig“, sagt plötzlich ein Schauspieler und zieht entrüstet Perücke und Ohrringe ab. Ein schöner Spaß! Das starke Spiel macht die mitunter etwas fehlende Tiefe wett: Markus Seuß etwa mimt Don Adriano de Armado mit seinem spanischen Akzent herrlich komisch und erinnert an einen Don Juan auf Speed.

Wer den Eid bricht, soll bestraft werden

Das komödiantische Plänkelspiel erzählt von vier Männern, die drei Jahre lang nicht nach sexueller Lust, sondern nach Wissen streben. Wer den Eid bricht, soll bestraft werden. Doch als die Prinzessin von Frankreich mit ihren unwiderstehlichen Begleiterinnen den Hof betritt, ist es mit dem Schwur vorbei und „fröhliche Tage der Verzweiflung brechen an“.

Auf einem Fest tauchen die vier Kerle später als Russen maskiert auf. Die hinter einem Schleier verborgenen Frauen haben die Geschenke der Männer, an denen sie sie erkennen können, ebenfalls vertauscht, so dass diese sich blamieren, weil sie der jeweils Falschen ihre Liebe gestehen. Letztlich spürt man, dass es vor allem um den Spaß geht.

Die Bremer Shakespeare-Company, Stammgast an der Neusser Rennbahn seit dem ersten Festivaljahr 1991, hat schon viele fesselnde Aufführungen gezeigt. Das Besondere: Die Theatergruppe wird nicht von einem Intendanten, sondern eigenverantwortlich vom Ensemble geleitet. „Verlorene Liebesmüh“ gehört nicht zu den stärksten Inszenierungen der Bremer, dynamisch, komisch und kreativ ist die Aufführung aber allemal.

Fazit: Das Spiel macht eine Pause von der Realität; das EM-Spiel Spanien gegen Frankreich war offenbar eh ein müder Kick. Am Ende fällt der orangefarbene Vorhang und Schauspieler Tim D. Lee resümiert: „Wenn der Applaus das Brot der Schauspieler ist, sind wir verdammt satt.“

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