Spuren im Fall Dschabar al-Bakr, der sich in einer Gefängniszelle erhängt hatte, führten die Ermittler zu einer Wohnung in der Innenstadt. Die Aktion verlief unspektakulär.

Das Interesse der Fahnder galt den Wohnungen im zum Verkauf stehenden zweiten Haus von links.
Das Interesse der Fahnder galt den Wohnungen im zum Verkauf stehenden zweiten Haus von links.

Das Interesse der Fahnder galt den Wohnungen im zum Verkauf stehenden zweiten Haus von links.

L. Berns

Das Interesse der Fahnder galt den Wohnungen im zum Verkauf stehenden zweiten Haus von links.

Neuss. Bei Durchsuchungen an der Krefelder Straße in Neuss und in einer anderen nordrhein-westfälischen Großstadt haben gestern Morgen Beamte des Bundeskriminalamtes im Auftrag des Generalstaatsanwalts nach Beweisen im Fall Dschabar al-Bakr gesucht. Dieser mutmaßliche IS-Terrorist hatte sich Mitte Oktober in Sachsen in einer Gefängniszelle erhängt. Doch wer dem 22-Jährigen half und was dieser plante, weiß die Bundesanwaltschaft nicht im Detail. „Wir sind dabei, die Hintergründe der beabsichtigten Tat aufzuklären“, sagte eine Sprecherin der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe.

„Großes Kino war das nicht.“

Bettina Haas von der benachbarten Apotheke am Schwanneck über den unauffälligen Einsatz

Sie betonte gestern ausdrücklich, dass sich die Polizeiaktion nicht gegen Beschuldigte richtete. Die vier Männer mit syrischer Staatsangehörigkeit, die gestern von Beamten des Bundeskriminalamtes in ihren Wohnungen aufgesucht wurden, gelten noch als Zeugen. Es habe im Zuge der Aktion, die sich bis zum Mittag hinzog, daher keine Festnahmen gegeben.

Das Nachrichtenmagazin Spiegel-Online wusste schon gestern zu berichten, dass es sich bei den vier Syrern, die ins Visier der Ermittler geraten sind, um so genannte Hawala-Banker handeln könnte, die al-Bakr etwas über 2000 Euro zukommen ließen – möglicherweise ohne zu wissen, in wessen Auftrag sie das Geld weitergaben und wofür. Die Ermittler versuchen laut Spiegel-Informationen herauszufinden, ob al-Bakr das Geld womöglich von seinen Auftraggebern beim „Islamischen Staat“ geschickt wurde.

Beamte in Zivil und Uniform gaben sich die Klinke in die Hand

Der mutmaßliche Terrorist, der Anfang Oktober aufgeflogen war, den sächsischen Fahndern aber erst entkommen konnte, stand in dem Verdacht, einen Anschlag vorbereitet zu haben – möglicherweise auf einen Berliner Flughafen. In seiner Wohnung, die ihm ein Landsmann überlassen hatte, war hochbrisanter Sprengstoff sichergestellt worden. Dieser Syrer soll laut Spiegel in der Haft ausführliche Angaben über mögliche finanzielle Unterstützer gemacht haben.

Einer dieser Hinweise führte die Fahnder gestern in das Haus Krefelder Straße Nummer 37. Das wird derzeit von einem Kölner Makler zum Verkauf angeboten und wirkt – abgesehen von den vermieteten Ladenlokalen – von außen unbewohnt. Gestern gaben sich dort Polizeibeamte in Zivil und Uniform regelrecht die Klinke in die Hand.

Der Einsatz selbst begann noch während der Dunkelheit. Um 7 Uhr, als eine Mitarbeiterin der Metzgerei Büssing das erste Mal auf die Straße sah, standen dort schon etliche Einsatzwagen. Für den ersten Zugriff hatten die Beamten das Umfeld abgesichert. Die Krefelder Straße war zwischen Hauptbahnhof und Erftstraße gesperrt, berichtet Bettina Haas von der Apotheke am Schwanneck. Weder Bus noch Straßenbahn seien gefahren. Die Schwannstraße (im Abschnitt Adolf-Flecken-Straße bis Krefelder Straße) sperrte die Polizei als „Einsatzbasis“. Unter den dort geparkten Wagen war auch das Zivilfahrzeug (mit Berliner Kennzeichen) des BKA-Einsatzleiters.

Die Aktion lief selbst für Anwohner unbemerkt ab. Bettina Haas: „Großes Kino war das nicht.“

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