Wilfried Derendorf gehört zur Kommission, die über einen neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst verhandelt. Im Gespräch äußert er sich außerdem zur Lukita Neuss.

Interview
Wilfried Derendorf bezeichnet den Personal-Überleitungsvertrag zur Lukita als ein Meisterstück.

Wilfried Derendorf bezeichnet den Personal-Überleitungsvertrag zur Lukita als ein Meisterstück.

Lothar Berns

Wilfried Derendorf bezeichnet den Personal-Überleitungsvertrag zur Lukita als ein Meisterstück.

Herr Derendorf, Sie gehören als Mitglied des Landesvorstandes der Gewerkschaft Komba zur Verhandlungskommission, die mit der Vereinigung kommunaler Arbeitgeber und dem Bundesinnenminister ab Ende März über die Tarifverträge für den Öffentlichen Dienst verhandelt. Womit rechnen Sie?

Wilfried Derendorf: Unsere Bundestarif-Kommission tagt am 18. Februar in Berlin, um unsere Forderungen zu benennen. Das müssen wir abwarten. Ich gehöre der Kommission schon fast zehn Jahre an und bin deshalb überzeugt: Egal, was wir fordern – die Kommunen werden mauern und wie der Bund auf leere Kassen verweisen. Wenn die aber so leer sind, so frage ich, warum war dann in der Bankenkrise Geld da? Und warum nicht für die Mitarbeiter? Wertschätzung ihrer Arbeit sieht anders aus.

Rechnen Sie mit Streiks?

Derendorf: Ohne wird es nicht gehen. Ich glaube, die Bereitschaft zum Arbeitskampf ist bei den Arbeitnehmern größer als im Vorjahr.

Warum?

Derendorf: Weil viele leer ausgegangen sind. Uns liegen Informationen darüber vor, dass in den ehemals städtischen Neusser Kindertagesstätten, die nun in der Trägergesellschaft Lukita unter dem Dach des städtischen Lukaskrankenhauses geführt werden, der im Oktober vereinbarte Tarifvertrag nicht zur Anwendung kommt.

Was die Lukita-Betriebsratsvorsitzende Eva Isenrath bestreitet. Sie spricht nur davon, dass es in einigen Fällen zu Verzögerungen gekommen sei. Sie lobt die Lukita als guten Arbeitgeber und schimpft eher auf die Politik, die nun Schichtarbeit einführen und Kitas über Nacht geöffnet halten möchte.

Derendorf: Zu eins: Wir hören aus der Belegschaft ganz andere Stimmen. Ich bin gerade dabei, das in Einzelgesprächen abzuklären. Zu zwei: Da bin ich ganz eng bei den Erzieherinnen. Eine Kita, die 24 Stunden geöffnet ist, wäre mehr ein Hotel als eine Bildungseinrichtung zur Förderung der Jüngsten.

Sie waren 15 Jahre Personalratsvorsitzender im Neusser Rathaus. Was haben Sie mit der Lukita noch zu tun?

Derendorf: Die Ausgliederung der Lukita war die letzte von etlichen Privatisierungen, die der ehemalige Bürgermeister Herbert Napp vorgenommen hat. Ich habe mit ihm den Personal-Überleitungsvertrag verhandelt und glaube, der war ein Meisterstück. Deshalb ist mir die weitere Entwicklung nicht gleichgültig.

Inwiefern Meisterstück?

Derendorf: Ein Beispiel: Von den Bädern, bei denen ich selbst über 20 Jahre beschäftigt war, über den Hafen und das Altenheim Herz-Jesu bis zur Stadtentwässerung, der heutigen Infrastruktur Neuss, haben wir darauf bestanden, dass das geltende Tarifrecht für eine Übergangsfrist von fünf Jahren weiter anzuwenden ist. Bei der Lukita konnten wir zehn Jahre durchsetzen. Wenn stimmt, was wir hören, wäre die Lukita allerdings die erste Gesellschaft, die sich daran nicht gebunden fühlt. Das wäre aus meiner Sicht ein Skandal und nicht hinnehmbar.

Was ist Ihr Resümee nach 15 Jahren?

Derendorf: Persönlich: Als Personalratsvorsitzender sitzt du zwischen allen Stühlen. Zum Glück hatte ich mit Herbert Napp nur einen Arbeitgeber in dieser Zeit. Mit ihm konnte ich bei allem Zoff immer eine von Sachlichkeit geprägte Arbeitsgrundlage finden. Als Gewerkschafter sehe ich heute mehr denn je die Notwendigkeit, dass man sich als Arbeitnehmer organisieren muss.

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