Im Stadtarchiv ist in den Akten von 1635 nachzulesen, wie Hester Jonas verhört, gefoltert und getötet wurde.

Ein Verwaltungsdokument des Schreckens: Die Akten des Hexenprozesses von 1635. Rechts zeitgenössische Darstellungen.
Ein Verwaltungsdokument des Schreckens: Die Akten des Hexenprozesses von 1635. Rechts zeitgenössische Darstellungen.

Ein Verwaltungsdokument des Schreckens: Die Akten des Hexenprozesses von 1635. Rechts zeitgenössische Darstellungen.

Ein Verwaltungsdokument des Schreckens: Die Akten des Hexenprozesses von 1635. Rechts zeitgenössische Darstellungen.

Ein Verwaltungsdokument des Schreckens: Die Akten des Hexenprozesses von 1635. Rechts zeitgenössische Darstellungen.

Marc Ingel, Bild 1 von 3

Ein Verwaltungsdokument des Schreckens: Die Akten des Hexenprozesses von 1635. Rechts zeitgenössische Darstellungen.

Neuss. Wenn am Samstag in den Mai getanzt wird, wenn sich einige Partys unter dem Motto Walpurgisnacht dem Hexenthema verschrieben haben, dann geht es vor allem vergnügt und vielleicht ein wenig von Esoterik angehaucht zu. Der Hintergrund ist ein ernster: Die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai war vielen Menschen eine Nacht diffuser Ängste – eine Nacht, in der auch Hexen mit dem Teufel tanzten.

Die Zahl der Hexenprozesse in der frühen Neuzeit in Deutschland sind ungezählt. Von zweien weiß man in Neuss, die Akten liegen gut erhalten im Stadtarchiv. Es muss mehr gegeben haben, denn in den Abrechnungsbücher der Stadt tauchen immer wieder Zahlungen an Henker und Scharfrichter auf.

Akribisch ist zum Beispiel das Verfahren gegen Hester Jonas aus dem Jahr 1635 dokumentiert. Die Akten belegen die ganze zwangsläufige Ausweglosigkeit und Irrationalität, der eine als „Zauberin“ denunzierte, wohl an Epilepsie erkrankte Frau ausgesetzt war – bis hin zum Tod.

Das Unheil beginnt mit Gerüchten

Es beginnt mit Gerüchten. Hester Jonas, Frau des Peter Meurer, soll ihren Mann krank gemacht haben. Sie hat, so berichten „Zeugen“, dreien der besten Mastschweine bei den Klarissen den Tod gebracht, ein Kalbsschinken, den sie der Äbtissin brachte, war voller Ameisen – und so fort. Das reicht dem Gericht, sie anzuklagen.

Das erste Verhör, noch „gütlich“: 32 Fragen zu den persönlichen Verhältnissen und den angeblichen Zaubereien. Die wohl 62 Jahre alte Frau aus Dormagen erklärt, dass sie seit 21 Jahren mit ihrem Mann in Neuss „häusslich gesessen habe“ – und streitet die Zauberei ab. Wenige Tage darauf folgt die zweite Befragung, der Scharfrichter zeigt ihr die Folterwerkzeuge und erläutert sie. Es schließen sich nach der Vernehmung weiterer Zeugen, auf Empfehlung eines hinzugezogenen Rechtsberaters, weitere Verhöre unter Anwendung von Folter an. Insgesamt zehn Stunden musste Hester Jonas nackt auf dem Folterstuhl sitzen, einem mit Nägeln gespickten Marterinstrument.

Gisela Götte, die frühere Direktorin des Clemens-Sels-Museums, hat die Akten aus dem Stadtarchiv sorgsam ausgewertet. Unter dem Titeln „Richtet noch einmal“ hat sie über den traurigen Fall des Hester Jonas einen Aufsatz geschrieben, der in der Reihe „Dokumentationen des Stadtarchiv Neuss, Band 4: Neusser Frauen in Geschichte und Gegenwart“ erschienen ist.

Hester gesteht – auch, dass sie sich mit dem Teufel eingelassen, mit einem Mann namens Hans Belzebub getanzt und im Rübenfeld Unzucht getrieben habe.

Danach gelingt es ihr zu fliehen, doch sie wird im Wald gefunden und in den Windmühlenturm gebracht. Dort widerruft sie, doch dann wiederholt sie nach Auspeitschung „mit scharfen Ruten“ – was nicht als Folter gilt – alle Geständnisse. Hester Jonas, die Frau des Peter Meurer, ist verloren. Ratsmitglieder und Schöffen verurteilen sie zum Tod. Ein Scharfrichter aus Köln enthauptet sie am Heiligabend 1635 mit dem Schwert, dann wird sie verbrannt. Ihr Mann muss dafür 65 Taler bezahlen.

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