Bis zum Sommer werden dringend zusätzliche U 3-Plätze benötigt.

Städtische Betriebs-Kita Karlsruhe
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Uli Deck

Neuss. 2013 – das ist das Jahr, das ab Sommer den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung auch unter drei Jahren festsetzt. Bekanntlich haben die Kommunen alle Mühe, sich auf den erwarteten, aber nicht genau bezifferbaren Bedarf einzustellen. Auch im Neusser Sozial- und Jugenddezernat bemüht man sich mit aller Kraft, bis zum Sommer zusätzliche Plätze bereitzustellen. 1353 U 3-Plätze werden insgesamt benötigt.

„Rechtsanspruch“ bedeutet für Kinder nach dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Anspruch auf Betreuung, nicht auf einen Kita-Platz, sagt Sozialdezernent Stefan Hahn: Auch ein Pflegeplatz bei einer Tagesmutter oder dem Tagesvater („eine gute Alternative“) zähle dazu. Ein Anspruch auf die nächstgelegene Kita oder die Wunsch-Kita existiere ebenfalls nicht.

1353 Plätze in Kitas und Tagespflege vonnöten

Wieviele Eltern ihre Kleinkinder anmelden werden, ist noch unklar. Der Rat hat einen Versorgungsgrad von 43 Prozent als Zielvorgabe festgelegt – das wären 1353 Plätze für Kinder unter drei Jahren. Ein Drittel dieser Plätze soll über Tagespflege abgedeckt werden.

Jugendamtsleiter Markus Hübner verweist darauf, dass diese rechnerische Zahl die Verhältnisse in der Stadt nicht zutreffend beschreibt. Besonders im Neusser Norden ist der Bedarf hoch und das Angebot noch unzureichend, während etwa in Norf die Lage „relativ entspannt“ sei. Fest stehe jedenfalls, dass Eltern mit ihren Kleinkindern nicht quer durch die Stadt geschickt werden sollen. „Wir müssen die Eltern stärker als bisher beraten“, sagt Stefan Hahn und hat dabei nicht zuletzt die Werbung für die Tagespflege im Blick.

Gleichzeitig werden neue Kitas im Auftrag der Stadt vom Bauverein gebaut oder angemietet. Ein Neubau soll nahe des Marie-Curie-Gymnasiums entstehen, ein zweiter im Norden an der Römerstraße. Da beide Einrichtungen nicht zum 1. August fertig werden, sollen die Kinder in Provisorien unterkommen. Ein dritter Neubau ist in Grimlinghausen an der Volmerswerther Straße geplant, ein Einzugstermin ist noch offen.

Stadt mietet aufgegebene Kitas an

Ab dem 1. August dieses Jahres haben Eltern einen Rechtsanspruch auf Betreuung ihrer Kinder auch unter drei Jahren. Der Anspruch beginnt mit Ablauf des ersten Lebensjahrs. Der Anspruch erstreckt sich nicht auf die nächstgelegene Kita, sondern auf eine Einrichtung im Zuständigkeitsbereich des Jugendamtes oder eine Tagespflege.
 

Da niemand weiß, wie hoch tatsächlich der Anspruch auf Betreuung der Unter-Dreijährigen sein wird, hat der Stadtrat als Ziel einen Versorgungsgrad von 43 Prozent zum 1. August vorgegeben. Dabei geht die Stadt von 2 1/4 Jahrgängen aus. Anders die Landesstatistiker: Deren Rechnungen legen drei volle Jahre zugrunde. Übernimmt man diese Basis für die städtische Vorgabe, wird in Neuss ein Versorgungsgrad von 32 Prozent angestrebt.

Ein weiteres „Modell“, um zusätzliche Plätze zu akquirieren: Die Stadt mietet Kita-Gebäude an, die andere Träger, zum Beispiel die katholische Kirche, aufgegeben haben. So geschieht es zum Beispiel in Uedesheim an der Schmiedestraße. Die Kita in einem Gebäude aus den 50er Jahren steht leer, die Kirche baute eine neue Kita, nun wird die Stadt das alte Haus anmieten und einen Träger suchen. „Wir wollen den Bedarf sichern“, sagt Sozialdezernent Hahn, das gehe auch in alten Gebäuden.

Grundsätzlich vermietet die Stadt neue oder neu angemietete Räume an Dritte als Träger. Hahn freut sich über die große Trägervielfalt in Neuss und betont, es bestehe durchaus Interesse dieser Träger an zusätzlichen Einrichtungen.

1011 Plätze für U 3-Kinder gibt es zurzeit in der Stadt. Hahn zeigt sich optimistisch, dass es zum Sommer die 1353 Plätze sein werden, um den angenommenen Bedarf von 43 Prozent decken zu können. Er warnt aber vor allzu schematischer Sicht: Nicht alle U 3-tauglichen Plätze stehen auch für diese Kinder zur Verfügung. Schon jetzt werden 173 Plätze von Über-Dreijährigen belegt, und das werde wohl auch im nächsten Kita-Jahr so bleiben, sagt Hahn. Zudem gibt es die Plätze eben nicht unbedingt in der Wunsch-Kita.

„Wir machen, was wir können“, betont der Beigeordnete, „zurzeit haben wir mehr als 20 Projekte in Arbeit.“ Wie dann die begehrten Plätze vergeben werden, steht auf einem ganz anderen Blatt. Der Kita-Navigator, der Eltern einen Internet-Überblick geben soll, wird zum nächsten Kita-Jahr noch nicht zur Verfügung stehen.

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