In Uedesheim, Erfttal, Grefrath und an der Krefelder Straße gibt es ab dem 1. April nur noch Selbstbedienung.

Neuss. 14 Sparkassenfilialen gibt es aktuell im Neusser Stadtgebiet, in denen Kunden ein persönliches Beratungsgespräch in Anspruch nehmen können. Noch – denn ab dem 1. April kommenden Jahres werden es vier weniger sein. Wie die Sparkasse jetzt auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, werden die Filialen in Uedesheim, Erfttal, Grefrath sowie an der Krefelder Straße in sogenannte Selbstbedienungsstandorte umgewandelt. Ab diesem Zeitpunkt gibt es somit mehr SB-Stellen (12) als Filialen mit Mitarbeitern (10). Von Schließungen möchte die Sparkasse nicht sprechen. Schließlich seien Serviceleistungen wie Geld abheben, Überweisungen und Erstellung sowie Änderung von Daueraufträgen weiterhin möglich.

Nach Angaben des Sparkassen-Sprechers Raimund Franzen sei es an wenig frequentierten Standorten, an denen Kunden hauptsächlich Serviceleistungen in Anspruch nehmen, „betriebswirtschaftlich nicht vertretbar, ein personalgeführtes Angebot vorzuhalten“.

Bürgermeister Reiner Breuer macht darauf aufmerksam, dass die Umwandlung einzelner Filialen im letzten Verwaltungsrat einstimmig beschlossen worden sei. „Die schlechte Auslastung von Filialen und das Thema Digitalisierung haben diesen weiteren Schritt – es ist nicht die erste Umwandung – als leider notwendig erscheinen lassen“, so der Verwaltungschef.

Pikant: Der Neubau an der Krefelder Straße war erst vor zehn Jahren eröffnet und als „Initialzündung für die Entwicklung der Straße“ bezeichnet worden. Diese städtebaulichen Ziele sind nun auf Eis gelegt. Klaus Gurmann, ehemaliger SPD-Stadtverordneter für Grefrath und Holzheim, möchte die Umstrukturierung nicht hinnehmen und kündigt Maßnahmen an. „Wir werden das Thema bei der nächsten Bezirksausschusssitzung auf die Tagesordnung setzen. Ich habe diese Entwicklung kommen sehen, da geht es nur ums Geld“, sagt Gurmann, der rund zehn Jahre lang dem erweiterten Aufsichtsrat der Sparkasse Neuss angehörte. Seine Ehefrau Ellen, die ihn als SPD-Stadtverordnete ablöste, bezeichnet die Umstrukturierung als „Unding“.

Auch in Uedesheim hatte die Entscheidung jüngst für Kopfschütteln gesorgt. So bezeichnete Stefan Crefeld (CDU), im Stadtrat für den Wahlkreis Uedesheim, die geplante Veränderung als „falsches Signal für einen wachsenden Standort“. Gerade für ältere Kunden habe die Möglichkeit für ein persönliches Beratungsgespräch einen hohen Stellenwert. Diese müssen dafür ab dem 1. April in die rund vier Kilometer entfernte Filiale nach Grimlinghausen fahren.

Die Sparkasse gibt an, jede Kritik ernst zu nehmen und nachvollziehen zu können, wenn Kunden das Gefühl haben, dass doch „immer Betrieb“ in der Geschäftsstelle ist, wenn sie da sind. Der Eindruck sei subjektiv sicherlich richtig. Man müsse jedoch differenzieren, was „Betrieb“ bedeutet. Darüber hinaus haben die Umstrukturierungen keinerlei Personalentlassungen zur Folge. „Wir sind bestrebt, möglichst viele der bekannten Ansprechpartner in die aufnehmende Stelle zu integrieren“, sagt Franzen.

Der in Erfttal verwurzelte CDU-Stadtverordnete Heinz Sahnen nimmt die Sparkasse für ihre wirtschaftliche Entscheidung in Schutz: „Es ist natürlich schade und bedauerlich, andererseits ist Erfttal ein Teil des gesamten Kostenapparats, und die geplanten Einsparungen sind nachvollziehbar.“

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