Das Projekt „Schule gestern und heute“ hat Jung und Alt in einem Pflegeheim zusammengebracht.

Die Seniorenheim-Bewohnerinnen begutachten die Arbeiten der Schülerinnen.
Die Seniorenheim-Bewohnerinnen begutachten die Arbeiten der Schülerinnen.

Die Seniorenheim-Bewohnerinnen begutachten die Arbeiten der Schülerinnen.

Anja Tinter

Die Seniorenheim-Bewohnerinnen begutachten die Arbeiten der Schülerinnen.

Kaarst. „Schule war für mich das Schönste auf der Welt.“ Dieser Satz einer älteren Dame aus dem Caritas-Seniorenheim St. Aldegundis ist bei den Schülern der Klasse 7d der Gesamtschule Kaarst-Büttgen besonders hängen geblieben. So sehr, dass sie ihn auch im Rahmen der Präsentation ihrer Projektarbeiten „Schule früher und heute“ im Seniorenwohnheim Büttgen zitierten. Warum diese Seniorin als kleines Mädchen so gerne in die Schule ging, aber auch, warum andere Altenheimbewohner wiederum keine guten Erinnerungen an ihre Schulzeit haben, erfuhren die Schüler in persönlichen Gesprächen.

Eine Deutscharbeit der anderen Sorte

Ermöglicht wurde dies durch die Projektidee ihrer Deutschlehrerin Barbara Hülser. „Ich wollte meinen Schülern mal eine ganz andere Deutscharbeit ermöglichen“, erzählt sie. Denn viele ihrer Schüler hätten bei den klassischen Klassenarbeiten selten positive Rückmeldungen gegeben. „Deshalb hatten sie jetzt Gelegenheit, sich ganz anders einzubringen. Hülser hatte zuvor Kontakt zu Pia Misdom vom Sozialen Dienst des St.-Aldegundis-Hauses aufgenommen. Misdom war begeistert von dem Projekt: „Wenn Jung und Alt zusammenkommen, tut das allen gut. Zudem sind die Schule und das Altenheim ja Nachbarn.“ Pia Misdom suchte nach Senioren, die zu Interviews und Gesprächen bereit waren. Sie stellte Gruppen mit maximal vier Bewohnern zusammen und so trafen sich schließlich die 29 Schüler der Gesamtschule mit 19 Senioren.

Gespräche über den Alltag in der Schule – gestern und heute

Für den Großteil der 15 Mädchen und 14 Jungen eine ganz neue Erfahrung. „Denn nur vier Kinder waren zuvor in einem Altenheim“, so Lehrerin Hülser. Dem zwölf Jahre alten Georges Bou Sanayeh haben die Gespräche mit den Senioren regelrecht Spaß gemacht: „Das war aufregend, gemeinsam mit den alten Menschen zu arbeiten.“ Er habe viele Unterschiede der jeweiligen Schulzeit kennengelernt. „Früher waren viel mehr Kinder in einer Klasse, Lehrer haben die Schüler mit dem Zeigestock geschlagen und der Hitlergruß war Pflicht“, erzählt er. Trotzdem gingen die heutigen Senioren früher gerne in die Schule. Weronika Krawczyk (13) und Elena Leisten (13) wissen um die Gründe dafür: „Nach der Arbeit mussten die meisten von ihnen damals auf dem Feld arbeiten.“

Aber auch die Senioren konnten etwas lernen. Sie erfuhren von den Kindern, wie sich im Lauf der Jahrzehnte der Unterricht verändert hat. Störende Schüler werden in den Trainingsraum geschickt, statt Schlägen gibt es heute Strafarbeiten und Fächer wie Handarbeitsunterricht oder Schönschreiben sind gestrichen. Die Ergebnisse zu den Gesprächen haben die Gesamtschüler in Texten, Gedichten und Tagebucheinträgen zusammengefasst, die sie auf großen Plakatwänden zum Abschluss im Seniorenheim vorstellten. Die Senioren waren begeistert von dem Projekt. „So junge Gesichter sehen wir ja fast nie, sonst nur alte Schachteln“, freute sich eine Bewohnerin. Lehrerin Barbara Hülser will das Projekt künftig fortsetzen. „Denn die Schüler haben sich sehr eingebracht“, so Hülser. Auf die Zensuren werde dieses Engagement auch Einfluss haben. Hülser: „Manche werden Bomben-Noten dafür erhalten.“

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