28 Realschüler nehmen an einem Generationen-Projekt teil. Auch ein Demenzparcours gehört dazu.

28 Realschüler nehmen an einem Generationen-Projekt teil. Auch ein Demenzparcours gehört dazu.
Lars und Felix (v. l.) gehörten zu den Schülern der Elisabeth-Selbert-Realschule, die bei dem Projekt mitmachten.

Lars und Felix (v. l.) gehörten zu den Schülern der Elisabeth-Selbert-Realschule, die bei dem Projekt mitmachten.

Anja Tinter

Lars und Felix (v. l.) gehörten zu den Schülern der Elisabeth-Selbert-Realschule, die bei dem Projekt mitmachten.

Kaarst. Seniorenbeiratsmitglied Gerda Linden hatte die Idee zum Pilotprojekt „Förderung der Akzeptanz im Miteinander der Generationen“: Als ehemalige Leiterin einer Fachschule für Altenpflege liegt ihr das Thema besonders am Herzen, sagt sie. Inge Heil, Fachlehrerin für katholische Religion, Politik und Mathematik an der Elisabeth-Selbert-Realschule, setzt es derzeit mit ihrem Politikkurs der 10. Klasse um.

Bei drei Besuchen brachte Gerda Linden mit Hilfe von Fotos den Schülern die Lebenswirklichkeit älterer Menschen bereits näher. „Die Jugendlichen sind sehr interessiert“, äußerte sie sich zufrieden. Und Pädagogin Heil ergänzte: „Der Wert des Lebens und die nötige Empathie für alte Menschen wurden ebenfalls ausführlich besprochen.“ Die Jugendlichen hätten gebannt zugehört.

„Ich bin mega verwirrt und finde es sehr schwierig.“

Renja, Schülerin

Nun verbrachten die 28 Schüler – acht Mädchen und 20 Jungen – einen Vormittag im Johanniterstift und erlebten einen Demenzparcours und eine Gesprächsrunde mit Senioren. Beim Parcours versetzten sie sich an dreizehn Stationen in den Tagesablauf eines demenziell veränderten Menschen. An Spiegelboxen fiel jede noch so einfache Handlung schwer. „Ich bin mega verwirrt und finde es sehr schwierig“, sagte Renja (17) beim vergeblichen Versuch, Essen in Form farbiger Papierkugeln auf Teller zu bugsieren. Nicht viel besser erging es Celina und Filiz: die beiden 15-Jährigen fanden es „blöd“, Verkehrszeichen nicht richtig einzeichnen zu können.

Das Gefühl der Hilflosigkeit überwog – ein erklärtes Ziel des Parcours, um wertschätzendes Verständnis zu wecken: „Demenz ist jeden Tag“, erklärte Petra Kinzel, sie ist die Leiterin der sozialen Dienstes, den Schülern. In der Gesprächsrunde entspann sich ein lebhafter Dialog. „Man kann hier viel übereinander lernen, Vorurteile abbauen und so mehr Rücksicht aufeinander nehmen“, zog Tobias Bilanz. Mefat war wichtig, für die Zukunft ein besseres Miteinander zu schaffen und Ann, erst seit drei Jahren in Deutschland, freute sich über das große Interesse der älteren Generation an der jüngeren.

Manfred Hasenbein (81) und Lucia Pietryga (91) verhehlten nicht ihre Prägung durch den zweiten Weltkrieg. Trotzdem hatten sie auch schöne Erlebnisse. Hasenbeins wichtigster Rat: ehrlich sein und freundlich seine Meinung sagen: „Der Ton macht die Musik!“ Und was wünschen die Älteren den Jüngeren? Da wurde Manfred Hasenbein sehr deutlich: „Wir haben Bekloppte in allen Regierungen. Ich habe Angst um die Jugendlichen“, meinte er. Lucia Pietryga empfand die aktuelle Entwicklung auch als erschreckend: „Ein friedliches Zusammenleben in einem vereinten Europa soll erhalten bleiben“, meinte er und wünscht sie sich eine Rückkehr zur Normalität.

Die Schüler freuten sich über Abwechslung zum Klassenzimmer

Die Schüler zeigten sich mit dem Verlauf des Projekts zufrieden. „Das ist mal etwas anderes als Standardunterricht und hilft zum Verständnis mit Älteren“, meinte Felix. Die Diskussion mündete in das Thema Altenpflege. Die Leiterin des Johanniterstifts, Rosel Band, beklagte den Personalmangel und befürchtete für die Zukunft den Einsatz von Robotern. „Die Menschen brauchen aber euch“, wandte sie sich an die Schüler. Gerda Linden machte sich für eine bessere Wertschätzung der Pflegeberufe stark: „Sie müssen allen anderen medizinisch Tätigen gleichgestellt werden!“ Sorgfältige Beobachtung erfährt das Projekt durch Gerd Eisenach vom Seniorenbüro der Stadt Kaarst: „Wir möchten es an allen weiterführenden Schulen anbieten“. Denn es diene nicht nur der Empathie, sondern auch der Förderung von Berufskräften.

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