Für die blutigen Auseinandersetzungen nimmt die Polizei persönliche Gründe an.

Auch nachdem die Polizei bereits vier Männer festgenommen hatte, wurde in der Umgebung nach weiteren Tätern gesucht.
Auch nachdem die Polizei bereits vier Männer festgenommen hatte, wurde in der Umgebung nach weiteren Tätern gesucht.

Auch nachdem die Polizei bereits vier Männer festgenommen hatte, wurde in der Umgebung nach weiteren Tätern gesucht.

Auf der Suche nach Patronenhülsen und anderen Hinweisen war die Spurensicherung bis in die Nacht im Einsatz.

Der Tatort an der Ecke Weckhovener Straße/Friedrich-von-der-Schulenburg-Straße wurde von den Beamten am Mittwochabend weiträumig gesichert.

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Auch nachdem die Polizei bereits vier Männer festgenommen hatte, wurde in der Umgebung nach weiteren Tätern gesucht.

Neuss. Für die Polizei war es am frühen Mittwochabend zunächst – sachlich korrekt und nüchtern – eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen auf offener Straße. Für die Anwohner war die Sache klarer: „Hier tobt ein blutiger Bandenkrieg“, sagt ein Mann, der in der Nähe des Tatortes an der Ecke Weckhovener Straße/Friedrich-von-der-Schulenburg-Straße wohnt. „Das sind zwei Gangs aus Weckhoven und von außerhalb, die sich bekämpfen.“

Polizei schließt Bandenkrieg als Hintergrund aus

Die Polizei schloss am Donnerstag jedoch einen Bandenkrieg als Hintergrund aus. „Man kann auf keinen Fall von rivalisierenden Gruppen sprechen“, betont Polizei-Sprecherin Diane Drawe, vielmehr geht die Polizei nach derzeitigem Kenntnisstand von privaten Streitigkeiten aus – bei denen allerdings mit einer Pistole geschossen wurde.

Die Bilanz des Abends: vier Leichtverletzte und die Festnahme von insgesamt sieben Männern im Alter von 19 bis 42 Jahren, die zum Teil miteinander verwandt sind. Die Ermittlungen dauern noch an. Die Polizei ist aber überzeugt: Alle Tatbeteiligten sind ermittelt und dingfest gemacht. Und fest steht: Durch Schüsse wurde niemand verletzt.

Wer geschossen hat, ist noch immer unklar

Bisher ist zum Tathergang bekannt: Um 16.55 Uhr waren am Mittwoch Polizei und Rettungsdienst zu einer Schlägerei auf einem Garagenhof gerufen worden. Neben Streifenwagen fahren auch Rettungswagen und Notärzte vor. Am Einsatzort stellt sich aber schnell heraus, dass mehr dahintersteckt als eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen ein paar Jugendlichen.

An der Ecke Weckhovener Straße/Friedrich-von-der-Schulenburg-Straße waren sieben Männer aneinander geraten. Mit Schlagstöcken, wie Zeugen der Polizei meldeten. Aber es wurde auch geschossen. Wer, das war auch gestern noch unklar. Angesichts sehr unterschiedlicher Aussagen hatte die Polizei noch damit zu tun, Vorgeschichte und Ablauf der Tat schlüssig zu rekonstruieren. Die Verdächtigen waren geflohen, als die Polizei am Tatort eintraf. Vier Männer konnten die Beamten noch vor Ort in Weckhoven festnehmen, drei wurden im Zuge von Fahndungsmaßnahmen in einem Auto auf dem Willy-Brandt-Ring identifiziert und dingfest gemacht. Die Polizei teilt mit, dass sich diese widerstandslos festnehmen ließen.

Angesichts der bisherigen Erkenntnisse spricht die Staatsanwaltschaft in einer ersten Bewertung der Tat von gefährlicher Körperverletzung

Die Vernehmungen und die Auswertung der Spuren war auch gestern noch nicht abgeschlossen. So werden unter anderem auch zwei Autos noch näher unter die Lupe genommen, die am Tattag von der Polizei sichergestellt werden konnten.

Die politischen Vertreter Weckhovens kommentieren die Tat und das Ergebnis der polizeilichen Untersuchungen unterschiedlich. Die CDU-Stadtverordnete Karin Kilb sieht sich in ihrer Einschätzung bestätigt: „Bandenstrukturen in Weckhoven - das würde ich verneinen“, sagt sie. Auch Arno Jansen, der für die SPD in Weckhoven spricht, kommt zu der Feststellung: „Solche Auseinandersetzungen gibt es überall auf der Welt. Weckhoven ist ein junger und bunter Stadtteil.“

Anwohner wie Andreas Illenseer hatten eine unruhige Nacht. Weil die Hintergründe der Tat am Abend völlig ungeklärt waren, fiel es ihm schwer, seine 80-jährigen Eltern zu beruhigen. Zumal im Ort und in sozialen Netzwerken wie Facebook schon Gerüchte über mehrere Tote im Umlauf waren. „Normalerweise passieren solche Dinge immer weit weg“, sagt er. „Und jetzt haben wir das vor der eigenen Haustür.“

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