Der ehemalige Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, Professor Andreas Franzke, referierte in der Langen Foundation über Jean Dubuffet.

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Die Langen Foundation zeigt noch bis Ende Mai 47 Bilder von Dubuffet – hier ein Selbstporträt des Künstlers.

Die Langen Foundation zeigt noch bis Ende Mai 47 Bilder von Dubuffet – hier ein Selbstporträt des Künstlers.

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Die Langen Foundation zeigt noch bis Ende Mai 47 Bilder von Dubuffet – hier ein Selbstporträt des Künstlers.

Rhein-Kreis Neuss. Wenn Professor Andreas Franzke über Leben und Werk von Jean Dubuffet spricht, fließen neben dem Fachwissen des Kunstexperten immer auch persönliche Erinnerungen an Freundschaft und Zusammenarbeit ein. So auch am Samstag, als Franzke in der ausverkauften Langen Foundation in die Arbeit des einflussreichen Künstlers der Nachkriegszeit einführte. Franzke war Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und hat wegweisende Bücher über Dubuffet verfasst.

Dabei lernte er den Künstler als umfassend gebildeten Menschen kennen. Dubuffet beherrschte mehrere Sprachen, darunter auch Deutsch, und er fragte gerne nach, warum Franzke bestimmte Wörter ausgerechnet so übersetzt habe. "Ich war dann immer ganz betroffen", erinnerte sich Franzke.

"Er malte Aktbilder, die Körper wie plattgewalzt"

Diese Mischung aus Fachkompetenz und persönlichen Eindrücken machte seinen Vortrag zu einem Höhepunkt der Dubuffet-Ausstellung, die noch bis zum 24.Mai in den Räumen auf der Raketenstation gezeigt wird. "Ein Leben im Laufschritt", so der Titel der Schau, die mit etwa 50 Exponaten aus der Sammlung von Viktor und Marianne Langen einen Querschnitt durch sein reichhaltiges Schaffen gibt.

Tatsächlich hat der Künstler (1901-1985) eine ganze Reihe von Stilen und Techniken ausprobiert, viele sogar neu erfunden. Von der traditionellen Kunst hielt er zeitlebens wenig, brach bewusst mit ihren Konventionen.

Schlaglichtartig ließ Andreas Franzke Dubuffets Schaffensphasen in seinem Vortrag Revue passieren. Dubuffet begann erst mit 41 Jahren zu malen. Das war 1942, während der deutschen Besetzung von Paris. Malte er anfangs in grellen Farben, mischte er später Kalk und Sand dazu, kratzte die Schichten mehrmals von der Leinwand und trug neue auf.

Er malte Aktbilder, die Körper wie plattgewalzt, auch dies eine gewollte Abkehr von den Standards der Akademiemalerei. Mitte der 50er-Jahre folgten Collagen, später griff er wieder zum Pinsel, um turbulente Großstadtszenen zu malen.

In den 60er- und 70er-Jahren beschäftigte sich Dubuffet mit der so genannten "Hourloupe"-Serie. Zunächst malte er die zellenartigen Strukturen nur, später verwendete er sie in Großskulpturen und begehbaren Räumen.

Dubuffet war außerordentlich produktiv. Noch im letzten Lebensjahr malte er 240 Bilder, obwohl er die menschliche Wahrnehmung für eine bloße Fiktion hielt - oder gerade deshalb? Franzke erinnerte sich an Besuche bei dem damals schon sehr gebrechlichen Künstler: "Er hat ununterbrochen gearbeitet. Wenn man ihn ablenken wollte, entgegnete er nur: ,Ich muss jetzt malen.’"

» Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. Mai. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr. Die nächste Veranstaltung anlässlich der Schau wird ein Filmabend am 12. Mai, dem Todestag von Jean Dubuffet, sein.

 

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