Protest: Eltern wehrten sich an der St.Andreas-Schule in Pesch gegen ein Schulgebet. Auch ein Krippenspiel musste ausfallen.

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Texte von Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer dürfen gelesen, aber nicht gebetet werden.

Texte von Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer dürfen gelesen, aber nicht gebetet werden.

dpa

Texte von Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer dürfen gelesen, aber nicht gebetet werden.

Rhein-Kreis Neuss. Weil ein Elternpaar als erklärte Atheisten sich im vergangenen Juni dagegen aussprach, dass sein Kind im Schulunterricht an der Gemeinschaftsgrundschule St.Andreas in Pesch mit gefalteten Händen Texte sprechen sollte, verbot das Schulamt des Rhein-Kreises Neuss der gesamten Klasse jetzt das Beten.

Die Lehrerin des Kindes, unter anderem evangelische Religionslehrerin, hatte jeden Tag den Unterricht mit einem Gedicht begonnen, beispielsweise mit Texten des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer (1906 - 1945). Das war auch in anderen Klassen der ehemals katholischen Grundschule üblich.

Eltern eines Kindes beschwerten sich beim Schulamt

Beim Sprechen des Gedichts hatten die Kinder die Hände gefaltet, was den Eltern eines Kindes nicht gefiel. Sie hatten sich daraufhin beim Schulamt beschwert und Recht bekommen. Das Gedicht "Von guten Mächten wunderbar geborgen" und andere Texte durften seitdem nicht mehr mit gefalteten Händen gelesen werden. Für die Elternschaft und vor allem den Fördervereinsvorsitzenden Andreas Weerth ein Unding.

Das Gebetsverbot komme einem Verbot von Texten Bonhoeffers gleich, sei die Meinung einiger Eltern, berichtet Schulleiter Wolfgang Grüe. Vorgabe des Schulamtes sei dagegen aber lediglich, dass - wie auch durch das Gesetz vorgeschrieben - Gebete im Religionsunterricht erlaubt, aber ein Schulgebet nur möglich sei, wenn niemand dadurch ausgegrenzt werde. Auch das Krippenspiel, das die Lehrerin Jahr für Jahr mit den Schülern einstudiert und auch diesmal in der evangelischen Kirche in Korschenbroich aufführen wollte, musste ihr Schulrätin Ulrike Hund untersagen.

Dass allerdings nun zwar die Eltern eines Kindes zufrieden und andere Eltern und Kinder unzufrieden seien, dafür müsse jetzt in der Schule eine Lösung gefunden werden, die juristisch einwandfrei sei, fordert Schulrätin Hund. Als eigenverantwortliche Schule sollten Lehrer, Schulleitung und Eltern einen gemeinsamen Weg finden.

Für Grüe steht derweil fest: Man werde sicherlich weiterhin nach christlichen Normen unterrichten und erziehen, allerdings sei man beim Praktizieren christlicher Handlungsweisen im normalen Unterricht vorsichtiger geworden. Man werde nun Texte lesen, ohne dabei die Hände zu falten. "Viele Eltern sind unzufrieden über diese Entwicklung wegen eines einzigen Kindes", bedauert Grüe. Dennoch: Von Schulseite sei alles geklärt.

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