Jürgen Reineking hat einen Globusnähtisch restauriert, der nach Neuschwanstein geht.

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Restaurator Jürgen Reineking hat 38 Stunden an dem Globusnähtisch gearbeitet. Nun glänzt er wieder wie neu.

Restaurator Jürgen Reineking hat 38 Stunden an dem Globusnähtisch gearbeitet. Nun glänzt er wieder wie neu.

Georg Salzburg

Restaurator Jürgen Reineking hat 38 Stunden an dem Globusnähtisch gearbeitet. Nun glänzt er wieder wie neu.

Rhein-Kreis Neuss. Dieser Nähtisch hat einen eigenen Chauffeur. Kein Wunder - bundesweit gibt es nur drei seiner Art, und seine Gestaltung ist einzigartig. Das Biedermeier-Möbelstück von 1810 ist etwa 35 000 Euro wert und sieht aus wie neu.

Dazu hat Jürgen Reineking aus Jüchen-Bedburdyck einen nicht unerheblichen Teil geleistet: Der Restaurator hat 38 Stunden an dem Globusnähtisch gearbeitet und ihn wiederhergestellt, so dass er in der nächsten Woche in alter Pracht ins bayerische Schloss Neuschwanstein gebracht werden kann - von besagtem Chauffeur.

Die Schellackpolitur ist der aufwändigste Teil der Restauration

Der Globusnähtisch, der gerade einmal einen Meter hoch ist, war lange Zeit in Familienbesitz, wurde vererbt und nun verkauft. "Ein ganz ausgefallenes, elegantes Stück", sagt der Restaurator, während er eine Schublade aus dem Möbel zieht.

"Hier gibt es eine Art Geheimfach", erklärt er und fügt direkt hinzu: "Dort könnte man Garn und Knöpfe verwahren." Doch man könne nicht nur Nähsachen deponieren, sondern auch Schach spielen - dank eines filigranen Schachbrettmusters.

Das Schachbrett im hinteren Teil bereitete Jürgen Reineking dann auch die meisten Sorgen. Weil es zum Teil zerstört war, musste Reineking es mit Hilfe von Furnierholz wiederherstellen.

Der Nähtisch besteht aus Eben- und Rosenholz, außerdem wurde Pyramidenmahagoni verwendet ("eine sehr hochwertige und teure Art von Holz"). Der Original-Spiegel ist noch erhalten geblieben, einige Teile des Tischchens hat der Restaurator mit Blattgold neu verziert.

Jürgen Reineking will den Nähtisch in Neuschwanstein besuchen

Die Schellackpolitur ist schließlich der aufwändigste Teil der Restauration: In Alkohol gelöster Harz wird mit kreisenden Bewegungen aufgetragen, was bis zu anderthalb Stunden dauert. Fünf Mal muss die Prozedur wiederholt werden, bis man sich in dem glänzenden Holz geradezu spiegeln kann.

"Zwischen vorher und nachher liegen Welten", sagt der 60-Jährige, der seit mehr als 40 Jahren in seinem Beruf arbeitet und der in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen seines Betriebs feiert.

"An so etwas Einmaligem zu arbeiten, macht natürlich mehr Spaß als die alltägliche Arbeit." Schon beim Frühstück habe er sich darauf gefreut. "Ich mache das Radio an, dann geht die Arbeit leicht von der Hand."

Den Nähtisch will er irgendwann in Bayern besuchen, wie er sagt. Genau wie den 150 000-Euro-Sekretär aus dem Jahr 1815, den er vor sieben Jahren restauriert hat und der jetzt auf Schloss Neuschwanstein ausgestellt wird. Auch in das Möbelstück hatte er viel Herzblut und Zeit investiert, um es aus seinem vernachlässigten Zustand zu befreien.

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