Beste Stimmung und fantasievolle Kostüme zum Start in den Straßenkarneval auf dem Markt

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Stadtschlüssel und Zepter hat die Novesia erbeutet.

Stadtschlüssel und Zepter hat die Novesia erbeutet.

In die berühmten rot-weißen Ketten gelegt: Der stellvertretende Bürgermeister Thomas Nickel.

Saumäßig gute Stimmung herrschte bei Sonnesching auf dem Markt.

Saumäßig gute Stimmung herrschte bei Sonnesching auf dem Markt.

Marc Ingel, Bild 1 von 4

Stadtschlüssel und Zepter hat die Novesia erbeutet.

Neuss. So wird das nichts mit dem Oberbürgermeister, Herr Nickel. Gleich mehrfach tituliert Prinz Hans-Peter I., bestens in Form und stimmgewaltig, am Morgen den ersten stellvertretenden Bürgermeister, so offizielle Bezeichnung, als Stadtchef, wie er nur kreisfreien Städten zusteht. Oberbürgermeister? Geschenkt, nicht nach einem solchen Fassanstich auf dem Markt. Aber da war ja auch schon so einiges passiert.

Kurz vor 11 Uhr, Thomas Nickel trifft letzte Vorbereitungen für die Vertretung des entschwundenen Herbert Napp. Rote Jacke, Karnevalsschal über der Krawatte, die niemand abschneidet, so setzt er sich an den Bürgermeister-Schreibtisch mit Aktenmappen. Und zeichnet gefakte Unterlagen wie den WZ-Artikel über den Nüsser Ovend ab. Vor ihm ein Fläschchen. Der erste Schnaps? „Normalerweise um 8.30 Uhr“, sagt er, ganz Narr.

Dann aber drängen sie ins Amtszimmer. Rot-weiß, die jecken Weiber, die jetzt laut Protokoll die Macht übernehmen, samt männlicher Begleitung. Ganz ohne Musik, da wird geklatscht. „Erbarmen“, sagt der vertretende Stadtchef, er kennt das, er macht es jetzt zum zweiten Mal. Keine Rede, nur kurz was von Bütze und Fiere, und schon liegt er in den rot-weißen Ketten. „Wenn man sich ergibt, soll man schmeicheln und sich einschmeicheln“, versucht er es bei der Novesia. Ohne Erfolg, die reckt den Schlüssel hoch.

Die jecken Wiever sind los, doch der Prinz gibt den Ton an

Gebt gut auf den Mann acht, ruft der Prinz, der es auch an diesem Tag der Weiber nicht lassen kann, den (kräftigen) Ton anzugeben: „Mein Befehl ist feiern, lasst die Schwarte krachen“, ruft er und dankt dem heiligen Quirinus. Die Mini-Vuvuzela hätte er gar nicht gebraucht. Der gekettete Bürgermeister bützt sich durch („Jetzt mache ich das, was alle Männer wollen“), folgt brav nach unten und marschiert relativ entspannt durch die Menge der wartenden Narren.

Die Herzen der jecken Wiever hat der temperamentvolle Prinz im Sturm erobert, aber auch Novesia Jacqueline I. will ihren Tag genießen: „So, jetzt habe ich das Zepter. Das gehört heute mir. Es ist einfach klasse“, sagt sie und ruft Helau! Zunächst mit Verzögerung, dann mit Caracho wird um 11.16 Uhr das erste Fass vor der Bühne angestochen.

Der unvermeidliche Frohsinnsausbruch nimmt seinen Lauf. Die rosaroten Neusser Cindys von der Furth schunkeln sich in Stimmung. Und auch die Truppe der roten Fliegenpilze kommt in Fahrt. Tim Schmitter und Kai Rosemann gehen als Gangsterrapper, schaffen schnell eine Grundlage und stürzen sich schon wieder ins Getümmel.

Tä-täää, tä-täää, tä-täää singen die Jecke us alle Ecke, die muntere Fußgruppe aus Grefrath ist diesmal als bunter Garten plus Papagei verkleidet. Bis zum Nachmittag wird rund ums Rathaus der Start in den Straßenkarneval zelebriert. Nur einer hat seine rude Pappnas nach wenigen Minuten ausgezogen. Karnevalstourist, Schwerenöter, Spielverderber? Wir sind pikiert!

 

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