Durch den Neubau am Busbahnhofgelände ist eine der ältesten Straßen der Stadt weitgehend verschwunden.

Romaneum
Der Blick auf die Baustelle: Das Romaneum erstreckt sich fast über den ganzen früheren Busbahnhof. Vielleicht wird seine Adresse Brückstraße heißen. Fotos (2): Marc Ingel

Der Blick auf die Baustelle: Das Romaneum erstreckt sich fast über den ganzen früheren Busbahnhof. Vielleicht wird seine Adresse Brückstraße heißen. Fotos (2): Marc Ingel

Eine Darstellung aus dem Stadtarchiv: Die Brückstraße im 17. Jahrhundert mit dem Kehlturm, rechts das Alexianerkloster.

Der Blick auf den Rest der Brückstraße vor den beiden Wohnhäusern.

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Der Blick auf die Baustelle: Das Romaneum erstreckt sich fast über den ganzen früheren Busbahnhof. Vielleicht wird seine Adresse Brückstraße heißen. Fotos (2): Marc Ingel

Neuss. Nach etlichen Anlaufschwierigkeiten nimmt am alten Busbahnhof der Romaneum genannte Neubau für VHS, Musikschule und Fern-uni Gestalt an. Dieser geschichtsträchtige Platz birgt Zeugnisse aus 2.000 Jahren Neusser Historie, vom römischen Rasthaus bis zum Weltkriegsbunker. Etliches ist ausgegraben, vieles bleibt unter dem Neubau verborgen. Weitgehend verschwinden wird eine der ältesten Straßen von Neuss, die Brückstraße.

Bis zum Beginn der Bauarbeiten markierte sie den westlichen Platzrand hin zum Kehlturm, ein kleiner Schlenker entlang zweier Wohnhäuser hin zur Hymgasse inbegriffen. Nun ist die Straßenfläche fast völlig überbaut.

Stadtarchivdirektor Jens Metzdorf kennt die Geschichte der Brückstraße. 1313 zum ersten Mal unter diesem Namen belegt, wurde die Straße wohl schon im 11. Jahrhundert angelegt, zu Zeiten der ersten Neusser Kaufmannssiedlung. Die „Brugstraße“ verband als Brücke die Oberstraße mit dem künstlich angelegten Hafen.

Wie Metzdorf schildert, sollte die in einem Bogen errichtete Straße das starke Gefälle zwischen Oberstraße und Rhein für die Fuhrwerke weitgehend ausgleichen. Später nutzen Alexianer, Regulierherren und Sepulchrinerinnen die Brückstraße als Standort für ihre Klöster, zwei wurden nach der Säkularisation als Ölmühle und Hospital genutzt.

Mittelalterlicher Wirtschaftsweg der Kaufmannssiedlung, Klosteranschrift, Busbahnhof-Adresse – was bleibt? Die Brückstraße wird in ihrem alten Verlauf durch eine Pflasterung mit Basaltlava-Steinen auf dem Platz am Romaneum hervorgehoben und führt dann gleichsam ins Gebäude hinein.

Ob das Romaneum künftig auch offiziell-postalisch an der Brückstraße Nummer 1 liegen wird, ist noch offen. Die CDU jedenfalls hat einen entsprechenden Antrag an den zuständigen Kulturausschuss gestellt. Kulturdezernentin Christiane Zangs hält das für durchaus sinnvoll.

Bis die erste Post geliefert wird, ist allerdings wohl schon wieder Winter. Die Arbeiten seien im Zeitplan, versichert Planungsdezernent Stefan Pfitzer. Die Stadt ist für die Freiflächengestaltung zuständig, das Büro Frauenrath/Nesseler für den Bau des Romaneums selbst. Im vergangenen Sommer war die Fertigstellung des Platzes noch für Mai/Juni dieses Jahres vorgesehen.

Nun ist die Vorgabe, gleichzeitig mit der Inbetriebnahme des Gebäudes zum Ende des Jahres fertig zu sein. „Das wird auch funktionieren“, betont der Beigeordnete. Die Einweihung könnte dann an der Brückstraße 1 stattfinden.

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