Beamte gehen in Neuss auf die Straße, um für Neueinstellungen zu kämpfen.

Mahnwache
Vor dem Kaufhof in Neuss machten Polizisten gestern Passanten auf ihr Anliegen aufmerksam.

Vor dem Kaufhof in Neuss machten Polizisten gestern Passanten auf ihr Anliegen aufmerksam.

Auch die Schließung von Wachen hält die GdP für ein denkbares Szenario.

Ingel, Bild 1 von 2

Vor dem Kaufhof in Neuss machten Polizisten gestern Passanten auf ihr Anliegen aufmerksam.

Rhein-Kreis Neuss. Die Rechnung der GdP (Gewerkschaft der Polizei) erscheint einleuchtend: Bis zum vergangenen Jahr sei die Polizei im Rhein-Kreis Neuss bereits um 66 Beamte geschrumpft, bis 2020 werde das Personal vor allem durch die hohe Anzahl anstehender Pensionierungen um weitere 30 Polizisten schrumpfen. Die Folge: „Es wird weniger Streifenwagen auf der Straße geben. Die sieben Wachen im Kreisgebiet werden wohl bleiben, aber ob wir sie dann auch nachts besetzten können, sei dahingestellt“, nennt Udo Fischer, Vorsitzender der GdP im Kreis, Beispiele. Diese Zahlen seien kein Geheimnis, „nur haben wir offenbar zu lange geschwiegen und es versäumt, in der Öffentlichkeit für Druck zu sorgen“, sagt Fischer. Damit war am Mittwoch Schluss, denn mit einer Mahnwache auf dem Neusser Hauptstraßenzug machten Polizisten ihrem Ärger Luft. Sie verteilten Flyer, warben mit intelligenten Karikaturen für ihr Anliegen und suchten das Gespräch mit Passanten. Die blieben auffallend häufig stehen und hatten ein offenes Ohr für die Probleme der Ordnungshüter. „Es betrifft ja alle. Kriminalitäts- und Opferzahlen sind in den vergangenen Jahren dramatisch angestiegen. Alle neun Minuten verzeichnen wir einen Einbruch. Aber wie sollen wir gegensteuern, wenn unsere Personaldecke immer dünner wird?“, fragt Fischer. Kriminalität könne zunehmend nur noch verwaltet, aber nicht mehr effektiv bekämpft werden. 2000 Pensionierungen im Jahr stünden 1400 Neueinstellungen gegenüber, und die Ausbildung dauere drei Jahre. „In acht Jahren sind rund 30 Prozent aller Polizisten älter als 55 Jahre. Da fehlt es an Perspektive“, kritisiert der Gewerkschaftler.

Hoher Krankenstand und zwei Millionen Überstunden

Im Rhein-Kreis Neuss arbeiten rund 550 Polizisten.

Nach Berechnungen der GdP gibt es seit 2009 im Kreisgebiet 66 besetzte Stellen weniger. Bis 2020 werde sich die Diskrepanz zwischen Pensionierungen und Neueinstellungen um 30 weitere Stellen erhöhen.

Schon jetzt sei der Beruf des Polizisten alles andere als ein Zuckerschlecken. An die zwei Millionen Überstunden hätten Polizisten in NRW angehäuft, die Krankheitsrate sei extrem hoch und nicht zuletzt der Verwaltungsaufwand kaum mehr zu bewältigen, klagt Fischer. „Ein komplett freies Wochenende ist inzwischen der totale Luxus. Viele opfern ihren freien Samstag, um endlich mal ihren Schreibtisch freizuschaufeln.“ Dass die Kampagne der GdP gerade bei den Politikern im Land auf offene Ohren stößt, hofft Fischer zwar, ob der Innenminister aber bereit sei, an seinem (Spar-) Konzept etwas zu ändern, bezweifelt er eher. 1700 Neueinstellungen bereits in diesem Jahr fordert die Gewerkschaft für NRW. „Aber das bleibt wohl Wunschdenken“, sagt Fischer.

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