Neusser können den günstigen Tarif nicht buchen.

Neuss. Die Debatte um die Stadtwerke-Tochter „Klick Energie“ weitet sich aus. Die FDP hat einen Fragenkatalog an den Vorsitzenden des Gremiums, Jörg Geerlings (CDU), geschickt. Der Liberale Heinrich Köppen will unter anderem wissen, ob Neusser Stromkunden, die die Energie von den Stadtwerken beziehen, damit Stromkunden außerhalb der Stadt subventionieren.

Viel Atom- und Kohlestrom macht den Tarif sehr günstig

Die „Klick Energie“, ein gemeinsames Unternehmen der Stadtwerke Neuss und des Mönchengladbacher Versorgers NEW, bietet den billigen Strom bisher nur außerhalb von Neuss an. In der Stadt ist die Energie der SWN deutlich teurer, auch, weil es sich um Strom aus komplett erneuerbaren Energien handelt. Die „Klick Energie“ hingegen greift für ihr billigstes Angebot zu 61 Prozent auf Kohle- und Kernenergie zurück. Offenbar wollen die Stadtwerke sich auf Neusser Stadtgebiet nicht mit dem eigenen Billiganbeiter selbst Konkurrenz machen. Die NEW in Mönchengladbach hat hingegen die „Klick Energie“ auf den Markt gelassen. Die Linken fordern gar, sich komplett aus dem Geschäft mit dem Billigstrom zurückzuziehen – auch ohne vorher eine erstes wirtschaftliches Fazit zu ziehen.

Ein solches Ausstiegsszenario, nämlich die Abgabe der Gesellschafteranteile an den Gladbacher Partner, besteht. Dieses Vertragspaket hatte der Aufsichtsrat der SWN Energie und Wasser im April 2013 einstimmig beschlossen – auch mit der FDP. Heinrich Köppen war damals Mitglied des Kontrollgremiums. Dabei war die Idee bei der Gründung der „Klick Energie“ gewesen, solche Stromkunden zu gewinnen, denen ein billiges Angebot wichtiger als grüne Energie ist und die deshalb in immer größerer Zahl ihren Anbieter wechseln. Das Internet ist voll von solchen Billiganbietern, die billigen Strom aus zum Großteil fossilen Energieträgern verkaufen und Kunden obendrein auch noch mit üppigen Sonderzahlungen und anderen Bonusprogrammen ködern. Nichts anderes tut die „Klick Energie“, im Gegensatz zur Konkurrenz nur eben nicht in der Stadt Neuss. Dazu gibt es im Netz auch vermehrt billige Grünstrom-Anbieter.

Verkauf an Privatkunden ist um 8,1 Prozent zurückgegangen

An solche Online-Anbieter verlieren Grundversorger wie die Stadtwerke oder auch die Mönchengladbacher NEW seit Jahren Kunden. Allein in Neuss ist der Absatz aus dem Stromverkauf an Privat- und Gewerbekunden von 270 Gigawattstunden im Jahr 2011 auf nun 248 Gigawattstunden gesunken. Das entspricht einem Rückgang um 8,1 Prozent in zwei Jahren, wobei sich der Kundenschwund im Jahr 2013 sogar leicht beschleunigt hat. Diese Lücke sollte die „Klick Energie“ füllen. Immerhin hat sich der Stromverkauf an Geschäftskunden in der Zeit stabilisiert. Das geht aus den Geschäftsberichten 2012 und 2013 hervor. Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor.

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