Bürgermeister Reiner Breuer erntete für seine Vision einer Innenstadt ohne Autos weniger Kritik als erwartet.

Bürgermeister Reiner Breuer erntete für seine Vision einer Innenstadt ohne Autos weniger Kritik als erwartet.
Auf dem Platz am Romaneum stehen tagtäglich jede Menge Fahrzeuge. Das könnte sich bald ändern.

Auf dem Platz am Romaneum stehen tagtäglich jede Menge Fahrzeuge. Das könnte sich bald ändern.

Woitschützke

Auf dem Platz am Romaneum stehen tagtäglich jede Menge Fahrzeuge. Das könnte sich bald ändern.

Neuss. Das überrascht. Für seine Vision von einer „autofreien Innenstadt“ erntet Bürgermeister Reiner Breuer (SPD) weitaus weniger Kritik als erwartet. Im Gegenteil. Die Vorsitzenden der vier größten Ratsfraktionen – CDU, SPD, Grüne, FDP – signalisieren unisono Sympathie für diesen Gedanken und erklären sich bereit, im Rahmen eines integrierten Mobilitätskonzeptes konstruktiv über Lösungsansätze nachdenken und diskutieren zu wollen. „Es sei sicherlich kein Fehler“, so die CDU-Chefin im Rat, Helga Koenemann, „wenn wir uns dieses Thema demnächst einmal gründlich vornehmen.“ Es sei unstrittig, dass die Verkehrsströme in einer sich strukturell verändernden Innenstadt einmal untersucht und angepackt werden müssten.

Die schärfste Kritik formuliert Christoph Napp-Saarbourg. Für den Vorsitzenden der Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN) ist die „schöne Idee“ letztlich „völlig utopisch“. So lange man nicht ohne weiteres ohne Auto von A nach B komme, würde autofrei aus seiner Sicht vor allem heißen, „die City von allem abzuschneiden“. Denn die Masse der Besucher komme eben nicht mit dem Fahrrad: „Dann vertreiben wir auch noch die letzten, die in der Innenstadt einkaufen.“

Schärfster Kritiker ist die Zukunftsinitiative Innenstadt

Den Gedanken einer „autofreien Innenstadt“ hatte Bürgermeister Reiner Breuer jüngst entwickelt. Angesichts von Staus und Schritt-Tempo auf den innerstädtischen Straßen, so der Rathaus-Chef, sei ein Konzept für Nahmobilität erforderlich, das Fuß- und Radverkehr, öffentlichen Personennah- und Individualverkehr effektiv verknüpfe. Am Ende eines solchen Prozesses könne er sich auch eine autofreie Innenstadt vorstellen.

Neben Helga Koenemann (CDU) reagieren weitere Fraktionsvorsitzende positiv auf die Aussage von Breuer. „Hört sich gut an“, sagt Michael Klinkicht (Grüne), „wir haben auch als erste Partei vor Jahren den autofreien Markt gefordert, von dem heute alle begeistert sind.“ Arno Jansen (SPD) gefällt es, „wenn wir einmal groß und mutig denken“. Und Manfred Bodewig (FDP) macht in einem Atemzug ein weiteres Fass auf: „Eine auto- und straßenbahnfreie City wäre wirklich attraktiv.“

Die vier Fraktionschefs eint die Forderung, die autofreie Innenstadt müsse Teil eines großen Mobilitätskonzeptes sein, das Bodewig einen „Masterplan für Verkehr“ nennt. In alle Kommentare mischt sich aber auch Skepsis: Ist eine autofreie City realisierbar? Wie kommen die Anwohner nach Hause? Wie wird Lieferverkehr organisiert? Viele Fragen, (noch) keine Antworten.

Beifall klatscht Heribert Adamsky, der für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) den Vorstoß des Bürgermeisters begrüßt. Er könne sich in Neuss eine autofreie Innenstadt gut vorstellen, „weil die Wege kurz sind“. Allerdings glaube er nicht, dass solche Ideen in der Neusser Politik schon mehrheitsfähig seien. Beim liberalen Bodewig hört sich das so an: „Wir verteufeln weder das Fahrrad noch das Auto.“

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