Im Deichvorland werden erste Wege wohl schon am Sonntag gesperrt.

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Ein grauer Tag: Der Rheinpegel steigt. Hier der Blick von Grimlinghausen in Richtung Kardinal-Frings-Brücke.

Ein grauer Tag: Der Rheinpegel steigt. Hier der Blick von Grimlinghausen in Richtung Kardinal-Frings-Brücke.

Georg Salzburg

Ein grauer Tag: Der Rheinpegel steigt. Hier der Blick von Grimlinghausen in Richtung Kardinal-Frings-Brücke.

Neuss. Tauwetter und Regenfälle: Diese Kombination sorgt nicht nur für unfreiwillige Rutschpartien auf den Gehwegen, sondern lässt auch den Rheinpegel ordentlich ansteigen. Wie der kommissarische Tiefbauamtsleiter Gerd Eckers ankündigt, werden wohl schon am Sonntag die ersten Wege im Deichvorland gesperrt. Das ist eine Maßnahme, die ab einem Neusser Pegelstand von sechs Metern ergriffen wird.

Stadt erwartet Pegel von sieben bis acht Metern

Zwar wurde am Freitag um 5 Uhr vor Ort noch ein Stand von rund vier Metern gemessen, doch Eckers schätzt, dass sich der Pegel in den nächsten Tagen verdoppelt. Er sagt: „Wir erwarten einen Stand von sieben bis acht Metern.“ Vorausgesetzt, der Regen lasse wie erwartet nach und es gebe keine Schneeschmelze in höheren Regionen – ansonsten könne es auch mehr werden. Dabei ist für Neuss weniger entscheidend, wie das Wetter vor Ort ist. Eckers: „Wir schauen an den Mittel- und Oberrhein und zur Mosel.“ Ab einem Stand von 7,50 Meter gehen in Neuss die ersten größeren Vorbereitungen los. Doch erst ab 10,50 Meter wird eine Deichwache eingesetzt, die den Wasserstand rund um die Uhr im Auge hat.

„Wir sind weit weg von einer Bedrohung.“

Gerd Eckers, Tiefbauamt

Dass das passieren wird, sieht Eckers jedoch noch nicht: „Wir sind weit weg von einer Bedrohung. Horror-Szenarien von einer Jahrhundertflut kann ich aus jetziger Sicht nicht stützen.“

Sollten Tauwetter und Regenfälle doch heftigere Auswirkungen haben, sei Neuss jedoch gut vorbereitet. Im Ernstfall wird ein komplexes Schutzsystem aktiviert, an dem insgesamt 170 Helfer mitwirken, die teilweise aus anderen Bereichen der Verwaltung extra für diese Aufgabe abgezogen werden. An der Spitze steht Gerd Eckers als Tiefbauamtsleiter zuständig für den Hochwasserschutz im Bereich Innenstadt. In Uedesheim laufen ebenso alle Fäden bei Eckers zusammen. Hier ist er Deichgräf des zuständigen Deichverbandes Uedesheim.

Eine Maßnahme, die bei Hochwasser getroffen wird, ist die Schließung der so genannten Deichtore. Der Deich ist kein durchgängiger Schutzwall. An einigen Stellen können beispielsweise landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge durchfahren. Diese „Lücken“ werden im Notfall mit Holzbalken oder Sandsäcken geschlossen.

In den vergangenen Jahren kam es nur selten zu Neusser Pegelständen im zweistelligen Bereich. 1993 stieg der Rhein auf 10,97 Meter an. 1995 wurde ein Rekordwert der vergangenen 20 Jahre gemessen: 11,03 Meter. Das führte schon dazu, dass Straßen gesperrt werden mussten. 2003 gab es noch einmal einen Pegelstand von 10,10 Meter.

Die Überflutung im Jahr 1926 war für Neuss ein Jahrhundertereignis. Das Wasser stieg damals bis auf 12,41 Meter an.

Der Neusser Pegel ist keine amtliche Messstelle und erscheint daher nicht in den offiziellen Hochwassermeldungen. Unter Telefon 0211/194 29 lässt sich jedoch der Düsseldorfer Pegel abfragen. Addiert man 80 Zentimeter zu diesem Wert, ergibt das ungefähr die Höhe des Wassers.

Bei extremem Hochwasser ist zunächst die Industrie am Hafenbecken 1 betroffen. Schon ab einem Pegelstand von 9,30 Meter werden Flächen überflutet. Die Stadt erwägt daher schon seit längerem den Bau eines Hafensperrwerks. Das scheitert aktuell noch an einer mangelnden Ausgleichsfläche. Die ist jedoch zwingend notwendig, denn das Wasser, das nach dem Bau des Sperrwerks nicht mehr am Hafen abfließen könnte, würde sich sonst bei einem extremen Pegel an anderer Stellen bemerkbar machen.

Die ersten Wohnhäuser erreicht der Rhein an der Grimlinghauser Brücke bei einem Stand von 9,40 Meter. Doch Eckers erläutert: „Im Regelfall verläuft ein Hochwasser an diesen Stellen schadlos. Die Betroffenen kennen sich aus und schützen sich rechtzeitig selbst.“

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