Weihnachten trotz Kriegswirren

An das Weihnachtsfest im Dezember 1940 erinnert sich Kunigunde Heidel gerne zurück: Damals war sie sechs Jahre alt. „Am Fenster waren Eisblumen“, erzählt sie. Schon die Adventszeit war gemütlich – zusammen mit der Mutter haben die vier Geschwister gebacken. Jeden Abend setzten sie sich in der Wohnküche, um den Herd und lauschten den Märchen, die die Mutter vorgelesen hat. „Es waren Kriegswirren, aber als Kinder haben wir das gar nicht richtig wahrgenommen und hatten ein schönes Fest. Erst als das Glöckchen klingelte, durften wir in das Weihnachtszimmer. Der Baum war geschmückt mit Plätzchen und Zuckerkringeln.“ Groß war auch die Freude über das Geschenk: „Ich bekam einen Stubenwagen für meine Puppe, der Bezug war schneeweiß.“ Ein wenig traurig sei sie gewesen, dass er keine echten Räder hatte, „aber das habe ich nie verraten.“

Mit wenig zufrieden

„Bis zu meinem sechsten Lebensjahr habe ich immer wunderschöne Weihnachten gefeiert. Einmal brachte meine Mutter riesengroße Schokoladenpuppen mit“, erzählt Annemarie Bröxkes. Die Festtage veränderten sich für sie, als der Vater im Krieg gefallen ist. Weihnachten wurde dann mit den Großeltern in Grimlinghausen gefeiert. „Eine Schwester vom Kloster ist zu uns gekommen und hat uns von Weihnachten erzählt. Schön war das.“ Große Geschenke konnten in jener Zeit nicht mehr gemacht werden: „Es war kein Geld da, und überhaupt gab es doch nichts. So bekamen wir, was wir brauchen konnten – zum Beispiel lange, selbstgestrickte Strümpfe von der Oma.“ Dennoch sei Weihnachten jedes Mal schön gewesen. „Wir haben uns über jede Kleinigkeit gefreut. Noch heute kann ich mich unglaublich über die kleinsten Dinge freuen.“

Die geschenkte Mandoline

Eines seiner schönstes Weihnachtsfeste erlebte Johann Spicker mit sieben Jahren. Da war er mit seinen Eltern und drei Geschwistern in Baden-Württemberg. Dahin wurde die Familie aus Neuss evakuiert. „Im Winter hatten wir viel Schnee, der war mindestens einen Meter hoch.“ Auch an die Bescherung erinnert er sich genau. „Meine Schwester hat eine Blockflöte bekommen, mein kleiner Bruder bekam eine selbstgemachte Ritterburg, meine jüngste Schwester lag noch im Kinderwagen.“ Johann Spicker hegte einen besonderen Wunsch: „Ich habe mir so sehr eine Mandoline gewünscht, aber mein Vater meinte bloß ,Wo soll ich denn eine Mandoline herbekommen?’“ Doch am Weihnachtsabend hatte das Christkind tatsächlich das heißersehnte Instrument dabei. Weggegeben hat er es nie. Noch heute spielt er in einem Mandolinenorchester. Natalie Urbig

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