Chef-Karnevalisten erkennen Potenzial beim Nachwuchs.

WZ-interview
Höchste Zeit: KA-Vorsitzender Jakob Beyen (links) und sein Vize Reiner Franzen.

Höchste Zeit: KA-Vorsitzender Jakob Beyen (links) und sein Vize Reiner Franzen.

Florian Schmitz

Höchste Zeit: KA-Vorsitzender Jakob Beyen (links) und sein Vize Reiner Franzen.

Neuss. Eine Sitzung jagt die nächste, die Session steuert auf den Höhepunkt zu. Die WZ sprach mit dem Präsidenten des Karnevalsausschusses, Jakob Beyen, und Vize Reiner Franzen.

WZ: Herr Beyen, Herr Franzen, wofür steht der Neusser Karnevalsausschuss?

Beyen: Man kann uns als Lobbyisten bezeichnen. Wir vertreten die 19 Karnevalsgesellschaften aus dem Rhein-Kreis Neuss gegenüber Politik, Verwaltung und in anderen Bereichen.

WZ: Als Sprachrohr?

Beyen: Ja. Wir sind aber auch für die Prinzenpaarsuche zuständig und organisieren den Kappessonntag.

WZ: Das Schützenfest ist in Neuss von übergroßer Bedeutung. Muss das Winterbrauchtum in die zweite Reihe treten?

Beyen: Eigentlich ist der Karneval im Rheinland die Nummer eins. In Neuss ist das anders. Aber wir erkennen das neidlos an. Viele von uns sind selber Schützen – im Winter wechseln wir dann einfach den Rock.

WZ: In vielen Kommunen klagen Karnevalisten über mangelnde Unterstützung seitens der Städte.

Beyen: Wir nicht. Der Prinzenempfang beim Bürgermeister oder die Benutzung des Rathausbalkons sind Beispiele für den Zusammenhalt. Auch wenn uns zuletzt vom Rat 40 Prozent der städtischen Zuschüsse gestrichen wurden.

WZ: Ein schwerer Schlag.

Beyen: Das tut natürlich weh. Aber wir wissen auch, dass in Neuss gespart werden muss. Wir müssen uns neu aufstellen, haben aber kreative Fachleute in unseren Reihen.

WZ: Beim Kreisprinzentreffen haben die Gesellschaften zuletzt ein Gelöbnis für den Karneval unterzeichnet.

Franzen: Das war ein symbolischer Akt. Wir wollen die Identifikation mit dem Brauchtum stärken.

WZ: Das Sessionsmotto „Nur net küme“ ist nicht bei allen gut angekommen. Auch der Hoppeditz hat darüber hergezogen. Stehen Sie weiterhin zu „Nur nicht klagen“?

Beyen: Absolut. Das Motto kommt aus der rheinischen Lebensart. Gemeint ist das alltägliche Wehklagen des Rheinländers, das oft auf sehr hohem Niveau stattfindet.

WZ: Der Sitzungskarneval neigt sich dem Ende zu. Wie ist es gelaufen?

Franzen: Fast alle Veranstaltungen waren ausverkauft. Darunter nicht nur die Sitzungen mit den Stars. Vor allem die im mittleren Preissegment waren gut besucht. Und im Kinderkarneval merken wir das Nachwuchspotenzial.

WZ: Wie sieht es denn mit der Nachwuchsförderung aus?

Beyen: Wir haben einen Arbeitskreis Jugend, der sehr aktiv ist, und geben Seminare und Workshops, zum Beispiel zum Büttenreden. Aus dieser Nachwuchsarbeit kommt zum Beispiel der junge Redner Max Adelmann.

WZ: Und nun steht der Kappessonntag bevor.

Beyen: Die Organisation läuft auf Hochtouren. Jetzt geht es an die Feinjustierung.

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