Am Montagabend gedachten zahlreiche Bürger der Pogromnacht von 1938.

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Am Rückriem-Mahnmal trafen sich Neusser am Montag zur Gedenkstunde.

Am Rückriem-Mahnmal trafen sich Neusser am Montag zur Gedenkstunde.

Georg Salzburg

Am Rückriem-Mahnmal trafen sich Neusser am Montag zur Gedenkstunde.

Neuss. 9. November: Der Tag wird gerade in letzter Zeit als Synonym für die Erinnerung an den Mauerfall vor 20 Jahren in allen Medien behandelt, gefeiert, gewürdigt. Dass dieses Datum dennoch nicht als "Tag der deutschen Einheit" dienen kann, stellte am Montag Bürgermeister Herbert Napp dar: Er sprach auf der Feier zum Gedenken an einen anderen 9. November, an den des Jahres 1938, als die Synagogen brannten, jüdische Menschen gedemütigt und misshandelt wurden.

Der 9. November als Symbol des Versagens

"Ein Datum, an dem die ausgelassene Freude über eine geglückte Revolution schlichtweg unmöglich ist, die selbstbewusste Darstellung des deutschen Staates undenkbar", betonte der Bürgermeister vor älteren und zahlreichen jungen Zuhörern am Mahnmal an der Promenadenstraße.

Der 9. November als "Symbol des Versagens": Der wirkliche Schrecken, so mutmaßte Herbert Napp, liege vielleicht im Versagen derer, die nicht gewütet haben. Und wie auch Michael Szentei-Heise, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, zu der auch die in Neuss lebenden Juden gehören, schlug er den Bogen zur Gegenwart.

Entschlossen müssten Freiheit und Würde des Menschen verteidigt werden. Der Redner mahnte: "Nur Wahrhaftigkeit und Redlichkeit gegenüber der Geschichte sichern die Zukunft." Auch Szentei-Heise verwies darauf, die Erinnerung an "das großartige Ereignis des Mauerfalls" dürfe den Rückblick auf die Pogromnacht nicht überlagern.

Sonst werde die so manches Mal beschworene "Gnade der späten Geburt" zum "Fluch des frühen Vergessens". In Neuss allerdings, erklärte Szentei-Heise, habe er diese Befürchtung nicht.

Wie zur Bestätigung trugen im Anschluss drei Schüler des Quirinus-Gymnasiums Überlegungen ihrer Abiturklasse zu dieser Nacht vor nunmehr 71 Jahren vor. Eindrücklich schilderten sie die Wahrnehmungen während eines Klassenbesuchs im KZ Theresienstadt und belegten die Tradition des Wegschauens an einem aktuellen Beispiel aus Neuss.

Und die Schüler setzten sich selbst - und anderen - die Maßgabe: "Wir können im Gedenken an die Opfer Aufklärung schaffen und klarmachen, dass es in unserer Verantwortung liegt, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder geschehen darf."

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