Heute wäre Karl May 175 Jahre alt geworden. Noch immer üben seine Romane eine Faszination aus - auch auf den Shawano-Apachen-Club. Ein Besuch in einer anderen Welt.

Heute wäre Karl May 175 Jahre alt geworden. Noch immer üben seine Romane eine Faszination aus - auch auf den Shawano-Apachen-Club. Ein Besuch in einer anderen Welt.
Malaika, Naomi und Sarah Weinforth (v.l.) mit Finnley.

Malaika, Naomi und Sarah Weinforth (v.l.) mit Finnley.

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Malaika, Naomi und Sarah Weinforth (v.l.) mit Finnley.

Neuss. Winnetou, den fiktiven Häuptling der Mescalero-Apachen, hat Renate Weinforth als Teenager kennen und lieben gelernt. Bis heute lassen sie die Helden der Abenteuer-Romane von Karl May nicht los. „Als ich etwa zwölf Jahre alt war, habe ich angefangen die Geschichten von Karl May zu lesen“, erzählt die 59-Jährige, die seit 1979 Mitglied im Neusser Shawano-Apachen-Club (SAC) ist und dort den Namen Alapaha – „Blume der Prärie“ – trägt. Ihren Mann Willi (59), im „echten Leben“ Ingenieur, hat sie 1981 in dem Verein kennengelernt. „Anfangs habe ich mir die Kleidung ausgeliehen; heute stellen wir alles selbst her – nähen beispielsweise Gewänder aus Leder oder Wolle oder fertigen Perlenschmuck an.“

„Die Schüler sind interessiert, wenn ich ihnen erzähle, dass wir Wettkämpfe veranstalten Federschmuck selbst herstellen.“

Reanate Weinforth, Mitglied im Apachen-Club

Gegründet wurde der Club, der an der Bonner Straße bei Uedesheim eine eigene Ranch mit Blockhaus unterhält, dort regelmäßig in Tipis übernachtet und Treffen mit anderen Indianer-Clubs veranstaltet, im Jahr 1963 von Heribert Schillings, besser bekannt unter seinem Indianernamen Tecumseh. „Angefangen hat alles mit selbst geschneiderten Kostümen für den Karneval – und ist zu einem richtigen Indianer-Kult geworden“, erzählt der heute 84-Jährige, der immer noch Häuptling ist – ein Amt auf Lebenszeit. Die Vereinsführung hat er allerdings schon 1990 an Willi Weinforth abgegeben, der den Indianernamen Satanta – „weißer Bär“ – trägt.

Renate und Willi Weinforths Leidenschaft teilen ihre drei Töchter Malaika, Naomi und Sarah, deren achtjähriger Sohn Finnley jüngstes Mitglied des SAC ist. „Zur Gründungszeit waren wir rund 40 Indianerfreunde, sind jedes Jahr im Kappessonntagszug als Fußtruppe mitgelaufen, teilweise sogar mit Pferden“, erzählt Schillings. Heute machen er und die sechs Weinforths die Hälfte der nur noch 14 Mitglieder aus. „Die Kinder haben heute andere Helden“, bedauert Willi Weinforth. „Star Wars und Spiderman sind angesagt. Indianer und Cowboys sieht man nur wenige.“

Der Verein findet nur schwer neue Mitglieder

Um die Traditionen der Indianer weiterzutragen, zeigt Renate Weinforth regelmäßig Grundschülern im Rahmen von Projekttagen ihre Gewänder, erzählt Geschichten und lehrt sie, was man aus Muscheln, Perlen, Fellen und Zähnen herstellen kann. „Die Schüler sind sehr interessiert, auch, wenn ich ihnen erzähle, dass wir Wettkämpfe veranstalten und Waffen oder Federschmuck selbst herstellen.“ Um mehr Männer, Frauen und vor allem Familien für die Tradition der nordamerikanischen Indianervölker zu begeistern, veranstalten die Neusser Shawano-Apachen jeden ersten Maisonntag im Saloon auf der Ranch einen Country-Abend mit Live-Band, der auch „Tag der Offenen Tür“ des Vereins ist. „Meist kommen mehr als 100 Leute, die von der tollen Atmosphäre begeistert sind“ erzähl Renate Weinforth. An den Verein binden wolle sich kaum jemand. „Man muss sich mit dem Leben der Indianer auseinandersetzen, Völkerkunde betreiben und Lust haben, Mitverantwortung zu übernehmen.“

„Dabei können besonders Kinder bei uns viel an der frischen Luft erleben, Bogenschießen, Tomahawk-Werfen, Indianerspiele – und draußen übernachten“, fügt Willi Weinforth an. An warmen Wochenenden nämlich bauen die Clubmitglieder ihre weißen Tipis auf der Ranch auf, machen ein Lagerfeuer und genießen die Freiheit der weiten Prärie.

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