„Die Ratte“ in der Inszenierung von Thorsten Dult verzichtet auf Subtiles.

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Stefan Diekmann und Lina Riebau in „Die Ratte“.

Stefan Diekmann und Lina Riebau in „Die Ratte“.

RLT

Stefan Diekmann und Lina Riebau in „Die Ratte“.

Neuss. Es gibt sicherlich anspruchvollere Möglichkeiten, als den letzten Tag des Jahres mit dem Stück "Die Ratte" im Landestheater einzuläuten. Aber an Silvester neigt man in der Rückschau auf die vergangenen zwölf Monate ja schon mal zur Nachsicht. Und so hat ein Besucher der Inszenierung von Thorsten Dult nach zwei Stunden "Zickenkrieg" auf der Bühne das Urteil zutreffend zusammengefasst: "War ganz nett."

Zwei Schwestern stehen im Mittelpunkt der Handlung in einem New Yorker Appartement. Die Männer sind in dem Stück von Justine del Corte eher lästige Staffage: Der eine (schlägt sich ordentlich: Rainer Scharenberg), ohnehin erfolg- und arbeitslos, lässt sich herumkommandieren und wird zum willenlosen Handlanger seiner Partnerin mit den schrulligen Allüren. Der andere (zu oft dem Klamauk geopfert: Stefan Diekmann) ist als Professor zwar erfolgreich, sein vorgeschobenes Selbstbewusstsein fällt jedoch wie ein Kartenhaus zusammen, sobald seine schwangere Frau Willensstärke demonstriert. Ein dritter (albern: Michael Felgenhauer) reiht sich als weinerlicher Macho in einer überflüssigen Nebenrolle in die Riege der männlichen Schlappschwänze ein.

Ein überzeugendes Psycho-Duell

"Schwestern am Rande des Nervenzusammenbruchs" heißt der Untertitel der Premiere, und diese Anleihe an den Almodovar-Film vermittelt perfekt, worum sich alles in der Komödie dreht. Linda Riebau und Katharina Dalichau fechten einen Familienstreit aus, der von Sticheleien bis zu schlagkräftigen Ausein-andersetzungen reicht. Dieses ausgeglichene Psycho-Duell macht das Stück dann doch sehenswert, da es beiden Schauspielerinnen gelingt, glaubhaft die Bandbreite an Spannungen zu verkörpern, die einer solchen Beziehung zugrunde liegen: Zuneigung und Hass, Verletzlichkeit und Egoismus, Selbstüberschätzung und Manipulationsdrang.

Es hätte Dult gut zu Gesicht gestanden, die Schauspieler auf dieser Ebene noch mehr zu fordern. Das Subtile kommt letztlich aber zu kurz, stattdessen muss der Zuschauer erleben, wie sich Linda Riebau als schwangere Isabell ein halbes Dutzend Mal auf der Bühne übergibt und einmal sogar ihrem bemitleidenswerten Partner den grünen Theaterschleim direkt ins Gesicht spuckt. Was neben schlecht vorgetäuschten Faustschlägen so zum gelungenen Finale beitragen soll, verkommt am Ende zu billigem Slapstick.

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