Feier-Zeit: Beim Auftakt der tollen Tage ging’s hoch her: Bürgermeister Napp wurde in Ketten gelegt.

Vom Tag der Weiber berichten vom Nüsser Markt (von links): Ulla Dahmen, Jeanne Andresen, Ellen Schröder.
Vom Tag der Weiber berichten vom Nüsser Markt (von links): Ulla Dahmen, Jeanne Andresen, Ellen Schröder.

Vom Tag der Weiber berichten vom Nüsser Markt (von links): Ulla Dahmen, Jeanne Andresen, Ellen Schröder.

Uli Engers

Vom Tag der Weiber berichten vom Nüsser Markt (von links): Ulla Dahmen, Jeanne Andresen, Ellen Schröder.

Neuss. Ordentlich wie stets das Sels-Zimmer neben dem Bürgermeister-Büro. Die Unterschriftenmappe auf dem Tisch, zuoberst: Einladung zu einer Veranstaltung "Die Freiheit im Werk von Friedrich Schiller." Ob der Bürgermeister zusagen wird, ist nicht bekannt. Unterschrieben hat er am Donnerstag nicht mehr. Viertel vor Elf. Etliche Damen und einige Herren von Prinzengarde und Blauen Funken stürmen das Zimmer, und nach geschätzten fünf Sekunden ruft jemand triumphierend "Wir hamm et."

Soll heißen: Herbert Napp, rot-silbern-rostbraun gestreifte Krawatte des Modells Weihnachten 1982, braunes Sakko, steht da in den bewährten rot-weißen Fesseln. Keine Gegenwehr, keine Gegenrede, das ist ein Sich-Fügen in Dinge, die nicht zu ändern sind.

Es geht runter ins Foyer, die ersten Biere gehen auch vor Elf. Kurz drauf kommen der Prinz und die Novesia, auf die es zumindest an Altweiber ja ganz besonders ankommt. Sie ist sichtlich gut drauf, tanzt, grüßt, freut sich. Ob sie das bis zum Abend durchhält? Der Bürgermeister, zur Nebenfigur degradiert, steht umringt von Rot-Weiß in der Ecke. Musik, wippen, schunkeln, und "Wo gibt’s denn hier die Wertmarken?" Gleich um die Ecke, die Währung ist einfach. Ein Bier, eine Marke, ein Euro. "Und wo geht’s zum Klo?" Das weiß keiner. Aber jetzt geht es sowieso raus auf den Markt.

"Ich bin vom Karneval gefesselt."

Herbert Napp, Bürgermeister

Es ist voll vor der Bühne, am Frankenheim-Stand gibt es Kakao, aber den will niemand. Auf der Bühne wird ein kurzer, sehr kurzer Kampf um den Stadtschlüssel vorgeführt, den dann die Novesia in Händen hält. Die Abschiedsworte von Bürgermeister Napp gehen ein wenig unter, er erzählt etwas von der Tatsache, dass er gefesselt vom Karneval ist. Der Prinz macht eindeutig mehr her und beweist seine Qualitäten als singender Entertainer.

Mit Bierchen und Schunkelmelodien trotzen die Nüsser Jecken auf dem Markt der Winterkälte und ein paar Schneeflocken. Die Kostümwahl verrät den Karnevalsprofi: Der Trend geht zum Ganzkörperkostüm. Zwei rote Füchse bestellen ein Schnäpschen, bützen wollen sie am Donnerstag definitiv noch.

Der begrünte Mann Marco Stollenwerk und Pipi Langstrumpf Norman Marquardt sind mit großen Plänen auf den Markt gekommen: "Ich bin mit meinem Chef Marco unterwegs, um uns erstmal ein bisschen warm zu feiern. Später geht’s weiter". Der Chef ergänzt gutgelaunt: "Dann ziehen wir in die Skihalle, um Kerle aufzureißen."

Die Schwestern Michaela und Katrin Roeder sind als "Die Uschis" unterwegs. Die beiden Träume in Pink haben außer der Party auf dem Markt noch nichts Konkretes vor: "Wir genießen hier die Lebensfreude. Das ist doch das Schönste am Karneval", sagt "Uschi 1", die Michaela heißt. Gabi, Michael, Alexia und Steffi aus Reuschenberg sind im Rokoko-Kostüm bester Stimmung, sie wollen auch am Montag beim Zoch in Holzheim durch die Straßen trekken.

Prinzenmutter Renate Fischer ist wahnsinnig stolz auf Sohn Jörg und klatscht begeistert, als er auf der Bühne "Kumm loss mer fiere" anstimmt. "Das hat er sich seit Jahren gewünscht", erzählt sie. Daniel Odermatt-Blaser ist sogar aus der Schweiz angereist. Viermal ist er schon beim Kappessonntagszoch mitmarschiert. "Die Blauen Funken waren vor 20 Jahren bei uns zu Gast, seitdem sind wir alle eng befreundet", erzählt er.

Im Krankenhaus möchte man den "Schwestern Rabiata" lieber nicht begegnen, aber auf dem Markt verbreiten Alberto Mondello und Azem Murati viel gute Laune. Unterm ausladenden Schaumstoffbusen schlägt bei beiden ein jeckes Herz: "Wir machen hier Spaß, Tingel-Tangel und so weiter. Und wenn unsere weiße Schwesterntracht richtig dreckig ist, ziehen wir sie aus."

Der Bürgermeister übrigens wart nicht mehr gesehen. Seine Krawatte hängt jetzt im WZ-Archiv.

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