Sylvia Richter präsentiert mit „Fettes Schwein“ von Neil LaBute im RLT einen packenden Theaterabend.

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In der Mittagspause lernt der junge Manager Tom (Kaspar Küppers) die mächtig übergewichtige Helen (Katja Thiele) kennen. Es kribbelt und funkt zwischen den beiden, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

In der Mittagspause lernt der junge Manager Tom (Kaspar Küppers) die mächtig übergewichtige Helen (Katja Thiele) kennen. Es kribbelt und funkt zwischen den beiden, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Rheinisches Landestheater

In der Mittagspause lernt der junge Manager Tom (Kaspar Küppers) die mächtig übergewichtige Helen (Katja Thiele) kennen. Es kribbelt und funkt zwischen den beiden, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Neuss. Helen ist richtig nett, kess und schlagfertig. Nur hat sie einen unübersehbaren Makel. Sie ist einfach zu fett. Kann ihre neue Liebe diese pfundige Hürde bestehen? Im Rheinischen Landestheater feierte jetzt die tragikomische Liebesgeschichte "Fettes Schwein" des viel gespielten amerikanischen Gegenwartsdramatikers Neil LaBute unter der Regie von Sylvia Richter Premiere.

Eigentlich fängt die Geschichte ganz harmlos an. In der Mittagspause lernt der junge Geschäftsmann Tom die mächtig übergewichtige Helen kennen. Sie unterhalten sich bestens, man trifft sich wieder, wird ein Paar. Ein einsames Glück - sie steht zu ihrer Figur und ihrer Essenslust, er hingegen kann es nicht, will sie nicht den Freunden vorstellen, schämt sich für sie.

"Dicke sind fröhlich, wissen Sie doch."

NeilLaBute

Dazu kommen seine Kollegen Carter (Felix Lampert) und Jeannie (Birte Rüster). Für sie zählt allein der Erfolg, sie erheben den Zeigefinger, lassen verbale Attacken los, schimpfen den Abtrünnigen, der sich in ein "fettes Schwein" verguckt als abartig und obszön. Am Ende geht Tom in die Knie, zu groß ist der Druck, ihm fehlt die Kraft gegen den Strom zu schwimmen, die Liebe scheitert an der Perversion gesellschaftlicher Norm.

Sylvia Richter präsentiert hier einen packenden Theaterabend, konzentriert auf den Dialog, bringt das, was mit vermeintlicher Leichtigkeit beginnt in einem klar gezeichneten Spannungsbogen zu einem dramatischen Höhepunkt, der es in sich hat - mit großem Gespür für den Nachklang der bitterbösen Töne, wo zunächst vermeintlich flotte Sprüche normative Identitäten bilden.

Idealbesetzung: Alle Schauspieler glänzen in ihren Rollen

Das schlicht effektvolle Bühnenbild von Dietmar Teßmann unterstützt diese klare Geschichte. Er setzt die Protagonisten in riesigen Bilderrahmen in Szene, spiegelt das Bild einer gnadenlosen Gesellschaft, wo derjenige schnell zu scheitern droht, der aus dem sicheren Rahmen fällt.

Mit Kaspar Küppers, Katja Thiele, Felix Lampert und Birte Rüster hat Sylvia Richter eine ideale Besetzung gefunden. Kaspar Küppers glänzt in der Rolle des verzweifelt Liebenden, weiß die Zerrissenheit seiner Figur wunderbar zu formen und berührt in der Offenbarung seines menschlichen Scheiterns.

Katja Thiele gibt dazu ein wunderbares Pendant als runde, lebensbejahende und selbstbewusste Helen mit kraftvoller Frische. Felix Lampert ist der perfekte Prototyp der gelebten Oberflächlichkeit, auf Moral pfeifend, der Erfolg ist die Lebensdevise. Birte Rüster macht dieses charakterstarke Quartett trefflich komplett, gibt ihrer Jeannie die richtige Eigenart, stets auf den eigenen Vorteil bedacht, eine menschliche Hülle ohne Eigenschaften.

Ein unbedingt sehenswerter Theatergenuss mit reichlich Stoff zur Nachbereitung eigener Rahmenbedingungen.

» Weitere Aufführungen im RLT: Heute, 20 Uhr; 29.Januar, 20 Uhr; 1. Februar, 6.Februar, 17. Februar

www.rlt-neuss.de

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