Die Wohlfahrtsverbände lehnen die Sparpläne im Sozial- und Jugendetat ab. Sie seien nicht nachvollziehbar.

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Fünf Streetworker arbeiten derzeit in Neuss. Sollten die Einsparpläne durchgesetzt werden, könnte sich ihre Zahl künftig verringern.

Fünf Streetworker arbeiten derzeit in Neuss. Sollten die Einsparpläne durchgesetzt werden, könnte sich ihre Zahl künftig verringern.

dpa

Fünf Streetworker arbeiten derzeit in Neuss. Sollten die Einsparpläne durchgesetzt werden, könnte sich ihre Zahl künftig verringern.

Neuss. "Wir haben uns sehr genau mit dem Haushaltsentwurf 2010 befasst. Eine nachvollziehbare Begründung, ausgerechnet im Sozial- und Jugendetat so stark zu kürzen, gibt es aus unserer Sicht nicht." Caritas-Direktor Norbert Kallen fand klare Worte für die Pläne der Verwaltung, im Haushalt 2010 die Summe von 1,4 Millionen Euro im Jugend- und Sozialetat einzusparen.

"Was ist mit anderen Bereichen, etwa Bauen und Wohnen? Warum sind die kaum von Kürzungen betroffen? Welche Prioritäten werden in dieser Stadt eigentlich gesetzt?", ärgert sich Kallen als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände. Einsparmaßnahmen wie sie etwa der städtische Beigeordnete Stephan Hahn forderte, will die Arbeitsgemeinschaft nicht hinnehmen.

"Wenn die Kürzungen in dieser Rigorosität durchgeführt werden, darf sich Neuss nicht mehr soziale Großstadt nennen."

JoachimBraun, Familienforum

Beispiel Streetworker: Etwa 185.000 Euro setzte die Stadt im vergangenen Jahr ein, um für Personal- und Sachkosten der fünf Streetworker aufzukommen. In diesem Jahr sollen dafür noch knapp 70.000 Euro bereitgestellt werden. "Die Streetworker gehören zu einem Projekt, das vor fünf, sechs Jahren von der Politik initiiert wurde und das sich als erfolgreich bewiesen hat", sagt Kallen. "Warum wird es jetzt wieder abgeschafft?" Auch Stephan Butt vom Diakonischen Werk kann eine Kürzung nicht nachvollziehen. "Selbst anfangs kritische Polizisten sind mittlerweile vom Einsatz der Streetworker überzeugt. Und es profitieren nicht nur junge Leute. Auch ältere Menschen trauen sich dort, wo Streetworker im Einsatz sind, wieder auf die Straße."

Besonders bitter stößt den Vertretern der Wohlfahrtsverbände die Kürzung bei vorbeugenden Maßnahmen auf. Die Folgekosten seien nicht absehbar, warnt Joachim Braun vom Familienforum-Edith-Stein. "Wenn die Kürzungen in der Rigorosität durchgeführt werden, darf sich Neuss nicht mehr soziale Großstadt nennen."

Bevor die Vertreter selbst Bereiche benennen, in denen es Einsparpotenzial gibt, verlangen sie von Verwaltung und Politik Antworten auf ihre Fragen. "So können wir der Vorlage aus dem Rat nicht folgen", sagt Kallen.

Die nächste Ratssitzung findet am 5. Februar statt. Diskutiert wird auch im Jugendhilfeausschuss (27. Januar) und im Sozialausschuss (21. Januar).

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