Die Ausweisung von Bauland stößt in der Politik auf Kritik. Erst soll die Bedarfsanalyse vorgelegt werden.

Neuss. Die Verwaltung möchte dringend neue Flächen für Wohnbebauung ausweisen. Darauf hatte schon vor Monaten Bürgermeister Herbert Napp aufmerksam gemacht und das hat der städtische Bereich Liegenschaften bereits im Fachausschuss thematisiert. Doch die Politik zieht - noch - nicht mit. Der Planungsausschuss mochte dem Wunsch der Verwaltung, vorrangig Flächen in Norf südöstlich der Grupellostraße sowie in Hoisten-West weiter zu untersuchen, nicht folgen.

Nachfrage nach Bauland sei hoch und steige stetig an

Peter Müller vom Betrieb Liegenschaften hatte zuvor nochmals erklärt, die Nachfrage nach Wohnbauland sei hoch und steige stetig an: Gab es im Januar noch 302 Anfragen ganz überwiegend von Familien, so liege diese Zahl jetzt schon bei fast 500. "Zurzeit werden die letzten Grundstücke verkauft", sagte er. Zu dem Mangel an städtischen vermarktungsreifen Wohnbau-Grundstücken kommt der finanzielle Aspekt: Der Bereich Liegenschaften will einem für 2011 absehbaren Defizit entgegenwirken.

Nach Voruntersuchungen kommt die Verwaltung zu dem Schluss, dass kurz- und mittelfristig nur eine große Fläche in Hoisten (zehn Hektar, langfristig weitere elf Hektar) sowie an der Grupellostraße nahe des Lessingplatzes mit vier Hektar zu entwickeln wäre.

Die Politiker aller Fraktionen bemängelten allerdings, dass es zwar eine Analyse über den quantitativen Bedarf gebe - eine Studie besagt, dass jährlich gut neun Hektar Fläche benötigt werden. Die qualitative Untersuchung aber fehle. Vergebens argumentierte Planungsdezernent Stefan Pfitzer, es gehe bei dem beantragten Beschluss nur um eine Flächenbereitstellung; über die Art der Bebauung könne auch später entschieden werden. Der Gegenwind war stark. Von einem willkürlichen Herauspicken zweier Flächen war da die Rede, einem jetzt geforderten Freibrief für die Verwaltung, von fehlender Diskussion in den Stadtteilen und einer noch notwendigen Koordinierung mit dem künftigen neuen Flächennutzungsplan.

Fazit der Ausschussmitglieder: Die Grundlage für einen Beschluss, die Flächen in Norf und Hoisten für ein Bauleitplanverfahren mit dem Ziel Wohnbebauung vorzubereiten, fehlt. Der Ausschuss will sich erst wieder mit dem Thema befassen, wenn die Bedarfsanalyse vorliegt. Mit der sei allerdings nicht vor Ende Oktober zu rechnen, teilte die Verwaltung mit.

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