Die Diskussion um Schießstände in Schulen verärgert die Sportschützen. Alle Stände seien gesichert.

In drei Neusser Schulkellern trainieren Schießsportvereine.
In drei Neusser Schulkellern trainieren Schießsportvereine.

In drei Neusser Schulkellern trainieren Schießsportvereine.

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In drei Neusser Schulkellern trainieren Schießsportvereine.

Neuss. Hinter schweren Stahltüren liegen sie in Schulkellern verborgen, die Schießstände der Neusser Sportschützenvereine. Im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, der Realschule Holzheim und der Christian-Wierstraet-Realschule gibt es sie seit mehr als 30 Jahren. Auf Zehn-Meter-Bahnen trainieren die Schützen nach Schulschluss regelmäßig ihre Zielgenauigkeit. Zahlen müssen die Vereine dafür allerdings nichts.

In den Augen von NRW-Schulministerin Barbara Sommer ist das kein Zustand. Sie fordert alternative Standorte für Sportschützen. Schulen seien kein richtiger Ort für Waffen. Wenn es nach ihr ginge, müsste sich auch der Sportschützenverein Reuschenberg, der dreimal die Woche den Keller des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums zum Training nutzt, bald nach einer neuen Bleibe umsehen. Für Heinz London (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses, ist das eine Diskriminierung des Schießsportes. Er selbst war bis vor drei Jahren in einer Bruderschaft aktiv, hat eine Schießleiterlizenz. "Damit stellt die Ministerin Sportschützen unter einen Generalverdacht", ist er überzeugt. Die Debatte lasse den Geschmack aufkommen, Schießsportvereine seien Gemeinschaften von "schießwütigen Rambos" - und das sei "absolut unangebracht". Seit vielen Jahren sei der Schießsportverein Reuschenberg in den Kellerräumen des Gymnasiums aktiv, nie sei es zu Problemen gekommen. "Es gibt strenge Auflagen, die stets erfüllt wurden", so London. Waffenschränke seien ordnungsgemäß gesichert und die Munition separat gelagert.

"Es ist äußerst bedenklich, gleich alles zu verteufeln."

Das bestätigt auch der stellvertretende Sportamtsleiter Ralf Deutzmann. Lediglich Druckluftwaffen, Luftgewehre und Luftpistolen seien in den Kellerräumen untergebracht, keine Kleinkaliber. Außerdem würden die Anlagen zweimal im Jahr kontrolliert.

Trotz der Sicherung von Gewehren und Munition war es in einer Gelsenkirchener Schule bereits zu Problemen gekommen ist. Im Keller waren Schränke aufgebrochen und dabei Waffen und Munition gestohlen worden. "Wenn Menschen etwas Schreckliches anstellen wollen, dann tun sie das auch", sagt Schuldezernentin Christiane Zangs. Ob der Gewehrschrank im Schulkeller oder fünf Kilometer entfernt liege, sei dann unwichtig. "Es ist äußerst bedenklich, gleich alles zu verteufeln", sagt Zangs. Wenn Menschen fähig seien, mit einem Auto in eine Menschenansammlung zu fahren, dann müssten nach dieser Rechnung auch Parkplätze in der Nähe von Menschenansammlungen verboten werden, so Zangs. In der Verwaltung hat man sich dennoch mit der Thematik Schießstände an Schulen befasst. In der jüngsten Sitzung des Schulausschusses hatte Zangs bereits aufgelistet, dass man sich seit 2005 mit dem Thema "Krisensituationen an Schulen - Amoklage" beschäftige. Nun wolle man sich bald auch persönlich an die Schulleiter wenden.

Die Sportschützen bestehen indes nicht auf ihre Unterbringung in den Schulen. Sie kämpfen ohnehin seit 35 Jahren für eine separate Schießsporthalle. "Dass wir allerdings in Verruf geraten, ist wirklich beschämend", so Heinz-Peter Urbach, Vorsitzender des Schießsportvereins Reuschenberg.

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