Auswahlverfahren: Am Montag gab die interfraktionelle Arbeitsgruppe ihre Empfehlung für den strategischen Partner der SWN ab.

Neuss. Noch bevor der Moderator Heinz Welter die Empfehlung der interfraktionellen Arbeitsgruppe "Zukunft der Stadtwerke" offiziell bekannt gab, munkelte man auf den Fluren bereits das Ergebnis vorhersagen zu können. Und ob die selbst ernannten Propheten sich in der Verkündung nun bestätigt fühlten oder nicht - Heinz Welter war mit dem Ergebnis des Auswahlverfahrens des möglichen Stadtwerke-Partners mehr als zufrieden.

"Beide Interessenten, Rheinenergie und RWE, haben sehr interessante Angebote gemacht, die im Falle einer Realisierung jeweils zu einer gewünschten Ertragssteigerung führen würden", machte es Welter zunächst spannend.

"Doch die breite Mehrheit der Arbeitsgruppe hat sich für den Einstieg von RWE als strategischen Partner mit einem Anteil von 24,9Prozent ausgesprochen." Vertreter von SPD und CDU stimmten den Argumenten des mit der Anbieterprüfung beauftragten Beratungsbüros Deloitte & Touche zu, die Grünen lehnten eine Partnerschaft mit RWE ab.

Mehr Gewerbesteuereinnahmen und Kundenbindung

Die finalen Angebote der Anbieter sind nach einem festgelegten Kriterienkatalog überprüft worden. Beide würden zwar zu einer Verbesserung der Ertragslage der Stadtwerke führen, bei einer Partnerschaft mit RWE könne die Stadt allerdings mit höheren Gewerbesteuereinnahmen rechnen, sagte Deloitte-Geschäftsführer Ulrich Harnacke.

Zudem überträgt RWE seine Privat- und Gewerbekunden sowie die Geschäftskunden sofort an die Stadtwerke. "Bei einer Beteiligung von Rheinenergie hingegen müssten die rund 83.000 Kunden im Wettbewerb gewonnen und ein Stromvertrieb aufgebaut werden", erklärte Harnacke. Damit sei auch das Risiko verbunden, dass Kunden dritte Lieferanten in Anspruch nähmen, die nicht aus der Region stammen.

"Eine Beteiligung von RWE würde mit einem Schlag dazu führen, dass die überwiegende Mehrheit der Neusser Haushaltskunden ab sofort den Strom von ihren Stadtwerken bekomme", sagte Welter. Die SWN würden dadurch zu dem von der Politik gewünschten Multi-Utility-Unternehmen, das den Service im Bereich Ver- und Entsorgung von Neuss für Neuss aus einer Hand anbieten kann.

"Für die Bürger hat das einen hohen emotionalen Bezug", sagte Welter. "Außerdem bestimmen die Stadtwerke alleine die Preisgestaltung und woher der Strom kommt - aus welcher Erzeugung und von welchem Lieferanten."

Sie würden darüber hinaus einen hohen Anteil aus regenerativer Energie selbst erzeugen. "Vor diesem Hintergrund bedauere ich die Entscheidung der Grünen, sich gegen eine Partnerschaft mit RWE auszusprechen", so Welter.

Sowohl RWE als auch Rheinenergie sichern in ihren Angeboten den Erhalt bereits bestehender Arbeitsplätze bei der SWN. RWE garantiert die Schaffung von 30 neuen Stellen, Rheinenergie hingegen nur drei.

Zusätzlich stellt Rheinenergie 30 bis 50 Arbeitsplätze im Falle des Baus eines Kraft-Wärme-Koplungs-Kraftwerks im Hafen in Aussicht. "Das erscheint uns jedoch sehr unsicher", sagt Harnacke. "Ob ein solches Kraftwerk errichtet werden kann, ist derzeit noch nicht abschließend zu bewerten."

Welter und Harnacke versichern, dass das RWE-Angebot nicht nur das bessere, sondern auch ein sehr gutes sei. "Dass die großen Parteien in Zeiten des kommunalen Vorwahlkampfes zusammengehen, sollte den Bürgern zeigen, dass es für sie das Richtige ist", so Welter.

Am Freitag wird der Rat darüber entscheiden, ob er sich der Empfehlung der Arbeitsgruppe anschließt.

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