Katholischer Lehrer aus Neuss schließt Schülerin aus.

Der Leiter der Janusz-Korczak-Gesamtschule, Achim Fischer, versuchte vergeblich, seinen Kollegen umzustimmen.
Der Leiter der Janusz-Korczak-Gesamtschule, Achim Fischer, versuchte vergeblich, seinen Kollegen umzustimmen.

Der Leiter der Janusz-Korczak-Gesamtschule, Achim Fischer, versuchte vergeblich, seinen Kollegen umzustimmen.

Uli Engers

Der Leiter der Janusz-Korczak-Gesamtschule, Achim Fischer, versuchte vergeblich, seinen Kollegen umzustimmen.

Neuss. An einer Neusser Gesamtschule weigert sich ein Religionslehrer, eine Oberstufenschülerin an seinem katholischen Religionsunterricht teilnehmen zu lassen. Der Grund: Sie ist nicht getauft. Seit Jahren besuchte die gute Schülerin den katholischen Religionsunterricht und wollte das nach dem Lehrerwechsel weiterhin tun.

Vergeblich hatte daher auch der Schulleiter der Janusz-Korczak-Gesamtschule Neuss, Achim Fischer, versucht, auf seinen Kollegen einzuwirken, nachdem sich die Schülerin und deren Eltern an ihn gewandt hatten. "Ich habe ihn gefragt, ob es wirklich sein muss, dass die Schülerin seinen Unterricht nicht besuchen darf", sagt Fischer. Die Antwort des Religionslehrers sei unmissverständlich gewesen. "Das muss", habe er geantwortet.

Dem Schulleiter sind die Hände gebunden

Damit sind dem Schulleiter die Hände gebunden. "Die Religionsgemeinschaften haben das Entscheidungsrecht darüber, wer am Unterricht teilnehmen darf und wer nicht", sagt Christoph Heckeley, stellvertretender Pressesprecher des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner. Denn beim Religionsunterricht stellt zwar das Land die Lehrer, die Entscheidungshoheit über den Inhalt des Unterrichts haben jedoch die Kirchen.

"Dennoch halte ich dieses Vorgehen für ausgesprochen exotisch. Erlebt habe ich so etwas bisher nicht", sagt die Neusser Schulrätin Ulrike Hundt. Dies spielt für das Erzbistum Köln, das die letzte Entscheidungsbefugnis hat, jedoch keine Rolle. "Für uns ist die konfessionelle Homogenität entscheidend. Angehörige der eigenen Konfession haben ein Recht auf Beheimatung im Unterricht", sagt Heckeley.

Ähnlich äußert sich auch der Neusser Geistliche Stadtdechant, Guido Assmann. "Der Glaube soll im Religionsunterricht gestärkt werden und ein Fundament bekommen." Zwar sagt Assmann, dass es dazu eine homogene Gemeinschaft brauche, die dies mitträgt, doch auch der Katholik spricht von einem "seltenen Vorgang".

Dass der Schulleiter die Entscheidung seines Kollegen bedauert, sagt er nicht ausdrücklich. Jedoch verweist er darauf, dass an seiner Schule in der Vergangenheit ein Schüler Religion im Abi hatte, der Moslem war. "Ich habe im aktuellen Fall versucht, zu helfen. Das ist nicht gelungen", sagt Fischer.

Der Lehrer wollte sich zu seinen Gründen, die Schülerin nicht zu unterrichten, nicht äußern.

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