Karneval: Die Neusser Tollitäten über Stress, Spaß und Stimmungslieder.

Neuss. Frohsinn minus Hemmung plus Kostüm plus Gerstensaft-Doping gleich Weiberfastnacht. Bis zum Beginn des Straßenkarnevals sind es nur noch wenige Stunden und die Vorfreude bei den Jecken nimmt sekündlich zu. So geht es auch den Neusser Tollitäten Jörg I. Fischer und seiner Novesia Elvira I. Die gestandenen Karnevalisten sprachen gestern beim Besuch in der WZ-Redaktion über Stresssymptome, kurzweilige Sitzungen und Stimmungslieder.

WZ: Prinz Jörg, hinter Ihnen liegen fast 200 Auftritte. Geht da langsam die Puste aus?

Prinz Jörg: Ach, noch lange nicht. Das Schönste kommt doch erst noch. Wir freuen uns riesig auf den Kappessonntag und geben jetzt noch einmal Vollgas. Allerdings habe ich mich ein wenig erkältet. Aber ich hoffe, es wird nicht schlimmer.

WZ: Es gab sicherlich auch hektische Situationen in der Session?

Prinz: Ja, klar. Aber dann ruhen wir uns zu Hause auf der Couch wieder aus und laden den Akku auf. Beim Nüsser Ovend mussten wir fast anderthalb Stunden bis zu unserem Auftritt warten. Das war ein wenig nervig. Aber wenn man erst einmal auf der Bühne steht, ist das alles schnell vergessen.

WZ: Was ist denn so schön daran, Tollität zu sein?

Novesia Elvira: Es kommt unheimlich viel zurück von den Leuten. Das haben wir vor allem auf den kleinen Veranstaltungen festgestellt. Wenn man in die Gesichter der Menschen schaut, merkt man, dass bei ihnen eine gewisse Freude am Karneval und dem, was damit verbunden ist, vorhanden ist.

WZ: Das liegt sicherlich auch daran, dass der Prinz singen kann...

Prinz: Es freut mich, dass ich mit meinen Liedern "Für heute, für morgen, für immer" und "Kumm loss mer fiere" so viel Zustimmung auf der Bühne erfahren habe. Das macht sehr viel Spaß.

WZ: Gibt es den singenden Prinzen denn auch auf CD?

Prinz: Das klappt leider aus rechtlichen Gründen nicht, die Melodie stammt von Olaf Henning.

WZ: Die richtigen Stimmungslieder gehören zum Karneval dazu...

Prinz: Auf jeden Fall. Die Musik ist mein großes Hobby. Ich spiele Klavier und Gitarre und bin seit 20 Jahren als Alleinunterhalter unterwegs.

WZ: Singt die Novesia denn auch?

Novesia: Nein, das überlasse ich meinem Mann. Wenn die Laune gut ist, singen wir manchmal im Auto.

WZ: Einmal im Leben Prinz zu sein, das ist der Traum eines jeden Jecken. Ihr Vater Karl-Heinz Fischer ist seit Jahren im Karneval aktiv. Hat er das Narren-Gen an sie weitergegeben?

Prinz: Ja, das stimmt sicherlich. Schon als Elfjähriger bin ich beim Zoch mitmarschiert und war 1980/81 Kinderprinz. Mein Vater ist mächtig stolz. Für mich ist jetzt ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Und meine Frau habe ich auch ein wenig infiziert... Wenn ich aber wie in Düsseldorf als Prinz Strumpfhosen tragen müsste, hätte ich mir das noch einmal gut überlegt...(lacht).

WZ: Sie und Ihre Frau haben sich am 11.11. getraut, nicht wahr?

Prinz: Ja, das war vor zwölf Jahren. Wir haben für unsere Hochzeit ein närrisches Datum gewählt - wie es sich für waschechte Jecke gehört.

WZ: Novesia, Sie sind keine gebürtige Neusserin, sondern kommen aus Ostpreußen. Hat Ihr Mann Sie mit dem Karnevalsvirus angesteckt?

Novesia: Ich war sofort Feuer und Flamme. Seine Familie und Freunde sagten zu mir: Wenn du einmal mitmachst, hörst du nicht mehr auf. Und so war es auch.

WZ: Können Sie Sich an Ihr erstes Kostüm erinnern?

Novesia: War es die Novesia Nuss-Schokolade? Nein, ich glaube, es war ein blau-weiß kariertes Kleid, das ich zum Zoch getragen habe.

WZ: Was unterscheidet die Neusser Tollitäten von denen in anderen Städten?

Prinz: In Neuss muss man sich selbst finanzieren. 1000 Orden fertigen zu lassen, das ist schon ein ganz schöner Batzen. Dazu kommen die Autogrammkarten und die Fotos. Unsere Crew arbeitet super zusammen, aber Unterstützung in jeder Hinsicht können wir immer gebrauchen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer